2.11.2006
„Das Kovariationsprinzip von Kelley…“ „Man, hatten wir das nicht schon letze Woche?“, wisperte ich Anabelle verzweifelt zu. Was wollte der Professor denn schon wieder mit dem Prinzip, wir hatten es nun wirklich ausführlich behandelt. Ein plötzlicher Knall und anschliessendes mechanisches Geräusch liess mich an die Decke absuchen. Mühsam öffnete sich ein Fenster an der Decke. Was sollte denn das, der Hörsaal war doch klimatisiert? Ueber dem Hörsaal befand sich ein grosser, freier Platz. Ein moderner Künstler hatte sein Bestes gegeben, um ihn ein wenig ansprechender zu gestalten, doch es fehlten eindeutig Pflanzen. Ich hätte grosse Blumenkübel aufgestellt und je nach Jahreszeit Stiefmütterchen, Begonien oder dieses rosa winterfeste Zeug gepflanzt. Nur mich fragte ja niemand.
Eines Tages ging ich über den Platz, nahe an den Fensterscheiben vorbei. Ein Mann kam mir entgegen, und wir vollführten diesen berüchtigten „Ich will vorbei – Ich auch“ – Tanz, in den den man unwillkürlich verfällt, wenn man man dem Entgegenkommenden dummerweise in die Augen sieht. Der Mann liess mir keine Wahl, ich musste auf die Fensterplatte treten. Augenblicklich überwältigte mich ein Gefühl der Angst, als würde die mehrere Zentimeter dicke Scheibe unter meinem Gewicht einbrechen und ich in den Hörsaal darunter fallen.
„… müssen hinreichend notwendige Ursachen vorhanden sein…“ „Ja, er macht gerade nochmal eine Zusammenfassung der letzten Stunde. Wo bist du nur mit deinen Gedanken?“