Ihr fragt

Ihr fragt
Ihr fragt mich
Nach meinem Namen
Fragt skrupellos
Und unverdrossen
Fragt ohne Scheu
Fragt nach meinem Namen
Ich sage Euch
Ich sage Euch Ich bin
Und ihr seht mich fragend an
Ich sage Euch
Wollt ihr meinen Namen wissen
So fragt mich

Was ich bin
Ob ich bin wieichbinwoichbinwomitichbinwehalb
Etc.
Wenn ihr fragt
Wenn ihr mich nach meinem Namen
Fragt
Sage ich euch
Nichts
Dann
Ichbinichbinichbinichbinichbinichbin
Ein Mensch
Eine Frau
EinLebeweseneinSternenstaubeinBaumeinWorteinJahr
Und ihr seht mich fragend an
Und ich sage euch
Ich bin ihr
Ihr seid ich
Wir sind alles
Alles ist wir
Ich sind alles
Ihr bist ich
Alles sind ich
Allessindich
Und ihr seht mich fragend an
Seid ratlos
Kennt mich nicht

Einer steht dann auf
Er fragt
Erfragtmich
Nach meinem Namen
Fragt leise
Und ängstlich
Fragt nach meinem Namen
Und ich nenne ihn
Sage ihn laut
Alle kennen ihn
Und wissen doch nicht
Dass wir sind
Und nur ich weiss es
Lächle
Einer lächelt auch
Andere lächeln auch
Und jeder von uns ist

Jeder von uns ist allein.

13. Juni 1998

Du lebst

Du lebst
Ich lebe nicht
Ich bin ohne zu sein
Ohne zu leben
Fehlen dir die Worte, so fehlst du dir ganz
Fehlen sie mir, so bin ich nicht einmal mehr
Du lebst
Du bist voller Leben
Ich bin leer
Ich merke es nicht
Nur wenn du sprichst
Nur wenn du die Worte sprichst
Doch du sprichst sie zu vielen
Und ich hasse mich dann
Denn ich liebe dich nicht um deiner selbst
Ich liebe dich wegen deiner Lebendigkeit
Die du kurz
Auf mich überspringen lassen kannst
Dann füllst du mich
Doch das ist Zuwenig für immer
Und es ist nicht du selbst
Oh traurige Leere
Oh traurige Leere
Ach
Wäre ich doch am Leben wie du

13. Juni 1998

Viele Tage sind vergangen
Und viele Nächte
Der Mond kam, wenn die Sonne ging
Einsam ist der Weg der Wanderer
Allein sind jene, die suchen

Ich durchquere die dunklen Wälder
Steige auf die Höhen der grauen Berge
Ich begleitete den Silberfluss
Und sah das Einhorn einsam klagen
Doch mein Weg sollte noch lange vor mir liegen

Im Nebel der Grasebenen von Dunaine
Offenbarten sich mir die Schicksalswege
In den Höhlen der Zwerge
Wo einst das kleine Volk grosse Feste feierte
Fand ich nur Leere

Die Abgründe von Dämonen beherrscht
Am Himmel flogen schwarze Drachen
Die Denkmäler der Alten zerstört
Der Krieg hatte lange gewütet
Einsam grüsst mich der Mond vom Himmel

Auf Elmerim, dem Berg der Wahrheit
Erschien mir der grosse Feind
Und wir rangen
Im Blute der weinenden Steine
Schreiend stirbt das alte Wesen

Nun sind die Prophezeiungen erfüllt
Besiegt, was Leben verschlang
Doch niemand nannte mir einst den Preis
Dass ich nun weiter wandern muss
Geworden zu dem, was durch mich starb.

23. Juni 1998

Andere Welt

Ich erwarte meinen letzen Atemzug
Die Dunkelheit
Die Dunkelheit umgibt mich
Das Leben brennt noch tief in mir
Meine Seele beginnt zu fliegen

25. Juni 1998

Sehnsucht
Raum und Zeit stehen still
Das Leben zieht an mir vorbei
Ich denke
An verblasste Erinnerungen

Sehnsucht
Das Gehen fällt mir schwer
Kann meine Arme nicht bewegen
Sehe keine Farben mehr
Das Glück ist grau geworden

Verwirrung
Eine Raupe hat sich verpuppt
Doch heraus kam kein Schmetterling
Ich wünsche mir den Tod zurück
Meine Gefühle tanzen lachend im Kreis

Sehnsucht
Ich habe vom verbotenen Apfel gekostet
Die Maske abgestreift
Durch eine andere ersetzt
Die mir nicht zu eng war
Nun muss ich weinen

Bitte, Sehnsucht, stirb!

2. November 1998

Ich habe Himmel und Hölle gesehen
Und könnte ich wählen
So würde ich nie sterben wollen
War voller Gefühle
Die ich selbst jetzt
Nach so langer Zeit
Nicht benennen kann
Der umarmte Baum gab mir keine Kraft
Der Wald keine Ruhe
Der Schlaf kein Vergessen
Erst als mein Verstand
Die Notwendigkeit einer Entscheidung erkannte
Als ich einen Entschluss fasste
Wurde es ruhig in mir

Und ich verlor meine Liebe

26. November 1998

Schmerz

Wo sind die Tränen
Wo bin ich
Ich fliege
Aber ich bin nicht allein
Etwas zieht an meinem Leib
Es stammt aus mir selber
Ich muss weinen
Ich schwebe
Woher kommt diese Traurigkeit
Mein Herz ist schwer
Ich bin ruhelos
Suche in meiner eigenen Seele
Nach Antworten
Doch mein Herz lässt mich im Stich
Niemand, der mich tröstet
Keiner, der mich versteht
Weil ich sie nicht sehen kann
Meine Gedanken entschwinden
In den dunklen Gang
Ich eile ihnen nach
Renne um mein Leben
Die Dunkelheit holt mich ein
Ich falle
Durch viele Zeitalter
Fühle den Schmerz
Vieler Menschen
Es ist nur meinen Schmerz
Doch er lastet mehr
Drückt mich schwer gegen den Boden
Zermalmt meinen Körper
Es ist schwarz in mir
Zu einer Zeit
Da ich mich freuen müsste
Wo ist das Licht?
Wo sind meine Tränen
Ich suche die Einsamkeit
Vielleicht den Tod
Und bin selber überrascht
Wie ich so traurig sein kann
Woher dieser Schmerz
Die Sehnsucht nach dem dunklen Schlaf
Sehe mich selber leiden
Und verspotte mich dafür
Wo sind die Tränen
Für jene die wirklich leiden
Was ist mein Schmerz gegen den Schmerz
Tausender
Die Dunkelheit steigt aus den Tiefen auf
Nicht aus der Hölle
Nicht der Himmel hat sie gesandt
Ich suche verzweifelt
Kein Ausweg
Keine Tränen
Es schreit aus mir
Wann wird mein Schmerz vergehen?

Preis

Du siehst mich
Doch du siehst mich nicht
Erkennst nur
Was ich dir zeige
Ich habe zwei Gesichter
Das eine lacht
Wenn du bei mir bist
Ich bei dir bin
Doch als du fragtest
War ich nicht stark
Nicht stark genug
Die Tränen der Mondfrau
Werden zu Perlen
Doch die meine
Versickern nutzlos im Sand
Ich konnte
Dir deine Fragen
Nicht beantworten
Erklärte dir alles
Und sprach doch
Nur stumm
Mit mir selber
Meine Traurigkeit
Verschloss mir die Lippen

Keine Trauer
Um die Menschen
Die sterben
Sondern der Preis
Für mein Glück
Und meinen Frieden
Für unsere Liebe
Eine Pein
Aus der Tiefe meiner Seele
Ich kann sie dir nicht erklären
Nicht mit dir teilen
Denn in der Dunkelheit
Bin ich in mir allein
Allein

Doch wenn die Sonne aufgeht
Streckst du den Regenbogenfinger aus
Machst alle Farben wieder neu
Und fängst mich auf
Heisst mich willkommen
In einer neuen Welt

Und der Preis
Erscheint mir wenig
Für das
Was ich gewann
…dich…

Die Sonne
Hatte sich mühsam
Von der Erde gelöst
Ihre Wärme
Traf mich schwer
In meiner Dunkelheit
Wo ich weilte
Die Lippen fest zusammengepresst
Zu einem lautlosen Schrei
Der Lichtmacher
Färbte die Welt
Mit seinem Regenbogenfinger
Und alles war neu
Die Augen voller Erstaunen
Blickte ich mich um
Und spürte
Die Freude aus meinem Herzen
In die Welt entfliehen
Spürte
Kraft
Das Glück des Leben
Zu ertragen.

2. August 1999

Dawn

Dunkles Herz
Die Raben haben dich davongetragen
In das Land, wo die Träume schlummern
Und meine Seele schreit nach dir

Dunkles Herz
Nie hätten wir getrennt werden dürfen
Das Glück
Ohne deine Last
Fliesst durch meine Adern
Und mein Blut ist süss
Doch ich will die Schwärze zurück
Vermisse den Hass

Dunkles Herz
Ich fürchte den Tag deiner Rückkehr
Du wirst deine Macht mehren
Und jede Stunde
Bringt mich dem Wahnsinn näher
Es gilt den Preis zu zahlen
Denn mein Glück kommt mich teuer zu stehen

Dunkles Herz
Du schickst die süssen Träume
Von Tod uns Zerstörung
Schickst mir Erinnerungen
Kehre in meinen Leib zurück!
An den dir angestammten Platz!
Vereine dich mit meiner Seele!

Dunkles Herz
Verschleiere meinen Blick
Lass mich das Lebende hassen
Ich will wieder ganz sein…

21. Juni 1999