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	<title>Kopfchaos &#187; anna</title>
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	<description>Gedichte und Geschichten von Nicole</description>
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		<title>anna kocht</title>
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		<pubDate>Fri, 10 Jul 2009 13:16:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicole</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Samstag. Langeweile. anna war fr&#252;h aufgestanden. Brav zur Post gegangen. Der Nacken k&#252;ndigte den ganzen Tag Kopfweh an, doch es kam nie richtig. Sie sah viel fern und r&#228;umte etwas auf. Um sieben entschied sich anna, Abendessen zu kochen. Der K&#252;hlschrank war noch voller Gem&#252;se. Auf Bl&#228;tterteig, dar&#252;ber eine Eiersauce, das lag nahe. anna nahm [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Samstag. Langeweile. anna war fr&#252;h aufgestanden. Brav zur Post gegangen. Der Nacken k&#252;ndigte den ganzen Tag Kopfweh an, doch es kam nie richtig. Sie sah viel fern und r&#228;umte etwas auf.</p>
<p>Um sieben entschied sich anna, Abendessen zu kochen. Der K&#252;hlschrank war noch voller Gem&#252;se. Auf Bl&#228;tterteig, dar&#252;ber eine Eiersauce, das lag nahe. anna nahm die Kartoffeln aus dem K&#252;hlfach, wo sie in K&#252;rze vor sich hinschimmeln w&#252;rden. Schnitt den Sack auf und begann die Kartoffeln zu sch&#228;len.</p>
<p>Ungef&#228;hr nach der H&#228;lfte meldete sich ihr Handy. &#8220;Piep, piep&#8221; k&#252;ndete es ein SMS an. anna st&#246;hnte genervt auf, wusch ihre H&#228;nde mit klarem Wasser ab und holte das Handy in die K&#252;che. Depeche Mode weinte einer verpassten Liebe hinterher, und anna las ihre Nachricht: was machst du gerade? stand da. anna l&#228;chelte. es ist samstagabend, warum bist du nicht im ausgang? schrieb sie zur&#252;ck. Thomas w&#252;rde sie mindestens 5 Minuten auf die Antwort warten lassen, also machte sie sich wieder an die Arbeit. &#8220;Piep, piep&#8221;. woher willst du wissen, dass ich NICHT im ausgang bin? was machst du gerade?. Die Antwort war einleuchtend. anna gab es auf. ich koche. Keine sehr witzige Antwort, aber es ging hier ja auch nicht um das Erringen des Nobelpreises f&#252;r Literatur. &#8220;Piep, piep&#8221;. anna hatte sich in der Zwischenzeit einen Nagel abger&#252;stet. Auch ein kleines St&#252;ck Haut aus dem Zeigefinger. Zum Gl&#252;ck war es nur Haut. kann ich dir dabei helfen?. anna schaute einen Moment gedankenverloren auf den Haufen Kartoffelpellen, der sich schon angesammelt hatte. Eine Kartoffel lag erst halb gesch&#228;lt obenauf. Sie sah sie pl&#246;tzlich voller Blut. Rotes Blut aus ihrem Finger. Dann wurde das Bild schwarz-weiss. anna r&#228;usperte sich und &#252;berlegte, was sie als Antwort schreiben sollte. Nat&#252;rlich konnte ihr Thomas nicht beim Kochen helfen. Wenn er k&#228;me, w&#228;re der Kuchen bereits im Ofen. klar <img src='http://www.kopfchaos.ch/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> . Sie w&#252;rde den Literaturnobelpreis nie erringen. ich bringe den nachtisch mit <img src='http://www.kopfchaos.ch/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> . anna l&#228;chelte wieder. W&#228;hrend sie die Kartoffeln weiter sch&#228;lte und sich verfluchte, einen sack mit klitzekleinen Kartoffeln erwischt und gekauft zu haben, kam ihr pl&#246;tzlich ein erheitender und schauriger Gedanke. Sie sah Thomas vor sich, wie er einen dieser furchtbaren M&#228;nnerdessous trug. Mit Tigermuster. anna musste laut lachen.</p>
<p>Thomas kam, und brachte eine Schachtel mit Rumkugeln mit. anna war irritiert. Sie wusste, was Thomas von Rumkugeln hielt. Das gleiche, was sie oft zu h&#246;ren bekam: &#8220;Konditoreiabf&#228;lle, w&#228;h, wie kannst du das nur essen?&#8221; anna hatte eine Schw&#228;che f&#252;r Rumkugeln.</p>
<p>Das Essen verlief schweigsam. Thomas hatte auch eine Flasche Wein mitgebracht, und das dunkle Rot des Weines brach sich wundersch&#246;n im Licht der Kerzen. Durch ihren Schein konnte anna Thomas&#8217; Blicke auf sich f&#252;hlen.</p>
<p>Nach dem Essen wechselten sie ins Schlafzimmer. &#8220;Zieh dich aus&#8221;, forderte Thomas anna mit einem L&#228;cheln auf. Sie tat es. Einen Moment h&#228;tte sie fast laut gelacht. Nein, es sollte kein Striptease sein, nur ein erotisches ausziehen. Wie passend, dass just in diesem Moment Phil Collins &#8216;In the Air tonight&#8217; anstimmte. Sie wog sich zu der Musik. Kn&#246;pfte langsam ihre Bluse auf. Thomas folgte ihren H&#228;nden mit seinem Blick.</p>
<p>&#8220;Leg dich hin&#8221;. anna legte sich aufs Bett. Es war warm und weich, und die Welt drehte ein bisschen um sie her. Thomas holte eine Rumkugel aus der Schachtel. &#8220;Jetzt will ich meinen Nachtisch&#8221;, murmelte er mit einem Grinsen und br&#246;selte Schockoladenstreusel auf annas Bauch. Die Schokolade gl&#228;nzte auf der Haut, und schmolz bereits da und dort. Thomas beugte sich &#252;ber annas Bauch und legte sie auf. F&#252;r einen kurzen Augenblick war sie froh, dass ihre Bettw&#228;sche schwarz war. Wenn er aber so weitermachte, w&#252;rden sie heute Nacht in einem Meer von Schockoladenstreusel schlafen. Diese w&#252;rden durch ihre K&#246;rperw&#228;rme schmelzen und sie beide w&#252;rden morgen wie zwei Schwarze aussehen. anna l&#228;chelte. Welch gute Ausrede f&#252;r eine gemeinsame Dusche. Thomas&#8217; Zunge wanderte weiter&#8230;</p>
<p>16. M&#228;rz 2002</p>
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		<title>annas Bauch</title>
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		<pubDate>Fri, 10 Jul 2009 13:16:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicole</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ich erkannte annas Gesicht, nicht jedoch ihren Bauch. Er war angeschwollen, unglaublich dick. anna lehnte sich leicht nach hinten und st&#252;tzte mit den H&#228;nden den R&#252;cken. Ihre Lippen umspielte ein L&#228;cheln, als sie meinen fassungslosen Blick sah. &#8220;Du, du bist schwanger!&#8221;, stiess ich hervor, und gleichzeitig t&#246;nten mir alle meine Aengste in den Ohren. Ich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich erkannte annas Gesicht, nicht jedoch ihren Bauch. Er war angeschwollen, unglaublich dick. anna lehnte sich leicht nach hinten und st&#252;tzte mit den H&#228;nden den R&#252;cken. Ihre Lippen umspielte ein L&#228;cheln, als sie meinen fassungslosen Blick sah. &#8220;Du, du bist schwanger!&#8221;, stiess ich hervor, und gleichzeitig t&#246;nten mir alle meine Aengste in den Ohren.</p>
<p>Ich trank einen Cappuccino, anna Tee. Sie hatte nie zuvor Tee getrunken. Ihr sei jedoch seit der dritten Woche dauernd schlecht geworden, wenn sie Kaffee roch, so hatte sie es auch gemerkt, erk&#228;rte sie mir. Nun, kurz vor der Niederkunft, konnte sie ihn zwar wieder riechen, jedoch immer noch nicht trinken. Das war die einzige Erkl&#228;rung, danach sprachen wir wie immer &#252;ber Gott und die Welt. Als w&#228;re ihr Bauch nicht zwischen uns.</p>
<p>Irgendwann verstummten wir, und ich starrte auf annas Bauch und durch ihn hindurch. Sah mich selbst darin liegen und w&#252;nschte mich dahin zur&#252;ck.</p>
<p>Sp&#228;ter h&#246;rte ich, dass die Aerzte einen Planeten entbunden hatten. Sie waren verbl&#252;fft, als da statt eines nackten Kindes ein kleiner, blauer Planet aus anna herausgedr&#252;ckt wurde. Der Planet drehte sich einen Moment vor annas l&#228;chelndem Blick und entflog dann durch das Fenster, dem Himmel entgegen. Nun stehe ich manchmal da und frage mich, welcher der Sterne da oben annas Welt sein mag. Und ob ich mir selber von dort zuwinke.</p>
<p><strong>In annas Bauch</strong></p>
<p>Sch&#246;n war uns die Welt<br />
Als wir noch alle Teil von anna<br />
Als wir noch alle in annas Bauch</p>
<p>Nun sehe ich dich schwanger<br />
Und w&#252;nsche mich zur&#252;ck<br />
W&#228;r&#8217; gerne wieder ein Teil von dir</p>
<p>4. Mai 2002</p>
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		<title>annas Blut</title>
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		<pubDate>Fri, 10 Jul 2009 13:16:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicole</dc:creator>
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		<description><![CDATA[anna sass mit Freunden im Café. Sie hatte spontan eine &#8216;Weil-heute-Dienstag-ist&#8217;-Party ausgerufen, und die meisten konnte auch tats&#228;chlich kommen. Es machte allen Spass, an diese Partys zu kommen. Meist traf man sich in einem der Cafés der Stadt. Sie erz&#228;hlten sich, was sie so machten, lachten und diskutierten. anna ging kurz raus&#8230; wie immer waren [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>anna sass mit Freunden im Café. Sie hatte spontan eine &#8216;Weil-heute-Dienstag-ist&#8217;-Party ausgerufen, und die meisten konnte auch tats&#228;chlich kommen. Es machte allen Spass, an diese Partys zu kommen. Meist traf man sich in einem der Cafés der Stadt. Sie erz&#228;hlten sich, was sie so machten, lachten und diskutierten.</p>
<p>anna ging kurz raus&#8230; wie immer waren ihr die vielen Leute irgendwann zuviel geworden. Die frische Luft war befreiend. Sie ging an ein paar Schaufenstern vorbei. Stellte sich vor, dass sie nur eine Fussg&#228;ngerin w&#228;re, die nach Hause ging. Schaute einem sch&#246;nen Mann hinterher. Und ging wieder zur&#252;ck.</p>
<p>&#8220;Du hast uns schon gefehlt&#8221;, t&#246;nte es ihr entgegen. &#8220;Ich weiss&#8221;, antwortete anna mit einem frechen Grinsen im Gesicht. &#8220;anna?&#8221; anna drehte sich um. Auch wenn es nicht ihr richtiger Name war, sie reagierte auf ihn. Ein junger Mann stand vor ihr. Sah sie an. Er hatte blondes Haar. Ein glattes Gesicht. anna konnte ein Parfum riechen, dass ihr nicht vertraut war. &#8220;Ja?&#8221;, antwortete sie fragend. &#8220;Bist du anna?&#8221;, hackte der junge Mann nach. &#8220;Kennen wir uns?&#8221;, gab anna zur&#252;ck und runzelte &#228;rgerlich die Stirn. &#8220;Du kennst mich nicht, aber ich kenne dich. Und ich habe etwas f&#252;r dich&#8230;&#8221;, zischte der Mann.</p>
<p>Was dann passierte, wurde anna sp&#228;ter erz&#228;hlt. Sie selbst hatte keine Erinnerung daran. Nur an das Blut&#8230; Der junge Mann musst wohl ein K&#252;chenmesser gez&#252;ckt haben. Eines jener breiten Fleischermesser. Und rammte es ihr in den Bauch.</p>
<p>anna dr&#252;ckte ihre H&#228;nde auf ihren Bauch. Sofort f&#252;hlten sie sich schmierig an. Irritiert hob sie die h&#228;nde. Blut, &#252;berall Blut&#8230; anna kippte nach hinten und der junge Mann drehte sich um und st&#252;rmte zur T&#252;r.</p>
<p>Wie aus tausend Kehlen erklang pl&#246;tzlich ein Befehl: &#8220;Bleib steh&#8217;n!&#8221; Der junge Mann blieb stehen. Drehte sich langsam wieder um. Blickte mit panikerf&#252;llten auf anna, die wie eine Marionette an unsichtbaren F&#228;den wieder aufgestellt wurde. Ihr Blut quoll dunkel aus ihrer Wunde und tropfte auf den Boden. Ihre Jeans waren voller dunkler Flecken. Wie von einer unsichtbaren Kraft wurde der junge Mann zu ihr hingezogen. Wieder stimmten die Kehlen einen Befehl an: &#8220;Trink!&#8221;, schrien sie. Und der Mann begann zu trinken. Mit gierigen Schlucken saugte er anna das Blut aus dem K&#246;rper. Und mit jedem Tropfen wich ihr die Farbe aus dem Gesicht. Die Leute im Café starrten die beiden an, bewegten sich jedoch nicht. Es war, als h&#228;tte eine Macht einen Film angehalten.</p>
<p>Als annas Lippen weiss geworden waren, liess sie den Mann gehen. Er stolperte r&#252;ckw&#228;rts weg, starrte sie immer noch voller Entsetzen an. Als er die T&#252;r im R&#252;cken sp&#252;rte, drehte er sich gehetzt um, riss sie auf und st&#252;rmte raus.</p>
<p>Ihm entgegen kam ein Polizist, der nur einen Kaffee trinken gehen wollte. So war er nat&#252;rlich erstaunt, als ihm ein blut&#252;berstr&#246;mter junger Mann entgegenfiel, der aussah, als w&#228;re er abgestochen worden.</p>
<p>Der junge Mann erkannte die Uniform, doch es war zu sp&#228;t. Er prallte gegen den Polizisten. Fiel auf die Knie. Und &#252;bergab sich. Kotzte all das Blut wieder raus. Jeder Tropfen, den er anna ausgesaugt hatte wie ein Vampir fiel nun auf das Pflaster. Frauen schrien entsetzt auf, Kinder begannen zu weinen, M&#228;nner zu w&#252;rgen. Das Blut ergoss sich &#252;ber das Pflaster und f&#228;rbte den Stein rot.</p>
<p>12. April 2002</p>
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		<title>annas Gang</title>
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		<pubDate>Fri, 10 Jul 2009 13:15:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicole</dc:creator>
				<category><![CDATA[anna]]></category>

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		<description><![CDATA[Gudrun: althochdeutsch gunt-=Kampf, rúna=Geheimnis anna lief durch den langen Gang. Die W&#228;nde waren hoch, von majest&#228;tischen S&#228;ulen getragen. Gudrun zog sie immer wieder in einem Raum. &#8220;Wow, sieh dir dieses Gem&#228;lde an!&#8221;, stiess sie hervor und verlor sich in Beschreibung und historischen Exkursen. anna hatte f&#252;r die Bilder jeweils nur einen kurzen Blick &#252;brig. Schon [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Gudrun: althochdeutsch gunt-=Kampf, rúna=Geheimnis</em></p>
<p>anna lief durch den langen Gang. Die W&#228;nde waren hoch, von majest&#228;tischen S&#228;ulen getragen. Gudrun zog sie immer wieder in einem Raum. &#8220;Wow, sieh dir dieses Gem&#228;lde an!&#8221;, stiess sie hervor und verlor sich in Beschreibung und historischen Exkursen. anna hatte f&#252;r die Bilder jeweils nur einen kurzen Blick &#252;brig. Schon verfing er sich wieder in der Decke, am Muster des Kachelbodens, an einer Spinnwebe, einem Holzbalken, einem Deckengem&#228;lde. Wie in Trance lief sie durch die Hallen. Alles kam ihr vertraut vor. Bevor Gudrun einen Raum betrat, wusste anna schon, wie er aussehen w&#252;rde. Ihre Abs&#228;tze klapperten bei jedem Schritt, und das Ger&#228;usch wurde von den W&#228;nden in jeden Winkel getragen und kam hundertfach zur&#252;ck. anna h&#246;rte das Fl&#252;stern sich verlieren und wollte das Kunstmuseum verlassen. Gudrun war versunken in das Gem&#228;lde eines alten Meisters. &#8220;Gudrun?&#8221; &#8211; &#8220;Ja?&#8221; &#8211; &#8220;Ich warte draussen auf dich&#8221;. anna drehte sich um und trat durch die hohe T&#252;r&#246;ffnung, zur&#252;ck auf den Gang. &#8220;Klack, Klack&#8221;, t&#246;nte es laut. Gudrun hatte sich umgedreht und sah anna fassungslos nach. &#8220;Aber du kannst doch nicht einfach gehen!&#8221; rief sie verbl&#252;fft. anna war bereits nicht mehr zu sehen. Auch Gudrun trat &#252;ber die Schwelle. &#8220;Klack, klack, klack&#8221; Mit jedem Schritt f&#252;hlte anna sich verfolgt. Sie versuchte Haltung zu bewahren, doch das Klacken dr&#246;hnte ihr bedrohlich von &#252;berall entgegen. &#8220;Wir haben doch noch gar nicht alles gesehen, anna, wir k&#246;nnen doch noch nicht gehen!&#8221; rief Gudrun ihr nach, und Echos antworteten hundert Male: &#8220;nicht gehen, nicht gehen&#8221;</p>
<p>anna blickte nicht zur&#252;ck. Die Strassen schienen zusammen zu r&#252;cken, aus T&#252;ren und Fenster schl&#252;pften Menschen, wogen ihr entgegen, hielten sie auf, liessen sie nicht durch. &#8220;Wie Ameisen, wie Ameisen!&#8221;, dachte anna immer wieder und k&#228;mpfte sich voran. Aus den Kanalisationen krochen Kr&#246;ten und Ratten, der Boden war &#252;bers&#228;ht von ihnen, die Strassen schwarz von Ameisen und K&#228;fern. Die Luft war erf&#252;llt vom Fl&#252;gelschlagen tausender V&#246;gel. Sie kreischten und schrieben, pickten nach den Augen der Leute, st&#252;rzten sich auf die K&#228;fer, k&#228;mpften mit Ratten um tote Hunde. Deren Verwesungsgeruch mischte sich mit dem Gestank von Blut und Tr&#228;nen.</p>
<p>Dann verschwand der L&#228;rm, und nur eine unheimliche Stille blieb zur&#252;ck. Die Menschen gingen langsamer, wie in Zeitlupe wichen sie anna nun aus. Nichts roch mehr, und das Licht war heller geworden. Am Horizont verdunkelte sich der Himmel, doch erst als die Dunkelheit die H&#228;user der Stadt erreichten, konnte anna erkenne, was da war: Gudrun schritt durch die Stadt. Gross wie ein Riese &#252;berragte sie die hohen H&#228;user.</p>
<p>Nur einen Riesenschritt von anna entfernt blieb Gudrun stehen. Sie sah auf anna hinab. &#8220;nicht gehen, nicht gehen&#8221;, wisperte von irgendwo. Gudrun beugte sich hinunter, &#252;ber anna. Sah sie mit ihren grossen Augen an. Dann richtete sie sich wieder auf und begann zu lachen. Und ihr Lachen ersch&#252;tterte die Stadt.</p>
<p>7. April 2002</p>
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		<title>annas Haus</title>
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		<pubDate>Fri, 10 Jul 2009 13:14:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicole</dc:creator>
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		<description><![CDATA[anna hatte ein kleines Verm&#246;gen geerbt. Zumindest sagte sie das so. Das kleine Verm&#246;gen musste wohl betr&#228;chtlich sein. sie kaufte sich davon ein haus in der altstadt. renovierte und richtete es ein. die fassade liess sie weiss streichen. &#8220;Eigentlich h&#228;tte ich sie lieber orange gesehen. Orange ist einfach die perfekte Farbe. Und dabei mag ich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>anna hatte ein kleines Verm&#246;gen geerbt. Zumindest sagte sie das so. Das kleine Verm&#246;gen musste wohl betr&#228;chtlich sein. sie kaufte sich davon ein haus in der altstadt. renovierte und richtete es ein. die fassade liess sie weiss streichen. &#8220;Eigentlich h&#228;tte ich sie lieber orange gesehen. Orange ist einfach die perfekte Farbe. Und dabei mag ich Orange nicht mal&#8221;, erz&#228;hlte sie und lachte. &#8220;Doch zu der roten Schrift passt nun mal weiss besser. Das h&#228;tte sonst etwas seltsam ausgesehen.&#8221;</p>
<p>Ich stand also vor dem Haus. Den Kopf im Nacken, studierte ich die Schrift. Sie war rot wie frisches Blut. In Lateinisch stand da ein Satz, sich endlos wiederholend. Nur ein Band, gleich unter den Fenstern im ersten Stock. &#8220;Dies ist der Ort, den ich gew&#228;hlt, mir zum Gef&#228;ngnis.&#8221; annas Blick ging durch mich hindurch. Ihre Gedanken waren anderswo. &#8220;Dein Gef&#228;ngnis?&#8221;, fragte ich sie, nachdem ich einige Male tief Luft geholt hatte. Sie sah mich traurig an.</p>
<p>6. Mai 2002</p>
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		<title>annas Liebhaber</title>
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		<pubDate>Fri, 10 Jul 2009 13:14:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicole</dc:creator>
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		<description><![CDATA[annas Liebhaber k&#252;sste sie zum Abschied, und sein Kuss war bedeutungsschwanger, denn er k&#252;sste sie nicht auf die Lippen. Er setzte seinen Kuss gezielt an jene Stelle am Hals, auf den Uebergang, wie anna ihn nannte. Dort, wo der K&#246;rper sich dem Geist &#246;ffnete. Dort, wo die Erde den Himmel traf. anna hatte ihm davon [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>annas Liebhaber k&#252;sste sie zum Abschied, und sein Kuss war bedeutungsschwanger, denn er k&#252;sste sie nicht auf die Lippen. Er setzte seinen Kuss gezielt an jene Stelle am Hals, auf den Uebergang, wie anna ihn nannte. Dort, wo der K&#246;rper sich dem Geist &#246;ffnete. Dort, wo die Erde den Himmel traf. anna hatte ihm davon erz&#228;hlt, in einer Nacht, als der Himmel dunkel war und die Welt wie im Winterschlaf schien, mitten im Sommer, mitten am Tag.</p>
<p>Dann ging annas Liebhaber.</p>
<p>anna sah ihm nach, aus noch tr&#228;umeschweren Augen. Sie sah sein Haar verschwinden hinter der T&#252;r, sein Hemd, seine Hand. Sein Geruch hing noch in der Luft, vielleicht auch zwischen den Laken oder auf annas Haut. Einen Moment versp&#252;rte sie eine Traurigkeit, die sie glauben machte, niemals wieder gl&#252;cklich werden zu k&#246;nnen. Dann war es vorbei, wie ein Windhauch, eine vertraute Erinnerung, ein Todesgruss.</p>
<p>5. Juni 2002</p>
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		<title>annas L&#252;ge</title>
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		<pubDate>Fri, 10 Jul 2009 13:13:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicole</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der Himmel h&#246;rte nirgends mehr auf. anna sass auf einer Bank im Park und starrte in das gr&#252;ne Gras. Der Sommer hatte sich versp&#228;tet, so kam es ihr zumindest vor. Die ersten Versprechen wurden nicht eingehalten, die Temperaturen waren nicht gestiegen, der Frost bedeckte jeden Morgen das Land. Die Sonne schien und liess sich doch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Himmel h&#246;rte nirgends mehr auf. anna sass auf einer Bank im Park und starrte in das gr&#252;ne Gras. Der Sommer hatte sich versp&#228;tet, so kam es ihr zumindest vor. Die ersten Versprechen wurden nicht eingehalten, die Temperaturen waren nicht gestiegen, der Frost bedeckte jeden Morgen das Land. Die Sonne schien und liess sich doch nie sehen, versteckte sich Tag f&#252;r Tag hinter weissem Dunst.</p>
<p>Die Verk&#228;uferin zog die Artikel mit ge&#252;bter Bewegung &#252;ber das Checkfeld f&#252;r den Strichcode. Der Computer liess jedesmal ein best&#228;tigendes Pipen ert&#246;nen und listete die Lebensmittel auf. Statt Backpulver stand da Vanillinzucker. Beides kostete gleichviel.</p>
<p>Ich lag in annas Armen. &#8220;Erz&#228;hl mir eine L&#252;ge&#8221;, bat ich sie.</p>
<p>Die Nacht hatte ihr Gesicht bereits bedeckt. Nur das gelbe Licht einer Strassenlampe hier und da. anna ging durch die Strassen und vergass f&#252;r kurze Zeit ihre Angst. Jeder Schritt wirkte befreit. Bis die Sonne aufging.</p>
<p>&#8220;Nein, heute habe ich keine Zeit. Und nein, morgen habe ich auch keine Zeit. Ich habe auch &#252;bermorgen keine Zeit, und an dem Tag danach. Niemehr, niemals mehr habe ich Zeit f&#252;r dich!&#8221;</p>
<p>&#8220;Mein Leben&#8221;, antwortete anna. Sie blickte auf, sah ihm in die Augen. Ihr Blick war durchdrungen von Schmerz und M&#252;digkeit. Sie wurden weiss und verloren ihre Farbe, und die ganze Welt war nur noch grau.</p>
<p>Dies ist meine L&#252;ge. Ich bel&#252;ge dich, der du diese Worte liest. Ich bel&#252;ge dich, die du meine Zeilen &#252;berfliegst. Dies sei mein Bekenntnis. Ich leide. Ich leide an dir.</p>
<p>26. April 2002</p>
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		<title>In annas Armen liegen</title>
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		<pubDate>Fri, 10 Jul 2009 13:13:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicole</dc:creator>
				<category><![CDATA[anna]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;ich moechte in deinen armen liegen&#8221;. anna runzelte die Stirn. Wie es ihre Gewohntheit war, hatte sie nochmals kurz die Mails abgerufen, bevor sie die Internetverbindung schliessen w&#252;rde. Das Email musste in den letzten zwei Minuten geschickt worden sein. Ja, vor einer Minute. anna starrte an die Wand. Was sollte sie darauf antworten? Ihr fiel [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;ich moechte in deinen armen liegen&#8221;. anna runzelte die Stirn. Wie es ihre Gewohntheit war, hatte sie nochmals kurz die Mails abgerufen, bevor sie die Internetverbindung schliessen w&#252;rde. Das Email musste in den letzten zwei Minuten geschickt worden sein. Ja, vor einer Minute. anna starrte an die Wand. Was sollte sie darauf antworten? Ihr fiel keine witzige Antwort ein, also schrieb sie, was sie als erstes gedacht hatte: &#8220;h&#228;?&#8221;</p>
<p>Nerv&#246;s klickte sie immer wieder auf &#8216;Senden/Empfangen&#8217;. Da, ein weiteres Mail. &#8220;ich moechte so gerne in deinen armen liegen. in annas armen ist die welt nur eine sanfte erinnerung, verkl&#228;rt in gelbem licht&#8221;. anna musste lachen. Dieser Satz hatte sie auf die eine oder andere Weise selbst schon benutzt. Nur waren es nicht ihre Arme. Sie holte tief Luft als sie sp&#252;rte, wie ihre Brust sich zusammenkrampfte. Ein unerw&#252;nschter Gedanke blitzte kurz auf und erlosch wieder.</p>
<p>Es war kitschig. Es war ein Risiko. &#8220;dann lass uns die welt vergessen&#8221;, schrieb sie zur&#252;ck. Und &#228;rgerte sich, wie verbraucht es sich las. Als w&#228;re es eine Phrase einer dieser M&#246;chtegern-Dichter.</p>
<p>anna klappte ihr Laptop zu und freute sich auf ihren Besuch.</p>
<p><strong>In annas Armen liegen</strong></p>
<p> In annas Armen<br />
Vergass ich meine Welt<br />
Sie nahm mir meine Sorgen<br />
Meinen Schmerz<br />
Es gab kein Morgen<br />
Kein Gestern<br />
Und kein Gedanke machte Sinn</p>
<p>In annas Armen<br />
Ging der Mond auf<br />
Und jeder blieb in der Dunkelheit f&#252;r sich</p>
<p>Die Grenzlinie wird schmaler<br />
Der n&#228;chste Schritt kann schon mein letzter sein<br />
Ich kann mich nur selber retten<br />
Doch ich sehe im Spiegel kein Gesicht mehr</p>
<p>In annas Armen<br />
starb ich<br />
lange vor meiner Geburt<br />
Liege ich geborgen<br />
Wie in einem Lachen<br />
anna, hole mich wieder zur&#252;ck!</p>
<p>1. April 2002</p>
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