Einsamkeit

Auf ein Zeichen von dir

Auf ein Zeichen von dir
Hole ich die Sonne vom Himmel
Warte nur
Auf ein Zeichen von dir

Ich gehe den Weg, den ich gewählt
Mit leichtem Schritt
Ich gehe den Weg, den ich gewählt
Mit schwerem Herzen

Staune über die Menschen
Und frage mich oft: ”Warum?”
Es ist mir klar
Dass es auf diese Frage keine Antwort gibt!

Du lässt mich warten
Ich schwebe im dunklen All
Sehe die Sterne
Sonne scheint in meinem Herzen
Zerreist meinen Körper

Warte auf ein Zeichen von dir
Und jeder Schatten erscheint mir als Omen
Doch wo bist du?
Schwebst im All, mit deinen eigenen Problem

Wir sind uns alle so fremd
Wer kennt schon seinen Nächsten
Und verbunden
Kennen wir uns am wenigsten

Ich verstehe mich nicht
Mein Herz schlägt mir fremd in meiner Brust
Was es mir sagt ist mir unbekannt
Und dann werden Tränen zu Sternen in der Nacht

Ich steige über Berge
Sie sind so klein unter mir
Und der zarte Sprössling
Wächst bis in den Himmel

Und ich warte
Warte auf ein Zeichen von dir
Manchmal habe ich Angst und hör den Wind singen
Werde ich dein Zeichen erkennen?

Und die Erde wird alt zwischen meinen Fingern
Male gleichgültig Regenbögen
Warte
Warte auf ein Zeichen von dir

13. November 2001

Zeichen von dir

Dein Gesang dringt fremd
Aus der kalten Erde
Du bist schon lange tod
Deine Gebeine nur noch die Erinnerung
Von Staubkörnern

Dein Zeichen hängt mir zwischen den Haaren
Dein Duft liegt noch in mir
Tief in meiner Erinnerung
Dein Atem dringt an mein Ohr

Ich tanze zwischen deinen Bäumen
Sie flüstern mir von dir
Warnen mich vor deiner Umarmung
Kalt ist sie, und bringt den Tod

Doch wie kann ich dich verlassen
Dort wo du nun ruhst
Bist du allein
Niemand wird dich finden

Schmücke dein Grab mit Sternen
Weine einen Mond
Die Sonne soll dich nicht mehr ereichen
Und du lässt mir meine Blumen wachsen

Es ist, als wärst du der Winter
Und ich der Sommer, der schon im Sterben liegt
Hauchst mir einen eiskalten Kuss
Zwischen meine Schulterblätter

Liege betäubt in deinem Arm
Du singst dein Lied
Tau benetzt deine Augen
Siehst mich traurig an

Schon schwebe ich wieder
Weit weg von dir
Wie kann es nur sein
Dass wir uns nie erreichen können?

13. November 2001

Zeichen von mir

Hast mich sterben lassen
In deinem Arm
Nun wartest du auf meine Rückkehr
Auf ein Zeichen von mir

Ich schwebe
Weiss nicht mehr, wie lang’
Dein Haar ist weiss geworden
Tränen in der Zeit erstarrt

Wie sieht dein Herz nun aus?
Pocht es dir noch in deiner Brust?
Kannst du mich hören
Im lauen Abendwind?

Hast mir Blumen auf mein Grab gelegt
Sie duften so süss
Ich singe dir Lieder
In den dunklen Nächten

Deine Bäume neigen sich dir zu
Hören die Geschichten
Die du von mir erzählst
Was kennst du mich so gut?
Hab dich doch nie geküsst

Die Akelai zerfällt
Der Rosenhain verblüht
Ich lass dir kein Stiefmütterchen
Lass dir keine Blume mehr

Die Möglichkeiten
Die richtigen Momente sind längst verpasst
Dir bleibt nur das Bedauern
Und mir ein stummer Schrei

13. November 2001

Totsein

Aus der kalten Erde
Kriecht mir die Gewissheit in den Kopf
Ich bin gestorben
Und habe es gar nicht bemerkt

Mit leerem Blick laufe ich durch die Strassen
Hab die Wege nie hinterfragt
War deshalb nie wirklich frei

Mir ist, als würde ich schweben
Das könnt ich jetzt
Ich bin ja tot

Mein Herz wurde zu Stein
Schlägt mir schwer in der Brust
Kann kaum atmen
Wozu auch?

31. Oktober 2001

Plötzliche Einsamkeit

Ich schleppe mein Leben mit mir rum
Und bleibe doch lieber zu Haus’
Ich fühle mich nirgendwo wohl
Alleine, immer allein
Und plötzlich bin ich einsam

31. Oktober 2001

Wunder

Die Nächte sind noch länger geworden
Und voller Zerrissenheit sitze ich da
Verstehe mich selber nicht

Das Gesicht ist mir zur Maske erstarrt
Das sanfte Lächeln täuscht die Menschen
Niemand sieht den Hilfeschrei in meinen Augen

Und ich wünsche mir einen Schlaf bis zum Sommer
Oder einen tröstenden Arm
Doch solche Wünsche erfüllen sich nicht im Leben

Bin meiner Gedanken überdrüssig
Schreibe sie zu tausenden auf
Doch sie gehen mir nicht aus dem Kopf

Alles ist Bauch, ist Herz, ist Denken
Bin getrieben von Wünschen, die ich selbst nicht kenn’
Es scheint mir unerträglich

Jeden Tag ein Wunder
Jeden Tag wache ich wieder auf

27. Oktober 2001

Vergeblicher Versuch

Ich habe immer wieder
Vergeblich versucht
Euch zu vergessen

Leere ist in mir
Ohne euch
Und ich kann mich selber nicht verstehen

Ich nenne es nicht Liebe
Denn wenn es Liebe wäre
Wie könnte ich dann so leiden?

Ich nenne es nicht Liebe
Denn wenn es Liebe wäre
Ich verfluchte sie jeden Tag

Vergebens versuche ich
An anderes zu denken
Kann mich selber nicht mehr lieben

Und die vielen Tränen
Die meine Augen nie verliessen
Zeugen von meiner Zerrissenheit

Wer bin ich
Ohne euch
Mit euch bin ich nichts

Hab den Himmel beschworen
Doch der erfüllt keine Wünsche
Keinen Mut für einen Kampf

27. Oktober 2001

Glaubensfrage

Ich weiss
Ich bin einzigartig
Und liebenswert, auf meine Weise

Woran liegt es dann
Dass ich es
Trotzdem nicht glauben kann?

27. Oktober 2001

Angebot: Liebe

Ich will dir nicht versprechen
Denn ich bin nicht ohne Fehler
Ich kann dir nur
Meine Liebe anbieten

Und wenn ich falle
Will ich mich an dir festhalten
Man liebt leicher
Wenn man nicht alleine ist

Ich werde für dich ans Ende der Welt laufen
Werde dir meine Gedichte widmen
Werde deine Geduld fordern
Halte dich fest, Halte dich fest in meinem Herzen

Bin ein Trugwesen
Eine Fee im Engelskleid
Mein Lachen ist Lüge
Und du siehst mein Sterben nicht

27. Oktober 2001

Theoretische Überlegung zur Musik

Die Musik spielt immer weiter
Und verstummt wohl erst
Wenn das letzte Kernkraftwerk explodiert
Oder niemand mehr die Stromrechnung bezahlt

Ich liege auf dem Boden
Und höre ihr zu, bis in alle Ewigkeit
Mein Körper wird schwächer
Bis er stirbt und verwest

Staub bedeckt den Boden
Eine Seele liegt dazwischen ausgebreitet
Die Musik verwirbelt hie und da
Sanft die Ströme der Zeit

Viele Jahre sind vielleicht vergangen
Die Schrift der Grabsteine längst verblasst
Ein altes Klavier singt immer noch von der Liebe
Aus den grauen Lautsprecherboxen

27. Oktober 2001