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	<title>Kopfchaos &#187; Vom Leben und den Menschen</title>
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	<description>Gedichte und Geschichten von Nicole</description>
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		<title>Nebel</title>
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		<pubDate>Fri, 10 Jul 2009 13:54:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicole</dc:creator>
				<category><![CDATA[Vom Leben und den Menschen]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich lief durch das Gras und konnte es doch nur erahnen. Es lag ein Nebel &#252;ber der Erde. Wenig. Er wirbelte durcheinander, wenn ich lief. Es erinnerte mich an einen schlechten Hollywoodfilm. Als h&#228;tte jemand eine Nebelmaschine laufen lassen. Doch der Nebel war nicht k&#252;nstlich. Die Schwaden lagen tr&#228;ge &#252;ber dem Land.
Ich hatte vergessen, wie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich lief durch das Gras und konnte es doch nur erahnen. Es lag ein Nebel &#252;ber der Erde. Wenig. Er wirbelte durcheinander, wenn ich lief. Es erinnerte mich an einen schlechten Hollywoodfilm. Als h&#228;tte jemand eine Nebelmaschine laufen lassen. Doch der Nebel war nicht k&#252;nstlich. Die Schwaden lagen tr&#228;ge &#252;ber dem Land.</p>
<p>Ich hatte vergessen, wie ich hierher gekommen war. Vergessen, welcher Tage, welche Tageszeit. Die Sonne stand irgendwo &#252;ber mir, zumindest war es hell, sogar der Himmel war voller Nebel.</p>
<p>Meine F&#252;sse trugen mich durch den Bodennebel. Es war kalt. Ich vergrub meine H&#228;nde tief in den Taschen meines Mantels. Die K&#228;lte kroch mir langsam in den Leib. Ich versuchte mich zu erinnern, wieso ich hier war.</p>
<p>Manchmal sah ich etwas Gras. Es war von Tau benetzt. Fast erwartete ich, Geister auftauchen zu sehen. Der Nebel w&#252;rde wachsen und ihre Gestalt annehmen. Sie w&#252;rden mich vorwurfsvoll ansehen. Und ich w&#252;rde sie nicht verstehen.</p>
<p>Die Stille war bedr&#252;ckend. H&#228;tte ich aufgesehen, vielleicht w&#228;ren irgendwo B&#228;ume gestanden. Doch es gab nichts zu sehen. Nichts zu f&#252;hlen. Nur die K&#228;lte, die in meinen K&#246;rper kroch. Der Nebel lag tr&#228;ge und wollte keine Gesichter zeigen. Der Himmel schaute grau auf mich hinab.</p>
<p>Ob dies eine Zone war, zwischen Tod und Leben? War ich von hier gekommen? Ging ich nun wieder, weg von meiner Existenz, die weit hinter mir lag? Die Schritte waren gleichm&#228;ssig, meine Gedanken flossen dahin, wie Wasser erschienen sie und schwebten wieder weg, weg, in die Vergessenheit.</p>
<p>Ich war nicht m&#252;de. Ich wollte nicht rasten. Ich f&#252;hlte mich wie der Nebel. Lief ich &#252;berhaupt noch &#252;ber die Erde? Schwebte ich nicht vielmehr? Kein Stolpern, obschon das Gras feucht war. Ich hatte ausrutschen k&#246;nnen. Hinfallen. Liegenbleiben, bis der Himmel &#252;ber dieser Erde zusammenbrach.</p>
<p>Vielleicht sah ich Sterne. Ich wusste es nicht.</p>
<p>Dann blieb ich stehen. Sah auf. Blickte auf den Nebel in der Ferne. Es gab kein Ziel, das es zu erreichen galt. Die Entscheidung lag bei mir, wohin ich gehen wollte. Da war kein Sinn. Ich musste nicht laufen. Ich brauchte nirgends hinzugehen. Ich konnte mich hinsetzen. Ich konnte liegen, unter dem Nebel. Ich konnte den Nebel einatmen, tief in meine Lungen. Und der Nebel w&#252;rde Teil meines Blutes werden, Teil von mir. Dann w&#228;re ich nicht mehr allein. Dann w&#228;re ich Teil des Nebels. Ich w&#228;re der Nebel. Es w&#252;rde nichts eine Rolle spielen, nicht wer ich war, nicht was ich dachte. Weil ich nicht mehr denken w&#252;rde, nur tr&#228;ge &#252;ber der Erde h&#228;ngen. Das Gras mit Tautropfen benetzen. Keine Entscheidung w&#228;re mehr zu treffen! Kein Schritt mehr zu tun! Mein Herz klopfte mir schwer in der Brust und ich sp&#252;rte die K&#228;lte nicht mehr.</p>
<p>Dann machte ich einen Schritt. Irgendwohin. Es war egal, wohin. Und ich machte einen zweiten. Und einen dritten. Und dann vergass ich sie zu z&#228;hlen.</p>
<p>13. Oktober 2001</p>
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		<title>Das Ehepaar</title>
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		<pubDate>Fri, 10 Jul 2009 13:54:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicole</dc:creator>
				<category><![CDATA[Vom Leben und den Menschen]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Ehepaar, ein alter Mann und eine alte Frau, stehen in ihren symmetrisch strengen Kleidern vor ihrem streng symmetrisch erbauten Haus. Fast scheint es mir wie eine Kirche, und sie stehen auch da, als w&#228;ren sie in einer. Der Mann starrt blicklos in die Ferne, als k&#246;nne er den Tod eines Sohnes nicht begreifen, der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Ehepaar, ein alter Mann und eine alte Frau, stehen in ihren symmetrisch strengen Kleidern vor ihrem streng symmetrisch erbauten Haus. Fast scheint es mir wie eine Kirche, und sie stehen auch da, als w&#228;ren sie in einer. Der Mann starrt blicklos in die Ferne, als k&#246;nne er den Tod eines Sohnes nicht begreifen, der da liegt, wo ich stehe. Die Frau sieht den Mann an, ihren Ehemann, als f&#252;rchte sie, er w&#252;rde sich selbst erstechen, mit den langen Zinken, den streng symmetrischen, an der Mistgabel in seiner Hand.</p>
<p>Die zwei werden noch dastehen, er leer und sie besorgt, wenn ich -die Bildbetrachterin- schon lange weggegangen bin.</p>
<p>29. November 2001</p>
<p><img src="http://neu.kopfchaos.ch/wp-content/uploads/americangothic.gif" alt="American Gothic" title="American Gothic" width="273" height="328" class="alignnone size-full wp-image-536" /></p>
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		<title>Das Gef&#252;hl &#8211; Ich bin ohne zu sein</title>
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		<pubDate>Fri, 10 Jul 2009 13:53:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicole</dc:creator>
				<category><![CDATA[Vom Leben und den Menschen]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich konnte nichts tun, es war, als w&#252;rde ich jeden Moment explodieren, eine unendliche Wut wollte hinaus. Die Musik dr&#246;hnte in meinen Ohren, jeder Ton wie ein Kanonenschuss, wie ein Scherz Gottes sanftes Vogelgezwitscher dazwischen. In meinen Adern pulsierte mein Blut, mein Herz schlug schnell und schmerzhaft, blind starrten meine Augen in die Dunkelheit. Dann [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich konnte nichts tun, es war, als w&#252;rde ich jeden Moment explodieren, eine unendliche Wut wollte hinaus. Die Musik dr&#246;hnte in meinen Ohren, jeder Ton wie ein Kanonenschuss, wie ein Scherz Gottes sanftes Vogelgezwitscher dazwischen. In meinen Adern pulsierte mein Blut, mein Herz schlug schnell und schmerzhaft, blind starrten meine Augen in die Dunkelheit. Dann brach das Lied ab. Alles war still, bis ein neuer Ton die Stille zerriss. Und die T&#246;ne trugen mich davon. Schnell und immer schneller flog ich &#252;ber das Land, unter mir zogen W&#228;lder dahin, weite Felder, golden in der Sonne gl&#228;nzend, niedergedr&#252;ckt durch den rasenden Wind, triefend nass vom str&#246;menden Regen. Ich flog &#252;ber saftige Wiesen und alte, gr&#252;ne B&#228;ume, von denen ich jedes einzelne Blatt in meiner Erinnerung behielt. Ich flog &#252;ber D&#246;rfer und St&#228;dte, sah die Menschen dahinstr&#246;men, gefangen in ihren H&#228;usern, gefangen in ihren Autos, gefangen in ihren K&#246;rpern. Ich sah ihre Gesichter, wie ein Fremder durchflog ich ihre Mengen, besah ich ihre Reihen. In den Dschungeln der Erde fand ich den Tod, in den W&#252;sten begegnete ich dem Leben. Ich drang in die Tiere ein, das Gr&#246;sste wurde zum Kleinsten, das Kleinste zum Gr&#246;ssten, und am Ende verliess ich diese Welt.</p>
<p>Ich flog in die Dunkelheit, doch noch immer war jene Wut in mir, jenes Gef&#252;hl, das zu beschreiben ich nie f&#228;hig sein werde. Als ich die Enden des Universums erreichte, st&#252;lpte sich mein Geist nach aussen, das Schwarze wurde Weiss, das Dunkle wurde hell. Ich wurde zu allem, und alles wurde zu mir. Ich verband mich mit dem Universum, wurde zu allem und schliesslich zu Gott. In mir breitete sich Dunkelheit aus, denn das Gef&#252;hl war verschwunden, und mit ihm alles, was lebte. Bis das Lied wieder erklang. Seine T&#246;ne schleuderten mich in die H&#246;he und liessen mich st&#252;rzen, seine Melodie liess mich sterben und leben. Da tauchte das Licht vor mir auf. Es leuchtete hell, kam immer n&#228;her, verschlang mich, zersetzte meine K&#246;rper in die letzten und ersten Arten des Seins. Schliesslich beruhigte ich mich, doch das Gef&#252;hl blieb, irgendwo tief in mir, und eines Tages wird es wieder kommen, ganz bestimmt&#8230;</p>
<p><em>Text zum Lied &#8216;Salva mea&#8217; von Faithless</em></p>
<p>28.Oktober 1996</p>
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		<title>Der Kreis</title>
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		<pubDate>Fri, 10 Jul 2009 13:52:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicole</dc:creator>
				<category><![CDATA[Vom Leben und den Menschen]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Tisch war rund, ein Kreis um eine leere Fl&#228;che, leer bis auf den Stuhl in der Mitte. Die Leute an den Tischen unterhielten sich leise, lachten, murmelten. Dann betrat Er den Raum. Die Leute verstummten und starrten Ihn an. Ein St&#252;ck des Tisches wurde herausgezogen, Er betrat den Kreis, setzte sich auf den Stuhl. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Tisch war rund, ein Kreis um eine leere Fl&#228;che, leer bis auf den Stuhl in der Mitte. Die Leute an den Tischen unterhielten sich leise, lachten, murmelten. Dann betrat Er den Raum. Die Leute verstummten und starrten Ihn an. Ein St&#252;ck des Tisches wurde herausgezogen, Er betrat den Kreis, setzte sich auf den Stuhl. Viele Augen musterten Ihn stumm, absch&#228;tzend, fragend. Er f&#252;hlte sich unwohl, rutschte etwas auf dem Stuhl herum, hub zum sprechen an, stiess die Luft wieder unverbraucht aus. Schliesslich ert&#246;nte ein dumpfer Gong, die Leute erhoben sich und verliessen den Raum, leise, bald war Er allein. Der Raum war leer, nur Er sass auf dem Stuhl, schweigend, es gab nichts zu sagen. Er entspannte sich etwas, die Last der vielen Augen war von seinen Schultern genommen. Dann &#246;ffnete sich langsam wieder die T&#252;r, jemand betrat den Raum, ein Mann, jung, l&#228;chelnd. Er trat in den Kreis, reichte Ihm die Hand. Er r&#252;hrte sich nicht, blickte den anderen nur an. Jener l&#228;chelte stumm weiter, hielt seinem Blicke stand. Da erhob Er sich, verliess den Kreis, den Raum, drehte sich jedoch an der T&#252;r noch einmal um, sah den andern immer noch l&#228;chelnd neben dem Stuhl stehen. Dann verliess Er endg&#252;ltig den Raum&#8230;</p>
<p>4. April 1997</p>
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		<title>Gesichter</title>
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		<pubDate>Fri, 10 Jul 2009 13:52:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicole</dc:creator>
				<category><![CDATA[Vom Leben und den Menschen]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Zug war voll mit m&#252;den Menschen. Ihre Gedanken, schwer und sorgenvoll, hingen im Raum, vom Ger&#228;usch des dahinbrausenden Zuges &#252;bert&#246;nt und dennoch greifbar. Ich sass unter ihnen still an meinem Platz, ohne mich zu bewegen, ohne gar zu denken. Die Spannung in der Luft dr&#252;ckte auf meine Lungen, und es fiel mit schwer, zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Zug war voll mit m&#252;den Menschen. Ihre Gedanken, schwer und sorgenvoll, hingen im Raum, vom Ger&#228;usch des dahinbrausenden Zuges &#252;bert&#246;nt und dennoch greifbar. Ich sass unter ihnen still an meinem Platz, ohne mich zu bewegen, ohne gar zu denken. Die Spannung in der Luft dr&#252;ckte auf meine Lungen, und es fiel mit schwer, zu atmen. Vor den Fenstern zog die Landschaft dahin, schnell, leise, unber&#252;hrt von den Gedanken. Ich sah den Menschen in die Gesichter, und ich konnte ihnen ihre Gedanken ansehen. Sie leuchteten aus ihren Augen, sie leuchteten in ihren Gesichtern, M&#252;digkeit war nicht die einzige Erkl&#228;rung f&#252;r ihren starren Blick, f&#252;r ihre glasigen Augen. Sie dachten an die Vergangenheit und hinterfragten sie. Ob sie es richtig gemacht hatten, ob es richtig war? Als der Zug hielt, verschwanden die Gedanken aus ihren Augen und wichen der Freude, zu Hause angekommen zu sein. Doch sie verschwanden nicht f&#252;r immer. Sie waren noch da. Ob sie jemals zu E</p>
<p>10. Juni 1997</p>
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		<title>Der Maler</title>
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		<pubDate>Fri, 10 Jul 2009 13:51:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicole</dc:creator>
				<category><![CDATA[Vom Leben und den Menschen]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich kannte den Maler schon viele Jahre. Er hatte eine schwerm&#252;tige Seele doch ein freundliches Wesen. Vielleicht war es das, was uns trotz unterschiedlichen Wegen all die Zeit verband.
Er hatte verlauten lassen, er w&#252;rde mit dem malen aufh&#246;ren. Zu seiner letzten Ausstellung kamen viele Leute. Kuriose Geister und reiche M&#228;zene. Die Malerei hatte ihm eine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich kannte den Maler schon viele Jahre. Er hatte eine schwerm&#252;tige Seele doch ein freundliches Wesen. Vielleicht war es das, was uns trotz unterschiedlichen Wegen all die Zeit verband.</p>
<p>Er hatte verlauten lassen, er w&#252;rde mit dem malen aufh&#246;ren. Zu seiner letzten Ausstellung kamen viele Leute. Kuriose Geister und reiche M&#228;zene. Die Malerei hatte ihm eine einigermassen gesicherte Existenz erm&#246;glicht. Er konnte nicht gerade wie Gott in Frankreich leben, doch das wollte er auch nicht. Das entsprach nicht seinem Naturell. Ein anderer Maler klopfte meinem Freund w&#228;hrend der Ausstellung auf den R&#252;cken und lobte seinen klugen Zug, durch angebliche Beendigung seines Malens die Preise seiner bestehenden Bilder in die H&#246;he zu treiben. Mein Freund war emp&#246;rt &#252;ber diese Unterstellung und erkl&#228;rte dem anderen, dass dies keineswegs seine Absicht sei. Der andere zwinkerte ihm daraufhin verschw&#246;rerisch zu und meinte nur, das sei ja keine Schande. Ausserdem glaube er als ebenfalls hauptberuflicher Maler, dass der andere sowieso nicht ganz mit malen aufh&#246;ren werde. Das sei ihm im Blut, das k&#246;nne er nicht einfach abschalten.</p>
<p>Diese Unterhaltung hatte ich schon wieder vergessen, als ich nun auf dem Weg zum Maler war. Ich betrat sein Atelier und sah ihn an seiner Staffelei arbeiten. Leise nahm ich mir einen Stuhl und setzte mich hinter ihn, um ihm bei der Arbeit zu zu sehen. Ich hatte ihm auch einmal Modell gelegen. Es war sehr anstrengend, und ich hatte danach jeweils tagelang Muskelkater.</p>
<p>Er hatte mir immer wieder gesagt, ich solle mich entspannen, doch es gelang mir einfach nicht. Sp&#228;ter waren meine Gesichtsz&#252;ge auf dem Bild verzerrt, als w&#252;rde mich ein unangenehmer Bekannter daran hindern, meinen Bus zu erwischen. Ich hatte dem Maler das Bild abgekauft, darauf hatte ich bestanden. Damals hatte es mich einen halben Monatslohn gekostet. Wo immer ich arbeitete, hing es gegen&#252;ber an der Wand. Es erinnerte mich an meinen Vorsatz, dass meine Arbeit mir Freude machen soll. Wann immer sich meine Gesichtsz&#252;ge so verkrampft wie auf dem Bild anf&#252;hlten, war es Zeit zu gehen. Ich sass nun hinter dem Maler und beobachtete ihn, wie ich es oft getan hatte. Im Gegensatz zu anderen K&#252;nstlern glaubte er nicht, dass es Ungl&#252;ck bringen w&#252;rde, andere seine Bilder vor deren Vollendung sehen zu lassen.</p>
<p>Er malte eine d&#252;stere Landschaft, der Pinsel strich vorsichtig Schwarz und Grau auf die Leinwand. Daf&#252;r war er bekannt geworden, f&#252;r diese seltsamen Traumlandschaften, die nur ihm verst&#228;ndlich waren. Auch auf meinem Bild lag ich vor solch einem Hintergrund, rot schimmerte er wie eine Aura um mich und dunkle Schatten dr&#228;ngten mir zu.</p>
<p>Der Maler war fertig mit seinem Bild, setzte mit vorsichtigen Strichen seine Signatur darunter und erhob sich dann, um mich herzlich zu begr&#252;ssen.</p>
<p>Ich sprach ihn sogleich auf sein neues Bild an. Es entsprach nicht seiner Gewohnheit, er hatte immer grossformatige Leinw&#228;nde bevorzugt, dieses jedoch war klein, kaum ein halber Meter auf zwanzig Zentimeter. Er nahm die Leinwand mit der noch feuchten Farbe von der Staffelei, hielt sie mit Daumen und Zeigefinger jeweils in der Mitte oben und unten, und begann sie langsam zu drehen. Als mir die Vorderseite wieder zugewandt war, war das Bild verschwunden. Nur noch weisses Leinen. Warum er das gemacht habe, fragte ich ihn. Er antwortete traurig: &#8220;Sie allen entdecken eine Seite in mir, die ich nicht mehr finde.&#8221;</p>
<p>In meinem B&#252;ro empfing mich am n&#228;chsten Tag eine weisse Leinwand. Der Maler, so erfuhr ich sp&#228;ter, war &#252;ber Nacht gestorben. Meine Arbeit macht mir immer noch Freude.</p>
<p>Nach einem verst&#246;renden Traum</p>
<p>30. April 2001</p>
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		<title>Alt I</title>
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		<pubDate>Fri, 10 Jul 2009 13:51:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicole</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Wahrheit ist: ich f&#252;hle mich alt. Nicht das Alter der Weisheit, das Alter der Kraftlosigkeit erf&#252;llt meinen K&#246;rper, der, nach den Erkl&#228;rungen meines alten Biolehrers, in der gr&#246;ssten Sch&#246;nheit meines Lebens steht. Manchmal &#252;berw&#228;ltigt mich eine Traurigkeit und mir ist, als m&#252;sse ich um alle Menschen weinen, trauern um die Ungl&#252;cklichen, Gekr&#228;nkten, um die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Wahrheit ist: ich f&#252;hle mich alt. Nicht das Alter der Weisheit, das Alter der Kraftlosigkeit erf&#252;llt meinen K&#246;rper, der, nach den Erkl&#228;rungen meines alten Biolehrers, in der gr&#246;ssten Sch&#246;nheit meines Lebens steht. Manchmal &#252;berw&#228;ltigt mich eine Traurigkeit und mir ist, als m&#252;sse ich um alle Menschen weinen, trauern um die Ungl&#252;cklichen, Gekr&#228;nkten, um die Toten, und jene, die dennoch leben. Doch am Ende muss ich erkennen, wie leer mein Leben ist und dass alle Tr&#228;nen nur mir selber gelten. Ich werde nie Grosses bewirken k&#228;nnen, gefangen in Zufriedenheit und einem Gr&#246;ssenwahnsinn der Gedanken. Es gibt keinen Ausweg, es braucht keinen zu geben. Ich w&#252;nschte mir Freiheit, die Freiheit, so zu leben, wie ich es in mir f&#252;hle.</p>
<p>Doch mir fehlen die Mittel und die Kraft. Auch jene halbe Ewigkeit l&#228;sst sich nicht leben, sie wurden verpasst, ich kann keine Klasse mehr wiederholen. Und so f&#252;hle ich mich von Tag zu Tag schw&#228;cher und f&#252;hle mich traurig und f&#252;hle mich allein und bin doch zufrieden und w&#252;nsche mir dennoch den Frieden, den mir nur mein Abraxas geben kann, in seinen Armen, mit seinem Atem, seinem Herzschlag, seiner Liebe. Der Gedanke an ihn erh&#228;lt mich aufrecht, l&#228;ngst reicht die Einsicht der Notwendigkeit einer Ausbildung nicht mehr. Guter Abraxas, wie hilfst Du Deiner gottlosen Geliebten, wie bewahrst Du sie vor der drohenden Dunkelheit. Mir bleibt nur zu schlafen und zu tr&#228;umen, und mir mein Leben nicht anders zu w&#252;nschen, trotz der Kraftlosigkeit, trotz der Eint&#246;nigkeit, trotz der Hoffnungslosigkeit. Und der gute Gott verhindert, dass ich mich zu sch&#228;men brauche meines Selbstmitleides, denn in ihm darf ich sein, wie es in mir lebt.</p>
<p>21. April 98</p>
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		<title>Alt II</title>
		<link>http://www.kopfchaos.ch/geschichten/vom-leben-und-den-menschen/alt-ii.html</link>
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		<pubDate>Fri, 10 Jul 2009 13:51:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicole</dc:creator>
				<category><![CDATA[Vom Leben und den Menschen]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich m&#246;chte diese Zeit festhalten, m&#246;chte sie f&#252;r immer leben. Diese s&#252;sse Interesselosigkeit, dieses wunderbare Gef&#252;hl, dass mir alles egal sei und mir dennoch etwas bedeutet. Ich w&#252;rde gerne schreiben, schwebende Geschichten, so wie fr&#252;her. Doch meine Konzentration ist zerstreut, ich kann den Lehrern aufmerksam zuh&#246;ren, doch sitze ich vor dem Blatt, versp&#252;re ich Widerwillen. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich m&#246;chte diese Zeit festhalten, m&#246;chte sie f&#252;r immer leben. Diese s&#252;sse Interesselosigkeit, dieses wunderbare Gef&#252;hl, dass mir alles egal sei und mir dennoch etwas bedeutet. Ich w&#252;rde gerne schreiben, schwebende Geschichten, so wie fr&#252;her. Doch meine Konzentration ist zerstreut, ich kann den Lehrern aufmerksam zuh&#246;ren, doch sitze ich vor dem Blatt, versp&#252;re ich Widerwillen. Es w&#228;re ein Erwachen aus dem Schweben, dem Zustand der Leichtigkeit. Meine Gedanken zerfallen, und dennoch schreibe ich Geschichten von grosser Sch&#246;nheit, nie gekannter, nie erahnter. Doch diese Leichtigkeit ist auch sehr gef&#228;hrlich, ich bin nun bereit, Berge zu zerst&#246;ren. Dies ist ein seltsamer Widerspruch zu dieser Gleichg&#252;ltigkeit, jener leicht schwebende Wunsch nach Rache, nach Zerst&#246;rung. Es ist, als sei er in Watte verpackt, undeutlich und dennoch bohrend. Ich bleibe still, wie ich es immer war, doch ich sp&#252;re, dass eine unheimliche kraft in mir pulsiert. Doch ich muss diese Kraft verschliessen, denn kommt sie einmal zum Ausbruch, wird sie vieles zerst&#246;ren. Vielleicht g&#228;be ich nach dem Schwinden der Leichtigkeit keine Kraft, die Konsequenzen zu traen. Sehr wahrscheinlich sogar. Doch das Unterdr&#252;cken kostet Kraft. Und vielleicht kommt sie doch heraus, in der vertrauten Form der Tr&#228;nen.</p>
<p>Zensierte Version<br />
Original am 24.April 98</p>
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		<title>Kirchenfenster</title>
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		<pubDate>Fri, 10 Jul 2009 13:50:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicole</dc:creator>
				<category><![CDATA[Vom Leben und den Menschen]]></category>

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		<description><![CDATA[Er stand in der Kirche, vor dem Altar, ruhig betrachtete er das farbige Kathedralenfenster. Die Farben begannen zu pulsieren, durchstr&#246;mten seinen K&#246;rper, der nur noch schwach in der fahlen D&#228;mmerung zu sehen war. Jede Farbe hatte eine andere Eigenschaft, blau war kalt, bei rot sp&#252;rte er Hass, gr&#252;n liess ihn ruhig werden, bei gelb erschauderte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Er stand in der Kirche, vor dem Altar, ruhig betrachtete er das farbige Kathedralenfenster. Die Farben begannen zu pulsieren, durchstr&#246;mten seinen K&#246;rper, der nur noch schwach in der fahlen D&#228;mmerung zu sehen war. Jede Farbe hatte eine andere Eigenschaft, blau war kalt, bei rot sp&#252;rte er Hass, gr&#252;n liess ihn ruhig werden, bei gelb erschauderte er vor Neid. Viele andere Farben durchfluteten ihn, andere Gef&#252;hle, er erlebte, durchlebte andere Leben, flog &#252;ber und durch andere Welten, schwebte in anderen Dimensionen und f&#252;hlte sich unendlich ruhig und frei. Schliesslich kehrte er in seinen K&#246;rper zur&#252;ck. Im Kirchenschiff entfernte sich eine dunkle Gestalt, kaum zu erkennen im schwachen Licht. Sanft legte sich eine Hand auf seine Schulter. Er drehte sich um</p>
<p>4. Juni 1996</p>
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		<title>Das Begr&#228;bnis</title>
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		<pubDate>Fri, 10 Jul 2009 13:50:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicole</dc:creator>
				<category><![CDATA[Vom Leben und den Menschen]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Wagen rollte ruhig dahin. Sie starrte auf ihre Knie und als sie es bemerkte, blickte sie aus dem Fenster. Draussen schien die Sonne, doch sie sah die Sch&#246;nheit dieses Tages nicht.
Als der Wagen anhielt, blieb sie noch einen Moment sitzen. Der Chauffeur umrundete das schwarze Auto und hielt ihr die T&#252;r auf. Langsam stieg [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Wagen rollte ruhig dahin. Sie starrte auf ihre Knie und als sie es bemerkte, blickte sie aus dem Fenster. Draussen schien die Sonne, doch sie sah die Sch&#246;nheit dieses Tages nicht.</p>
<p>Als der Wagen anhielt, blieb sie noch einen Moment sitzen. Der Chauffeur umrundete das schwarze Auto und hielt ihr die T&#252;r auf. Langsam stieg sie aus und richtete sich auf. Der Friedhof lag in seiner ganzen Pracht vor ihr. Beil&#228;ufig fragte sie sich, weshalb Friedh&#246;fe oft sch&#246;ner als Stadtparks sind, wo doch die Toten nichts mehr davon haben. Die Gr&#228;ber waren gepflegt, die alten Grabsteine zeigten zwar Spuren der Verwitterung, doch waren sie sauber. B&#228;ume standen in einem nicht erkennbaren Muster zwischen den Gr&#228;bern und auf ihnen zwitscherten einige V&#246;gel, als w&#252;ssten sie nicht, wo sie sich bef&#228;nden. &#220;berall bl&#252;hten Blumen und streckten ihre farbenpr&#228;chtigen Bl&#252;ten der Sonne und den eifrig summenden Bienen entgegen. Fl&#252;chtig fiel ihr die Zeile eines Gedichtes ein: &#8220;Ein bisschen mehr Blumen im Leben, denn auf uns&#8217;ren Gr&#228;bern sind sie vergeben.&#8221; Sie liess ihren Blick schweifen. Das offenen Grab lag am anderen Ende des Friedhofs. Einige schwarzgekleidete Menschen dr&#228;ngten sich darum und &#252;berall in der N&#228;he standen Trauerkr&#228;nze. Der Chauffeur bot ihr seinen Arm an, doch sie dr&#252;ckte ihr Kreuz durch und ging sicheren Schrittes auf die wartenden Leute zu. Der Chauffeur folgte ihr, in der Hand vier weisse Rosen, die er ihr am Grab &#252;bergab. Der Pfarrer hielt seine Messe auf Latein, sie hatte darauf bestanden, sie wollte die tr&#246;stenden Worte nicht h&#246;ren. Als er geendet hatte, blieb sie stumm am Fussende des Grabes stehen. Niemand sprach ein Wort und sogar die V&#246;gel waren verstummt. Das Schweigen lastete auf ihren Schultern, und so hob sie zum Sprechen an. Sie nahm eine der Weissen Rosen und sprach: &#8220;Eine Rose meiner Schwester, die keine Hoffnung auf Erl&#246;sung hat, denn sie war wie ich, ohne Gott und ohne Glauben.&#8221; Dann nahm sie die zweite Rose: &#8220;Meiner Mutter, die Gott verbunden war, doch &#252;ber den Glaube ich nur lachen konnte.&#8221; Die dritte Rose: &#8220;Meinem Vater, von dem ich &#252;berzeugt bin, dass sein Gott tot war, doch &#252;ber den ich nichts weiss.&#8221; Und schliesslich nahm sie die vierte Rose: &#8220;F&#252;r mich selbst, die mit euch gestorben ist und die euren Gott verachtet.&#8221; Dann warf sie die Rosen in das Grab. Sie stand noch einen Moment still da und wurde von allen angestarrt, nur einige Augenblicke, dann verblasste sie langsam&#8230;</p>
<p>10. M&#228;rz 1997</p>
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