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	<title>Kopfchaos &#187; Geschichten I</title>
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	<description>Gedichte und Geschichten von Nicole</description>
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		<title>Er</title>
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		<pubDate>Fri, 10 Jul 2009 14:07:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicole</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der Gang flog an mir vorbei. Verzweifelt drehte ich meinen Kopf nach hinten, Tr&#228;nen verschleierten meinen Blick, ich sah nichts, doch ein unbeschreibliches Grauen erfasste von neuem mein Herz. Ich rannte noch schneller, mein Herz drohte zu zerspringen, meine Brust schmerzte, jeder Atemzug brannte in meinen gepeinigten Lungen, doch meine Beine blieben nicht stehen, mein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Gang flog an mir vorbei. Verzweifelt drehte ich meinen Kopf nach hinten, Tr&#228;nen verschleierten meinen Blick, ich sah nichts, doch ein unbeschreibliches Grauen erfasste von neuem mein Herz. Ich rannte noch schneller, mein Herz drohte zu zerspringen, meine Brust schmerzte, jeder Atemzug brannte in meinen gepeinigten Lungen, doch meine Beine blieben nicht stehen, mein ganzer K&#246;rper lechzte nach Friede, doch meine Beine blieben nicht stehen! Der Gedanke an Erholung, an eine Ruhepause erf&#252;llte meinen Kopf, nichts hatte mehr Platz in meinem Gehirn, ich dachte nur noch an den Tod als letzte Ruhe und daran, dass ich nicht anhalten durfte, dass es sonst kein Entrinnen gab. Wieder drehte ich meinen Kopf, diesmal waren keine Tr&#228;nen in meinen Augen, ich sah Ihn hinter mir, Er w&#252;rde nicht halten. Da gab ich alle Hoffnung auf, ich blieb stehen, mein Herz h&#228;mmerte in meiner Brust, ich drehte mich nicht um, erwartete Ihn, erwartete seine Umarmung. Als Er mich erreichte, sp&#252;rte ich seinen Atem in meinem Nacken, seine Ber&#252;hrung war hauchzart, sein Umhang h&#252;llte mich ein, und so fiel ich ersch&#246;pft und dankbar in tiefen Schlaf&#8230;</p>
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		<title>Reise in das Land</title>
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		<pubDate>Fri, 10 Jul 2009 14:07:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicole</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Er flog, flog &#252;ber Felder und Wiesen, &#252;ber H&#228;user, D&#246;rfer, St&#228;dte, &#252;ber L&#228;nder, und vielleicht auch &#252;ber Welten. Er &#252;berflog W&#252;sten und W&#228;lder, Meere und Berge. Schliesslich landete er. Er fiel in weiches Gras, erst jetzt entdeckte er, dass die Sonne schon lange untergegangen war. Die Sterne standen hell am Himmel, es waren jedoch nicht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Er flog, flog &#252;ber Felder und Wiesen, &#252;ber H&#228;user, D&#246;rfer, St&#228;dte, &#252;ber L&#228;nder, und vielleicht auch &#252;ber Welten. Er &#252;berflog W&#252;sten und W&#228;lder, Meere und Berge. Schliesslich landete er. Er fiel in weiches Gras, erst jetzt entdeckte er, dass die Sonne schon lange untergegangen war. Die Sterne standen hell am Himmel, es waren jedoch nicht seine Sterne. Doch sie spendeten ihm einen Trost, den er noch nie zuvor gef&#252;hlt hatte. Unbeweglich lag er da, kein Ger&#228;usch st&#246;rte die Stille, selbst seine Gedanken schwiegen. Nach einiger Zeit schlief er ein, sanfte Tr&#228;ume begleiteten seinen Schlaf. Fr&#252;h am Morgen wachte er auf, erst blieb er noch etwas liegen, doch dann erhob er sich und blickte neugierig auf das Land, welches vor ihm lag. Das Land sah frisch und jung aus, in den B&#228;umen zwitscherten einige V&#246;gel, von weit her kamen ihre Ges&#228;nge, leise und dennoch unglaublich klar. Langsam erhob sich die Sonne &#252;ber den Horizont, ihre Strahlen liessen die Tautropfen golden schimmern, wie ein Juwel erschien ihm das Land. In der N&#228;he pl&#228;tscherte ein Bach und pl&#246;tzlich sp&#252;rte er Durst. Er machte sich auf den Weg, folgte dem Murmeln und betrachtete dabei vergn&#252;gt die herrlichen Blumen, an denen er vorbeiging. Sie leuchteten gelb und rot und in allen Farben des Regenbogens. Da standen Blumen, von deren Sch&#246;nheit er nie zu tr&#228;umen gewagt h&#228;tte. Dunkelviolette Akelaien standen in sch&#246;nster Bl&#252;te, und der Boden um sie war mit ihren eigenen Bl&#252;tenbl&#228;ttern bedeckt. L&#228;chelnd und gl&#252;cklich erreichte er den Bach, der sich glitzernd durch das Land wand. Vorsichtig liess er sich am Ufer nieder und beugte sich vor, um zu trinken. Eiskalt rann das Wasser durch seine Kehle, wie frisches Quellwasser erquickte es seinen K&#246;rper und seine Seele. Schliesslich fasste er sich ein Herz und sprang in den Bach, prustend sp&#252;rte er die K&#228;lte des Wassers. Vergn&#252;gt beobachtete er die Wassertropen, die an seiner Haut hinab rannen, wie mit tausend Diamanten besetzt sah sie aus. Langsam stieg er aus dem Wasser, die Strahlen der Sonne trockneten ihn, sie selbst war noch weiter gestiegen und vertrieb die letzten Schatten unter den B&#228;umen. Noch immer zwitscherten munter die V&#246;gel, weit weg und doch so klar, als ob sie vor ihm s&#228;ssen. Er setzte sich unter eine alte, kr&#228;ftige Eiche und ruhte sich etwas aus. Wieder schwiegen seine Gedanken, seine Seele f&#252;hlte sich besch&#252;tzt und geborgen.</p>
<p>Nach einiger Zeit stand er auf, breitete seine Arme aus und flog der Sonne entgegen. Er musste schliesslich zum Fr&#252;hst&#252;ck wieder zu Hause sein&#8230;</p>
<p>13. Juni 1996</p>
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		<title>Horror</title>
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		<pubDate>Fri, 10 Jul 2009 14:06:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicole</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Er n&#228;herte sein Gesicht dem ihren und spitzte die Lippen wie zum Kusse. Nur einige Millimeter vor den ihren verharrte er und begann die Luft einzusaugen. Der Sog wurde immer st&#228;rker und sie sp&#252;rte, wie sich ihre Eingeweide vom K&#246;rper zu l&#246;sen begannen. Ihr Innerstes begann sich nach Aussen zu wenden und schoss in seinen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Er n&#228;herte sein Gesicht dem ihren und spitzte die Lippen wie zum Kusse. Nur einige Millimeter vor den ihren verharrte er und begann die Luft einzusaugen. Der Sog wurde immer st&#228;rker und sie sp&#252;rte, wie sich ihre Eingeweide vom K&#246;rper zu l&#246;sen begannen. Ihr Innerstes begann sich nach Aussen zu wenden und schoss in seinen Mund. Er sog weiter, saugte den blutigen K&#246;rper auf, wurde unf&#246;rmig, sog mit weit aufgerissenen Augen weiter und war endlich voll von ihr.</p>
<p>Einen Moment blieb er still stehen, unglaublich dick, mit geschlossenen Augen, kein Mensch mehr, nur noch ein Monster, ein menschenfressendes Monster. Dann bog er sich weit nach hinten, sein Bauch in einer unm&#246;glichen Stellung dem Himmel entgegenstreckend, und lachte. Sein Lachen hallte von den hohen W&#228;nden, verfing sich in den dunkelsten Ecken und dr&#246;hnte in den G&#228;ngen. Kein menschlicher Laut, ein Lachen von jenseits des Himmels und jenseits der H&#246;lle.</p>
<p>Doch pl&#246;tzlich begann sich sein Leib zu bewegen. Beulen wuchsen aus seinen Gliedern und im Gesicht, als wolle sich jemand aus ihm herausk&#228;mpfen erschien der Abdruck einer Hand, an einer anderen Stelle hoben Finger die Haut, Augen versuchten durch seine Haut zu sehen.</p>
<p>Und er schrie.</p>
<p>26. November 1997</p>
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		<title>Ende</title>
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		<pubDate>Fri, 10 Jul 2009 14:06:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicole</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der Himmel war weiss, graue Wolken bedeckten ihn, ein scharfer Wind strich &#252;ber das &#246;de Land. Um ihn herum wuchs gr&#252;nes Gras, ein dunkles Gr&#252;n, trist, deprimierend, passend. In der Ferne standen die Berge, schwarz, d&#252;ster, drohend, weit entfernt. &#214;de B&#228;ume, gestorben vor viel zu langer Zeit, standen hie und da in der Ebene und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Himmel war weiss, graue Wolken bedeckten ihn, ein scharfer Wind strich &#252;ber das &#246;de Land. Um ihn herum wuchs gr&#252;nes Gras, ein dunkles Gr&#252;n, trist, deprimierend, passend. In der Ferne standen die Berge, schwarz, d&#252;ster, drohend, weit entfernt. &#214;de B&#228;ume, gestorben vor viel zu langer Zeit, standen hie und da in der Ebene und streckten ihre kahlen &#196;ste dem trostlosen Himmel entgegen. In der Luft lag der Geruch des Endes, tausend singende Engel h&#228;tten die Stille nicht verdr&#228;ngen k&#246;nnen. Bleich stiegen zwei Monde im Osten auf, bald w&#252;rde die Nacht hereinbrechen und mit ihrer gnadenvollen Dunkelheit die &#214;dnis zudecken. Falls die Nacht noch kommen w&#252;rde. Eine starke Windb&#246;e zerzauste sein Haar, st&#246;rend hing es ihm ins Gesicht, doch er hob nicht einmal die Hand. Die n&#228;chste B&#246;e w&#252;rde sie wieder zur&#252;ckwerfen. Stumm stand er da, niemand kam, da war niemand der h&#228;tte kommen k&#246;nnen. Weit hinter ihm lag die Stadt voller grauer, trostloser H&#228;user, himmelhohe Wolkenkratzer, leer, ausgestorben, &#246;de, grau. Er blickte den Bergen entgegen, erwartete irgend etwas, doch als nichts kam, setzte er sich, blickte auf den Boden vor sich, auf das Gras, das dunkelgr&#252;ne, triste, deprimierend unpassende Gras. Er erwartete ein Hungergef&#252;hl, er f&#252;hlte nichts, er f&#252;hlte sich nicht, war einfach da, starrte wieder in die Ferne, lauschte der Stille, grau, trostlos, &#246;de, leer, am Ende&#8230;</p>
<p>13. November 1997</p>
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		<title>No Exit</title>
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		<pubDate>Fri, 10 Jul 2009 14:06:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicole</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ich rannte, jeder Schritt, nein, jeder Sprung ersch&#252;tterte meine Sicht, doch ich sah sowieso nicht mehr viel. Tr&#228;nen verschleierten den Stollen vor mir, das d&#252;stere Licht wechselte mit der hellen Dunkelheit, blind folgte ich dem Gang, immer weiter, immer weiter&#8230; In meiner Brust schlug mein Herz zum zerspringen, jeder Atemzug brannte in meinen gepeinigten Lungen, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich rannte, jeder Schritt, nein, jeder Sprung ersch&#252;tterte meine Sicht, doch ich sah sowieso nicht mehr viel. Tr&#228;nen verschleierten den Stollen vor mir, das d&#252;stere Licht wechselte mit der hellen Dunkelheit, blind folgte ich dem Gang, immer weiter, immer weiter&#8230; In meiner Brust schlug mein Herz zum zerspringen, jeder Atemzug brannte in meinen gepeinigten Lungen, jeder Sprung stach in meine Beine. Ich war zu Tode ersch&#246;pft, doch ich durfte nicht stehenbleiben, durfte meinen gequ&#228;lten K&#246;rper nicht ausruhen lassen. Mein ganzes Denken war erf&#252;llt vom Schmerz und der Angst, doch ich musste weiter rennen, immer weiter, nicht stehenbleiben! Verzweifelt wandte ich meinen Kopf nach Ihm um, hoffend, der Abstand zwischen uns sei gr&#246;sser geworden, doch da war Er, lachend, mir war als fl&#246;ge er auf mich zu, in den Augen jenes schrecklich siegessichere Lachen. In jenem Moment begriff ich die Sinnlosigkeit meiner Flucht, begriff mein Schicksal und w&#252;nschte mir den Tod statt diesem unendlichem Grauen. Ersch&#246;pft blieb ich stehen, mein Herz schlug weiter, dankbar sog meine Lunge die Luft ein, schon fiel ich auf die Knie, da erreichte Er mich. Er h&#252;llte mich ein, mit seiner Aura, mit seinem Umhang, heiss brannte sein Atem in meinem Nacken. Schon wollte mich das Grauen &#252;bermahnen, da begriff ich meine unsinnige Angst, erkannte meinen Irrtum. Ersch&#246;pft und dankbar fiel ich in seine Arme und in einen tiefen Schlaf&#8230;</p>
<p>11. Juni 1997</p>
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		<title>Seine Augen</title>
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		<pubDate>Fri, 10 Jul 2009 14:05:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicole</dc:creator>
				<category><![CDATA[Er]]></category>

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		<description><![CDATA[Seine Augen waren etwas sehr Besonderes. Anfangs dachten wir, das Licht spiele uns Streiche, oder er trage Kontaktlinsen. Doch dann bemerkten wir, dass seine Augen wirklich ihre Farbe wechselten. Manchmal waren sie gr&#252;n, dann ging es ihm gut, er war freundlich und aufmerksam. Bei Braun war er gl&#252;cklich, erz&#228;hlte Witze und lachte mit uns. Mit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Seine Augen waren etwas sehr Besonderes. Anfangs dachten wir, das Licht spiele uns Streiche, oder er trage Kontaktlinsen. Doch dann bemerkten wir, dass seine Augen wirklich ihre Farbe wechselten. Manchmal waren sie gr&#252;n, dann ging es ihm gut, er war freundlich und aufmerksam. Bei Braun war er gl&#252;cklich, erz&#228;hlte Witze und lachte mit uns. Mit dieser Augenfarbe lernte er am meisten Leute kennen, sie passte so gut zu seinen blonden Haaren. Obwohl sich nie jemand f&#252;r sein Aussehen interessierte, alle blickten nur in jene seltsamen Augen. Wer im unsympathisch war, wurde mit einem eiskalten, blauen Blick bedacht, wen er gar hasste, sah in feuerrote Augen. Manche spekulierten, ob er vielleicht ein Ausserirdischer sei, denn in seinen Augen war nichts. Es heisst, die Augen seien die Fenster zur Seele. Vielleicht hatte er gar keine. Denn eigentlich hatte er nichts. Er kam zur Schule, jeden Tag, solange sich die Lehrer erinnern konnten, und war dennoch nie gealtert. Vielleicht war er ein Geist, gebunden an diesen Ort, verdammt, auf ewig hier zu bleiben. Manchmal waren seine Augen gelb. Das machte uns Angst, dann keiner von uns hatte so etwas schon einmal gesehen, und keiner wusste, was es zu bedeuten hatte. Aber wir hatten uns an ihn gew&#246;hnt, fast war er einer von uns. Bis zu jenem Tag, als seine Augen weiss wurden&#8230;</p>
<p>29. November 1996</p>
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		<title>Herrn B.&#8217;s grosser Tag</title>
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		<pubDate>Fri, 10 Jul 2009 14:05:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicole</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aufsätze und Wettbewerbe]]></category>

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		<description><![CDATA[Herr B. ist Lehrer. Mathelehrer. Ich weiss , was Sie jetzt denken: &#8220;Oh Gott, eine Geschichte &#252;ber einen gef&#252;hllosen, totlangweiligen Mathelehrer!&#8221; Also Herr B. ist zwar etwas unauff&#228;llig, doch keineswegs gef&#252;hllos oder gar langweilig! Das w&#252;rde man wohl gar nicht glauben, wenn man ihn das erste Mal sieht. Meist ist er ganz in grau gekleidet, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Herr B. ist Lehrer. Mathelehrer. Ich weiss , was Sie jetzt denken: &#8220;Oh Gott, eine Geschichte &#252;ber einen gef&#252;hllosen, totlangweiligen Mathelehrer!&#8221; Also Herr B. ist zwar etwas unauff&#228;llig, doch keineswegs gef&#252;hllos oder gar langweilig! Das w&#252;rde man wohl gar nicht glauben, wenn man ihn das erste Mal sieht. Meist ist er ganz in grau gekleidet, mit Hemd, Jackett, Bundfaltenhose und Krawatte. Die Krawatte ist nicht grau. Die ist blau, himmelblau, um genau zu sein. Herr B. ist schon etwas &#228;lter, so um die F&#252;nfzig, das kann man nicht so genau sagen. Er hat n&#228;mlich ziemlich jugendliche Z&#252;ge, nur sein Haar, das ist grau. Als ob es sich der Kleidung von Herrn B. anpassen w&#252;rde. Auch seine Brille ist grau, eigentlich w&#228;re sie silbrig, doch wir wollen es nicht so genau nehmen.</p>
<p>Nun platzen Sie sicher schon vor Neugier, wieso dieser &#228;ltere, graue Herr eben nicht langweilig sein soll. Schliesslich steht er jeden Tag punkt 6.13 Uhr auf, rasiert sich, fr&#252;hst&#252;ckt ausgiebig, steigt in sein Auto ( ein grauer Volvo) und kommt um 7.15 Uhr  bei der Schule an. Zum Glockenschlag der Kirche um 7.30 Uhr beginnt er den Unterricht und um 12.00 Uhr isst er eine Kleinigkeit zu Mittag, immer im nahen Italiener. Bis 18.00 Uhr bleibt er dann noch in der Schule, entweder um seine Stunden zu geben, oder um Pr&#252;fungen zu korrigieren. Dann geht er wieder nach Hause, nimmt sein Abendessen ein und sieht sich die Abendnachrichten im Fernsehen an. Um exakt 20.00 Uhr geht Herr B. ins Bett, liest noch eine Stunde in einem Buch &#252;ber Mathematik und l&#246;scht dann das Licht. Ziemlich langweilig, da stimme ich Ihnen zu. Dennoch m&#246;gen seine Sch&#252;ler Herrn B.. Der gibt n&#228;mlich nicht einfach nur Mathe, nein, er kann die Rechnungen auf seltsame Art und Weise zum Leben erwecken. Nehmen wir zum Beispiel die Br&#252;che. Das sind Herrn B. Lieblingszahlen. Darum nennt man ihn auch Herr B., eigentlich heisst er Herr Bastian. Er kann sich stundenlang mit echten und unechten Br&#252;chen besch&#228;ftigen, sie durch Wurzeln und mal Potenzen rechnen. Doch Herr B. rechnet nicht nur mit Zahlen. Nein, Herr B. liebt die Natur und die Menschen, also rechnet er durch Tiere und mal Sch&#252;ler. Und am Ende kommt immer ein einleuchtendes Resultat heraus. Manche Leute glauben, Herr B. k&#246;nne zaubern.</p>
<p>Einmal hatte er eine Sch&#252;lerin, deren Eltern sich scheiden liessen. Die Sch&#252;lerin, Katja hiess sie, war ganz verwirrt. Mitten in der Mathestunde begann sie zu weinen und liess sich nicht mehr tr&#246;sten. Als Katja Herrn B. unter Tr&#228;nen von der Scheidung ihrer Eltern erz&#228;hlte hatte, fragte sie ihn, warum ausgerechnet ihrer Familie so etwas passiere. Herr B. nahm also Katja, ihre Mutter, ihren Vater, den kleinen Bruder und die grosse Schwester und f&#252;hrte eine ganz komplizierte Rechnung aus. Jeden Schritt erkl&#228;rte er Katja und am Ende kam die Scheidung heraus. Aber die Scheidung stand &#252;ber dem Bruchstrich, und darunter die Liebe. Da wusste Katja, dass ihre Eltern sie und ihre Geschwister immer noch liebten, und sie konnte zumindest wieder l&#228;cheln. Ein anders Mal rechnete Herr B. f&#252;r den kleinen Hubert aus, wie viele Schmetterlinge es im Stadtpark gibt. Hubert will n&#228;mlich unbedingt Schmetterlingsforscher werden. Herrn B. rechnete einfach die Raupe mal den Baum rechts neben dem Eingangstor zum Park durch den Ameisenb&#228;ren, der letzte Woche gesichtet worden war, plus den Parkw&#228;chter und multiplizierte das Ganze noch mit der Sonne. Das Resultat war Schmetterling durch Hubert. Und die ganze Zeit flatterte der Schmetterling aufgeregt zwischen den Zahlen an der Wandtafel herum. Aber Herr B. rechnete nicht nur Dinge f&#252;r seine Sch&#252;ler aus. Manchmal half er auch den Eltern seiner Sch&#252;ler und berechnete da ein Auto und dort ein Rendez -vous. Da verbreitete sich sein Ruf nat&#252;rlich &#252;ber die Stadtgrenze hinaus. Und eines Tages wurde Herr B. eingeladen, in Amerika vor hohen Politikern eine Ausrechnung zu machen. Er sollte n&#228;mlich berechnen, wie der Weltfrieden zu bewerkstelligen sei. Das Ganze w&#252;rde gefilmt und &#8216;live&#8217; im Fernsehen in alle Welt &#252;bertragen.</p>
<p>Mit einem etwas mulmigen Gef&#252;hl betrat Herr B. in Amerika die B&#252;hne, welche extra f&#252;r ihn aufgestellt worden war. Hinter ihm war eine riesige Wandtafel, wie er gebeten hatte. Mit zitternden Fingern nahm er eine Kreide und begann mit der Ausrechnung. Zuerst schrieb  er das Universum auf, dann kam er &#252;ber Umwege zu der Erde, dann zu den Kontinenten, den L&#228;ndern, den Gebieten, den St&#228;dten, den D&#246;rfern, den H&#228;usern, und ganz zum Schluss, ganz zuletzt kam er zu den Menschen. Es war eine lange Rechnung, mit vielen Multiplikationen, Additionen und auch einigen Divisionen. Herr B. wusste selber nicht, was das Resultat seiner langen, langen Rechnung sein w&#252;rde, und manchmal glaubte er entsetzt, sich verrechnet zu haben. Doch er machte keine Fehler. W&#228;hrend er rechnete und alles aufschrieb, sahen viele Millionen Menschen  ihm dabei zu, sahen den grauen, langweilig wirkenden Mann W&#246;rter addieren und subtrahieren, und sie alle waren wie gebannt. Und als Herr B. die Gleichheitsstriche hinter seine lange, lange Rechnung setzte, hielten diese viele Millionen Menschen den Atem an. Herr B. blieb kurz mit h&#228;ngenden Armen stehen, dann hob er langsam die Hand. Vorsichtig schrieb er in riesigen Lettern:</p>
<p>Mensch + Toleranz = Weltfrieden ./.Welt</p>
<p>Einen Moment herrschte eine Stille, als w&#252;rde Mutter Erde selbst den Atem anhalten. Pl&#246;tzlich begannen alle zu jubeln, sie riefen: &#8220;BRAVO&#8221; und klatschten, und der amerikanische Pr&#228;sident pers&#246;nlich sch&#252;ttelte Herrn B. Hand und bedankte sich ganz herzlich. Herr B. war in allen Zeitungen und wurde mit vielen Preisen geehrt. Eine Zeit lang hatte er wirklich ein sehr aufregendes Leben.</p>
<p>Ge&#228;ndert hat sich nichts. Die Menschen wollten den Weltfrieden nicht verwirklichen, wer weiss weshalb. Herr B. gibt wieder Schule und erfreut mit seinen Bruchrechnungen seine Sch&#252;ler. Nur manchmal w&#252;nscht er sich, die Menschen h&#228;tten seine Schlussresultat etwas besser verstanden. So wie seine  Sch&#252;ler. Auf sie setzt er all seine Hoffnung. Und er ist sich sicher, dass das nicht vergebens ist. Das hatte er sich n&#228;mlich mal ausgerechnet.</p>
<p>29. Mai 1998</p>
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		<title>Die Masken des Liberio</title>
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		<pubDate>Fri, 10 Jul 2009 14:04:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicole</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Liberio wurde stumm geboren. Ein seltsames Kind, nie schrie er oder bewegte sich unn&#246;tig. Nie schlief er, und schien dennoch nie richtig wach zu sein. Seine Eltern suchten viele gelehrte &#196;rzte auf, doch niemand konnte dem Kinde helfen. So wurde ihm Nahrung eingefl&#246;sst und die Augen zugedr&#252;ckt, wenn die Nacht anbrach, und Liberio lag lange [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Liberio wurde stumm geboren. Ein seltsames Kind, nie schrie er oder bewegte sich unn&#246;tig. Nie schlief er, und schien dennoch nie richtig wach zu sein. Seine Eltern suchten viele gelehrte &#196;rzte auf, doch niemand konnte dem Kinde helfen. So wurde ihm Nahrung eingefl&#246;sst und die Augen zugedr&#252;ckt, wenn die Nacht anbrach, und Liberio lag lange Zeit in seinem Bette. Doch eines Tages betrat seine Schwester das Zimmer. In ihrer Hand trug sie eine Maske. Das feine weisse Porzellan war kunstvoll mit leuchtenden Farben bemalt, ein breites Lachen untermalend. Die Schwester nun, jung und ohne Scheu, legte die Maske auf das Gesicht des Liberio. Da geschah etwas Seltsames: die Farben der Maske verblassten, sie wurden hell und dann braun, braun wie die Haut des Liberio. Als die Maske nicht mehr zu sehen war, das schlug Liberio seine geschlossenen Augen auf. Er schwang die Beine vom Bett und lachte seine Schwester an. Seine Eltern kamen, angelockt durch das fremde Lachen, und als sie den nun wachen Liberio sahen, &#252;berkam sie grosse Freude und sie fielen in sein Lachen ein.</p>
<p>Von jenem Tage an lachte Liberio, manchmal laut und manchmal leise, doch immer brachte er andere dazu, es ihm gleichzutun. So machte er die Menschen gl&#252;cklich. Zuerst nur die Leute in seinem Dorf, doch bald verliess er seine Eltern und ging in die Welt, um das Lachen &#252;berall hinzubringen. Lange Zeit  zog er von Ort zu Ort, bis er eines Tages am Wegesrand ein Glitzern bemerkte. Es war eine Maske aus geschnitztem Obsidian. In seiner glattgeschliffenen schwarzen Oberfl&#228;che spiegelte sich die Sonne. Ein grosser K&#252;nstler hatte mit Sorgfalt und viel Geduld die Mimik eines rasenden Menschen in den Stein geschnitzt. Jede Ader war sichtbar, jede Zornesfalte. Liberio hielt das Kunstwerk ehrf&#252;rchtig in den H&#228;nden, doch er konnte nicht widerstehen, sich die Maske aufzusetzen. Das geschah etwas Seltsames: das Schwarz der Maske verblasste und wurde braun, braun wie die Haut des Liberio. Als die Maske nicht mehr zu sehen war, da war Liberio w&#252;tend. Seine Wut richtete sich gegen alles und jeden, und er zog durch die Welt, jeden totschlagend, den er traf. Seine Wut kannte keine Grenzen, was immer sch&#246;n und rein war, wurde von ihm zerst&#246;rt. So w&#252;tete er lange Zeit, bis er eines Tages vor den &#220;berresten eines Hauses stand, welches er vor Stunden angez&#252;ndet hatte. Pl&#246;tzlich fiel ihm ein St&#252;ck Holz auf, das offenbar nicht verbrannt war. Voller Wut st&#252;rzte er sich auf das Ding, und stellte fest, dass es eine h&#246;lzerne Maske war. Der Ausdruck des Gesichtes war gar kl&#228;glich. Von einem inneren Zwang getrieben hielt sich Liberio die Maske vor sein Gesicht. Da geschah etwas Seltsames: die Muster des Holzes verschwammen, und das Braun wurde Heller, wurde braun wie die Haut des Liberio. Als die Maske nicht mehr zu sehen war, f&#252;hlte sich Liberio pl&#246;tzlich elend. Und er weinte und w&#228;lzte sich im Staub, und flehte die G&#246;tter an, seiner elenden Existenz ein Ende zu bereiten.</p>
<p>Manchmal erh&#246;ren die G&#246;tter unsere Gebete, und sie schickten den Tod zu Liberio.</p>
<p>Stolz stand dieser vor dem Verzweifelten, seinen knochigen K&#246;rper unter einem schwarzen Umhang versteckend. Er schaute auf Liberio mit dem Blick, der die Sterblichen verstummen l&#228;sst. Regungslos lag Liberio auf der Erde. Da b&#252;ckte sich der Tod zu ihm hinab und ergriff die erste Maske. Liberio schrie stumm auf, und die Erde erzitterte, als sein Schrei ihr durch das brausende Herz schoss. Achtlos liess der Tod die h&#246;lzerne Maske fallen und griff wieder nach Liberio, entriss ihm die zweite Maske. Und die Erde erbebte ein weiteres Mal. Der Obsidian gl&#228;nzte b&#246;se in den letzen Strahlen der Sonne. Unter den weiten Gew&#228;ndern des Todes verbarg sich ein boshaftes L&#228;cheln, als er sich zum dritten Mal &#252;ber den armen Liberio beugte, um diesem auch die letzte Maske von Gesicht und Seele zu reissen. Diesmal entwich kein Schrei dessen Munde, doch wieder erzitterte die Erde, unter dem Gewicht der Porzellanmaske, als der Tod sie fallen liess. Liberio lag da wie er geboren wurde, stumm und ohne sich zu r&#252;hren. Zum letzten Mal b&#252;ckte sich der Tod und hob Liberio auf, um ihn mitzunehmen, dorthin, wohin er alle nimmt, irgendwann.</p>
<p>Der Masken nahm sich der Wind an. Als w&#228;ren sie Federn, trug er sie mit sich und verstreute sie auf der Erde, auf dass sie eines Tages ein anderer finden m&#246;ge, der nicht lebt und nicht tot ist.</p>
<p>Und dies sei das Ende dieser Geschichte.</p>
<p>29. November 1998</p>
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		<title>In der Warteschlange</title>
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		<pubDate>Fri, 10 Jul 2009 14:04:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicole</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Er fiel mir auf, weil er sehr nerv&#246;s zu sein schien. Er ist jung, vielleicht 25 Jahre alt. Vor im stehen noch vier Personen und zwischen uns zwei weitere. Er tr&#228;gt ein Paket in der Hand, das er offensichtlich am Postschalter abgeben will. Er sieht andauernd auf seine Uhr. Fr&#252;her konnte ich mir unter der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Er fiel mir auf, weil er sehr nerv&#246;s zu sein schien. Er ist jung, vielleicht 25 Jahre alt. Vor im stehen noch vier Personen und zwischen uns zwei weitere. Er tr&#228;gt ein Paket in der Hand, das er offensichtlich am Postschalter abgeben will. Er sieht andauernd auf seine Uhr. Fr&#252;her konnte ich mir unter der Redewendung ‚von einem Fuss auf den anderen treten‘ nicht viel vorstellen. Er tut es. Mal erscheint sein schwarzer, kurzgeschnittener Haarschopf auf der linken Seite der beiden Leute vor mir, mal auf der rechten. Immer wieder dreht er den Kopf zur Uhr an der Wand, dann starrt er auf seine Armbanduhr, trippelt zwei Schritte nach links, zwei Schritte nach rechts, reckt den Hals, m die Leute vor sich zu z&#228;hlen. Diese werden weniger, zwei, einer, endlich ist er am Schalter. Rasch h&#228;lt er der Postbeamtin sein Paket und eine Zehnernote hin, nimmt das Wechselgeld entgegen und st&#252;rmt nach draussen. Im Halbdunkel des Postraumes kann ich sein Gesicht nicht genau erkennen, nur das Tageslicht, welches durch die Eingangst&#252;r f&#228;llt, spiegelt sich einen Moment in seinen Augen. Dann ist er Weg.</p>
<p>4. Dezember 1997</p>
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		<title>Konsequenzen</title>
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		<pubDate>Fri, 10 Jul 2009 14:03:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicole</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es traf sich, dass Salz und Zucker, wie es Brauch ist, im Gew&#252;rzschrank nebeneinander standen. Doch eines Tages liess der Zufall, oder das Schicksal, wer vermag das schon genau zu sagen, das Salz von seinem Platz herunter auf die Erde fallen. Der Zucker nun, erbost &#252;ber den Egoismus des Salzes, ihn einfach alleine zu lassen, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es traf sich, dass Salz und Zucker, wie es Brauch ist, im Gew&#252;rzschrank nebeneinander standen. Doch eines Tages liess der Zufall, oder das Schicksal, wer vermag das schon genau zu sagen, das Salz von seinem Platz herunter auf die Erde fallen. Der Zucker nun, erbost &#252;ber den Egoismus des Salzes, ihn einfach alleine zu lassen, warf sich diesem hinterher. Salz und Zucker werden, wie jeder weiss, in Beh&#228;ltern aufbewahrt. Und eben dieser Beh&#228;lter Deckel wurden beim Aufprall davon geschleudert, einer unter das Sp&#252;lbecken, der andere lag bereits zwischen den F&#252;ssen der Hausfrau. Salz und Zucker umarmten sich innig, Kristall f&#252;r Kristall. Und sie umarmten sich immer noch, als sie nach beschwerlicher Reise in der M&#252;llverbrennungsanlage anlangten, dort, wo alles irgendwann hinkommt, jede Dose und jede Bananenschale und jeder gebrauchte Briefumschlag.</p>
<p>Und als der Zucker braun wurde, ob des vielen Lichtes, da verschmolzen Salz und Zucker, um sich am Ende von den Flammen ihrer innigen Liebe verzehrt zu sehen&#8230;</p>
<p>8. Januar 1999</p>
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