In Trauer

18.01.2007

Es war Montag und Ernst war tot. Ich stand vor meinem Badezimmerspiegel und schnitt mir die Haare, will ich befürchtete, mir sonst etwas anderes ab- oder aufzuschneiden. Eine Strähne rauszupfen. Einige Millimeter abschneiden. Eine andere Strähne raus suchen. Einige Millimeter abschneiden. Eine weitere Strähne. Ein weiterer Millimeter. Eine weitere Minute. Eine weitere Stunde.

Das Licht im Raum veränderte sich. Im Zwielicht des Abends wurde es schwierig, mein Haar zu erkennen. Doch ich hatte nun schon so lange, so unendlich lange Millimeter um Millimeter abgeschnitten, dass ich einfach weitermachen konnte.

Erst als es schon so lange dunkel war, dass auch die Strassenlaternen gelöscht wurden, als selbst der Mond und die Sterne am Himmel erloschen, erst da schnitt ich mich in den Finger. Ein brennender Schmerz. Warme, zähe Flüssigkeit tropfte auf mein Gesicht. Und mischte sich endlich mit meinen Tränen.