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	<title>Kopfchaos &#187; Zuggeschichten</title>
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	<description>Gedichte und Geschichten von Nicole</description>
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		<title>Der Totenzug</title>
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		<pubDate>Fri, 10 Jul 2009 14:01:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicole</dc:creator>
				<category><![CDATA[Zuggeschichten]]></category>

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		<description><![CDATA[Ausgerissen, endlich weg von zu Hause! Viele setzen das Ausreissen mit der Romantik der Cowboys aus der Malboro-Werbung glich, andere verdammen es wie die H&#246;lle selbst. Das es aber auch ganz anders sein kann, habe ich erlebt. Ich bin abgehauen, &#252;ber die Gr&#252;nde muss ich wohl kaum sprechen, sie gleichen sich bei allen Ausreissern, Krach [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ausgerissen, endlich weg von zu Hause! Viele setzen das Ausreissen mit der Romantik der Cowboys aus der Malboro-Werbung glich, andere verdammen es wie die H&#246;lle selbst. Das es aber auch ganz anders sein kann, habe ich erlebt.</p>
<p>Ich bin abgehauen, &#252;ber die Gr&#252;nde muss ich wohl kaum sprechen, sie gleichen sich bei allen Ausreissern, Krach mit den Eltern, Stress mit den Lehrern, Notendruck. Ich packte meine Sachen, ging zum Bahnhof und verlangte eine Fahrkarte f&#252;r alles Gelt, das ich hatte. Der Schalterbeamte l&#228;chelte mich an, b&#252;ckte sich unter die Theke und zog eine rote Fahrkarte hervor. Langsam schob er sie unter der Trennscheibe hindurch. Was es koste, fragte ich etwas erstaunt. Nichts, sagte er immer noch l&#228;chelnd. F&#252;r welche Route die Fahrkarte g&#252;ltig sei? F&#252;r jede Route, antwortete er. Ich verliess den Schalterraum und stieg in einen wartenden Zug ein. Nachdem er angefahren war, kam der Schaffner. Er fragte nach meinem Fahrschein. Etwas sch&#252;chtern gab ich ihm den meinen. Er sah ihn an, holte dann langsam einen ‚Knipser‘‘ aus seiner Tasche und lochte meine Karte. L&#228;chelnd gab er sie mir zur&#252;ck. Mir schien, als h&#228;tte das Loch die Form eines Totensch&#228;dels. Als ich wieder aufblickte, lachte mich der Schaffner aus leeren Augen an und sagte: „Willkommen im&#8230;“. Das letzte Wort konnte ich nicht h&#246;ren, wohl sprach er es aus, doch kein Ton kam &#252;ber seine Lippen.</p>
<p>Seit jener Zeit sitze ich hier, aussteigen ist nicht m&#246;glich, denn er h&#228;lt nicht mehr, der Totenzug&#8230;</p>
<p>29. M&#228;rz 96</p>
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		<title>Zugfahrt I</title>
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		<pubDate>Fri, 10 Jul 2009 14:00:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicole</dc:creator>
				<category><![CDATA[Zuggeschichten]]></category>

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		<description><![CDATA[Seit eineinhalb Jahren fahre ich t&#228;glich mit dem Zug zur Schule. Noch nie war mir etwas Seltsames dabei passiert. Auch jener Tag h&#228;tte ganz normal werden sollen, denn er begann ganz normal. Ich stand um f&#252;nf Uhr auf, duschte, trank zwei Tassen Kaffee und verliess eine Stunde sp&#228;ter mit dem Mofa das Haus. Draussen empfing [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Seit eineinhalb Jahren fahre ich t&#228;glich mit dem Zug zur Schule. Noch nie war mir etwas Seltsames dabei passiert.</p>
<p>Auch jener Tag h&#228;tte ganz normal werden sollen, denn er begann ganz normal. Ich stand um f&#252;nf Uhr auf, duschte, trank zwei Tassen Kaffee und verliess eine Stunde sp&#228;ter mit dem Mofa das Haus. Draussen empfing mich ein sch&#246;ner Fr&#252;hlingsmorgen, noch war es etwas k&#252;hl, aber auch wunderbar klar. Am Horizont erschien das erste Morgenrot und in den B&#228;umen zwitscherten die V&#246;gel in einem hundertstimmigen Chor. Die ersten Sonnenstrahlen fielen auf die H&#228;userd&#228;cher, als ich mein Mofa abstellte. Um halb sieben traf der Regionalzug am Bahnhof ein und ich setzte mich wie gew&#246;hnlich im zweiten Abteil des zweitletzten Waggons auf den Fensterplatz gegen die Fahrtrichtung. So konnte ich n&#228;mlich den Sonnenaufgang betrachten, einer der wichtigsten Gr&#252;nde, weshalb ich nie den sp&#228;teren Schnellzug nehme. An jenem Morgen nickte ich ganz gegen meine Gewohnheit ein. Als ich wieder erwachte, hatte ich den Sonnenaufgang verpasst und befand mich nur noch eine Station von meinem Ziel entfernt. Im Waggon war es sonderbar still, auf der ganzen bisherigen Strecke schienen keine neuen Reisenden eingestiegen zu sein. Nur mir gegen&#252;ber sass ein l&#228;chelnder Mann. Ich bin nicht sonderlich gut im Sch&#228;tzen des Alters, doch er musste so um die Dreissig gewesen sein. Er hatte ein schmales Gesicht mit messerscharfen Z&#252;gen. Seine dezenten Augenbrauen und die lange gerade Nase gaben ihm irgendwie ein&#8230; antikes Aussehen. Seine pechschwarzen Haare waren kurzgeschnitten, und er war vollkommen schwarz gekleidet. Seine Augen bildeten zu alledem einen seltsamen Kontrast. Sie waren von einem intensiven Hellblau und schienen unter den Stirnstr&#228;hnen hervorzuleuchten. Seine Lippen waren zu einem dauernden L&#228;cheln verzogen. Unwillk&#252;rlich musste ich zur&#252;ckl&#228;cheln. So sassen wir da, ich starrte ihn an, er l&#228;chelte mir zu, und schliesslich h&#228;tte ich beinahe meine Station verpasst. Als der Zug stehen blieb, schreckte ich auf und griff eilig nach meiner Tasche. Sch&#252;chtern qu&#228;kte ich ein &#8220;Auf Wiedersehen&#8221; hervor und verliess den Waggon. Bevor ich jedoch ganz aus der T&#252;r trat, blickte ich noch einmal zur&#252;ck. Er hatte sich erhoben und stand im Durchgang. L&#228;ssig lagen seine H&#228;nde rechts und links auf den Kopflehnen. L&#228;chelnd rief er mir nach: &#8220;Auf Wiedersehen!&#8221; Ein eisiger Schauer lief &#252;ber meinen R&#252;cken und ich verliess schnell den Waggon. Als ich mich nochmals umdrehte, war der Zug weg.</p>
<p>In der Schule erfuhr ich dann, dass mein Zug schwer verungl&#252;ckt war. Es hatte trotz der fr&#252;hen Morgenstunde zahlreiche Verletzte und sogar Tote gegeben. Die Bahnstrecke musste f&#252;r einige Tage gesperrt werden, und so holte mich meine Mutter mit dem Auto ab. Als wir an der Ungl&#252;cksstelle vorbeifuhren, lief mir wieder ein eiskalter Schauer &#252;ber den R&#252;cken. Schliesslich passiert es nicht jeden Tag, dass der Tod einen Menschen pers&#246;nlich zur Schule bringt. Und ich werde ihn wieder sehen&#8230;</p>
<p>3. M&#228;rz 1997</p>
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		<title>Zugfahrt II</title>
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		<pubDate>Fri, 10 Jul 2009 14:00:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicole</dc:creator>
				<category><![CDATA[Zuggeschichten]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich sass im Zug. Wieder. Es wieder. Jeden Tag. Morgens. Abends. Hin und zur&#252;ck. An jenem Tag war ich auf dem Heimweg. M&#252;de von der Arbeit schaute ich abwesend aus dem Fenster. Draussen war es gr&#252;n geworden, der Winter hatte das Land lange in seiner Hand gehabt. Ich genoss die frischen Wiesen, bewunderte die Sch&#246;nheit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich sass im Zug. Wieder. Es wieder. Jeden Tag. Morgens. Abends. Hin und zur&#252;ck.</p>
<p>An jenem Tag war ich auf dem Heimweg. M&#252;de von der Arbeit schaute ich abwesend aus dem Fenster. Draussen war es gr&#252;n geworden, der Winter hatte das Land lange in seiner Hand gehabt. Ich genoss die frischen Wiesen, bewunderte die Sch&#246;nheit der neuen Bl&#228;tter. Es war wunderbar, ohne Zweifel. Der Zug war voll mit Leuten, dich wie ich nach Hause wollten. Viele unterhielten sich. Manche schliefen, andere h&#246;rten Musik. Sie st&#246;rten mich nicht.</p>
<p>Pl&#246;tzlich wandte ich meinen Blick ab vom Fenster. Jemand war neben meinen Platz getreten. Ich sah auf und erkannte die Augen wieder, die mich erkannten. Es war der Tod.</p>
<p>Ich f&#252;hlte, wie sich meine Brust zusammenzog. Alle Haare begannen sich aufzustellen. Kalter Schweiss brach mir aus. „Hallo“, hauchte ich atemlos. Der Tod sah mich l&#228;chelnd an. Ich kannte ihn von einer anderen Begegnung. Noch immer war er sch&#246;n. Mit schwarzen Haaren, blauen Augen, schwarz gekleidet. Die Lippen zu einem ewigen L&#228;cheln verzogen. Ich staunte &#252;ber ihn, fasste mich wieder und fragte dann etwas sch&#252;chtern: „Was tust du hier?“ Sein L&#228;cheln wurde etwas breiter, doch er blieb stumm. „Bist du wegen mir hier?“, hackte ich nach. Er blickte mich weiter ohne ein Wort zu sagen, an. Die Frauen, die mir gegen&#252;ber sassen, unterbrachen ihr Gespr&#228;ch und sahen den gutaussehenden Fremden neugierig an, der da so stumm l&#228;chelnd neben mir stand. Ich war mir ihres Lauschens unangenehm bewusst, als ich weiterfragte: „Wird etwas mit diesem Zug passieren?“ Der Tod beugte sich l&#228;chelnd zu mir hinab und k&#252;sste mich. Einen Moment war mir, als s&#228;he ich Gesichter von Menschen, alten, jungen, schmerzverzerrt und selig l&#228;chelnd, schreiend und lachend, Soldaten, Hausfrauen, Abwarte, Schulkinder, Computerleute, Wissenschaftler, H&#246;hlenmenschen, K&#252;nstler, sie alle, alle sah ich, in einem Moment, einer Sekunde, einem Augenblick.</p>
<p>Dann war es vorbei. Der Tod schenkte mir ein letztes L&#228;cheln. Sagte: „Auf Wiedersehen“ und drehte sich um. Ging den Gang entlang und verschwand.</p>
<p>6. Mai 2001</p>
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		<title>Die andere Seite I</title>
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		<pubDate>Fri, 10 Jul 2009 13:59:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicole</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ich sass im Zug. Draussen war es noch dunkel, meine Uhr bestand darauf, dass es sechs Uhr dreissig sei. Ich war m&#252;de. Das eint&#246;nige Rattern der R&#228;der wirkte beruhigend und so lehnte ich meinen Kopf ans Fenster und starrte hinaus. Alles was ich erkennen konnte, war der Boden neben den Gleisen und nat&#252;rlich die Spiegelung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich sass im Zug. Draussen war es noch dunkel, meine Uhr bestand darauf, dass es sechs Uhr dreissig sei. Ich war m&#252;de. Das eint&#246;nige Rattern der R&#228;der wirkte beruhigend und so lehnte ich meinen Kopf ans Fenster und starrte hinaus. Alles was ich erkennen konnte, war der Boden neben den Gleisen und nat&#252;rlich die Spiegelung der B&#228;nke im Fenster. Ein anderer Fahrgast betrat das Abteil und setzte sich auf die Bank zu meiner Linken. Im Spiegel sah es so aus, als sei sein Geist etwas zu gross f&#252;r den K&#246;rper, als schwebe er einige Zentimeter um ihn herum. Ein weiterer Fahrgast setzte sich dem anderen gegen&#252;ber und begann sich l&#228;chelnd mit ihm zu unterhalten. An der n&#228;chsten Station standen die beiden auf und verliessen den Waggon. Ich beobachtete sie im Spiegelfenster. Der zweite Reisende liess dem ersten den Vortritt. Ich wendete meinen Kopf um ihn etwas genauer zu betrachten, doch da war niemand! Ich blickte wieder in den Spiegel. Dort stand er und l&#228;chelte mich traurig an. Dann verschwand er. Ich war verbl&#252;fft, schob das Ereignis aber auf meine M&#252;digkeit. Ich starrte weiter in den Spiegel. Dann kam der Schaffner. Auch er war nur ein Geist, aus den Augenwinkeln sag ich die Leere neben mir. Ich suchte nach meinem Portemonnaie und zog meine Fahrkarte heraus. Dann streckte ich meine Hand zum Gang aus und korrigierte die Richtung mit Hilfe des Spiegelbildes. Eine seltsame Pantomime. Der Schaffner nahm die Fahrkarte l&#228;chelnd entgegen, knipste sie ab und gab sie mir zur&#252;ck. Ich riss meinen Blick vom Bild im Spiegel und betrachtete das St&#252;ck Papier in meiner Hand. Ein kleines Loch grinste mir entgegen. Als ich den Kopf wieder hob, sass ich im Spiegel. Im Fenster zu meiner Rechten konnte ich auf der leeren Bank meine Mappe erkennen. Der Schaffner stand neben mir und l&#228;chelte. Ich l&#228;chelte zur&#252;ck und stand dann auf. Der Zug auf der anderen Seite f&#252;llte sich langsam mit Menschen. Sie sprachen aufgeregt miteinander, doch hier, wo ihre Geister sichtbar waren, schwiegen sie. Ich lief die Reihen entlang, setzte mich manchmal hin und unterhielt mich mit den Fahrg&#228;sten. Manchmal sah ich hier auch zwei, die sich wirklich unterhielten, doch im Fenster schwiegen sie sich nur an. Ich beneidete diese Menschen um ihre stumme Zwiesprache. Ich l&#228;chelte. Ich l&#228;chelte nun immer. Ich war gl&#252;cklich.</p>
<p>Zum ersten Mal in meinem Leben wirklich gl&#252;cklich&#8230;</p>
<p>7. Dezember 1996</p>
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		<title>Die andere Seite II</title>
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		<pubDate>Fri, 10 Jul 2009 13:59:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicole</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ich sass im Zug. Draussen war es noch dunkel, meine Uhr bestand darauf, dass es sechs Uhr dreissig sei. Ich war m&#252;de. Das eint&#246;nige Rattern der R&#228;der wirkte beruhigend und so lehnte ich meinen Kopf ans Fenster und starrte hinaus. Alles was ich erkennen konnte, war der Boden neben den Gleisen und nat&#252;rlich die Spiegelung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich sass im Zug. Draussen war es noch dunkel, meine Uhr bestand darauf, dass es sechs Uhr dreissig sei. Ich war m&#252;de. Das eint&#246;nige Rattern der R&#228;der wirkte beruhigend und so lehnte ich meinen Kopf ans Fenster und starrte hinaus. Alles was ich erkennen konnte, war der Boden neben den Gleisen und nat&#252;rlich die Spiegelung der B&#228;nke im Fenster. Ein anderer Fahrgast betrat das Abteil und setzte sich auf die Bank zu meiner Linken. Im Spiegel sah es so aus, als sei sein Geist etwas zu gross f&#252;r den K&#246;rper, als schwebe er einige Zentimeter um ihn herum. Ein weiterer Fahrgast setzte sich dem anderen gegen&#252;ber und begann sich l&#228;chelnd mit ihm zu unterhalten. An der n&#228;chsten Station standen die beiden auf und verliessen den Waggon. Ich beobachtete sie im Spiegelfenster. Der zweite Reisende liess dem ersten den Vortritt. Ich wendete meinen Kopf um ihn etwas genauer zu betrachten, dich da war niemand! Ich blickte wieder in den Spiegel. Dort stand er und l&#228;chelte mich traurig an. Dann verschwand er. Ich war verbl&#252;fft, schob das Ereignis aber auf meine M&#252;digkeit. Ich starrte weiter in den Spiegel. Dann kam der Schaffner. Auch er war nur ein Geist, aus den Augenwinkeln sag ich die Leere neben mir. Ich suchte nach meinem Portemonnaie und zog meine Fahrkarte heraus. Dann streckte ich meine Hand zum Gang aus und korrigierte die Richtung mit Hilfe des Spiegelbildes. Eine seltsame Pantomime. Der Schaffner nahm die Fahrkarte l&#228;chelnd entgegen, knipste sie ab und gab sie mir zur&#252;ck. Ich riss meinen Blick vom Bild im Spiegel und betrachtete das St&#252;ck Papier in meiner Hand. Ein kleines Loch grinste mir entgegen. Als ich den Kopf wieder hob, sass ich im Spiegel. Im Fenster zu meiner Rechten konnte ich auf der leeren Bank meine Mappe erkennen. Der Schaffner stand neben mir und l&#228;chelte. Ich l&#228;chelte zur&#252;ck und stand dann auf. Der Zug auf der anderen Seite f&#252;llte sich langsam mit Menschen. Sie sprachen aufgeregt miteinander, doch hier, wo ihre Geister sichtbar waren, schwiegen sie. Ich lief die Reihen entlang, setzte mich manchmal hin und unterhielt mich mit den Fahrg&#228;sten. Manchmal sah ich hier auch zwei, die sich wirklich unterhielten, doch im Fenster schwiegen sie sich nur an. Ich beneidete diese Menschen um ihre stumme Zwiesprache. Ich l&#228;chelte. Ich l&#228;chelte nun immer. Ich war gl&#252;cklich. Zum ersten Mal in meinem Leben wirklich gl&#252;cklich.</p>
<p><em>Blick- In den letzten Monaten verschwanden auf unerkl&#228;rliche Weise immer wieder Leute aus den Z&#252;gen der SBB. Von den Vermissten ist meist nur noch ein Koffer, eine Schulmappe oder ein Mantel zu finden, der im Abteil zur&#252;ckgelassen wurde. Die Polizei vermutet&#8230;</em></p>
<p>Ich war wirklich gl&#252;cklich</p>
<p>7. Dezember 1996</p>
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