Abschied

I

Es waren meine Mondaugen
Die uns schöngesehen haben

II

Ich gehe nun
Und du siehst mir nicht hinterher
Mein Abschied
Hat dich nie erreicht

III

Zuviel nachgedacht
Zuwenig mich selbst gefühlt
Zu oft falsch gelacht
Ein Lächeln aufgesetzt
wenn mir nach weinen war
Es ist besser, nun zu gehen
Meine Küsse lasse ich dir da
Meinen Duft in den Laken
Du wirst sie waschen
Morgen

IV

Wenn ich nun gehe
Versuche ich in Wahrheit nur
Dich aus meinen Gedanken zu kriegen
Darum lasse ich mein schmerzendes Herz
Hier bei dir

V

Der Herbstwind reisst die Blätter von den Bäumen
Ich gebe ihm
Meine Gedanken an dich mit

22. September 2002

Zart klirren die Eiszapfen
Im kalten Winterwind
Er erzählt nicht mehr vom Sommer
Alles unter schwerem Schnee

Die Bäume ächzen unter ihrer Last
Dem Schneemann friert die Nase ein
Mir ist kalt
Furchtbar kalt

Leichenweiss
Findest du mich nicht mehr
Suche mein Grab
Mit sonnenblinden Augen

Eisern zerbricht unser Schweigen
Zwischen Schneeflocken
Eisfontänen
Treffen unsere Herzen
Es herrscht Eiseszeit.

1. Dezember 2002

Lieb-Liebkind, leible nicht
Lieb-Liebkind, leide nicht

„Warum bist du traurig?“
„Ich weiss es nicht.“

„Ich bin das Phantom.“
„Ich kann dich aber sehen!“
„Du kannst mich aber nicht lieben“

[Wunden]
Das Licht der Welt entschwindet… Und kehrt zurück…
Dunkelheit bricht auf, mitten aus meinem Herzen, weinend liegt es da…

„Wie willst du dich schützen vor dieser Welt?“
„Indem ich fliege“

„Fliesst du gleichmässig dahin wie ein Murmelbach?“
„Und träge träume ich von der Flut.“

Ich sterbe dir
Tausendschön
In deinen unbekannten Armen

Bin nur noch halbhalbstark
In deinem unbekannten Blick

Singe nur noch stummstumm

Verstummter Schrei
In deinem Ohr

Malst die Blätter golden an
Den Himmel rot
Feuer in allen Häusern
Feuer in meinem Kopf

Die Zeit schliesst ihre Augen
Stehen bleibt ihr Blick
Blütenduft im Haar

Erinnerung in sanften Wellen.

1. November 2002

Der Wind reisst den Bäumen die Blätter aus
Sie wirbeln durch die Luft
Als müssten sie zu einer Verabredung
Von der ihr Leben abhängt

Geradenoch hingen sie in
Leichenhaufen am Boden
Schon beginnen sie zu fliessen
werden Rinnsal, Fluss, Strom

Ein Regenbogen vergisst sein eigenes Gesetz
Erscheint über entkleidetem Land
Immer näher der Krug mit Gold
Bis die Suche in einem Wald endet

Tote Aeste fallen zu Boden
Zerspringen wie Glas

Die Nachrichten melden
Einen Orkan über Deutschland

Die Autobahn ist gesäumt
mit totgefahrenen Füchsen

Orangene Krieger attakieren
Meine Heckscheibe

Noch ist es Herbst

30. Oktober 2002

Püppchen

Komme her Püppchen
Ich will dich halten!

Dein Haar riecht nach Sommer
Deine Haut ist so zart
Ich möchte dich streicheln
Will dich lecken

Komme her Püppchen
Ich will dich umarmen!

Du siehst so hübsch aus
Immer ein Lächeln im Gesicht
Leg doch dein Kleidchen ab
Du riechst so gut

Komme her Püppchen
Ich will dich küssen!

Schweig nun Püppchen
Und mach die Beine breit
Spürst du mich in dir?
Der Schrank wartet schon auf dich

7. Oktober 2002

Püppchen denken nicht

Wenn dir kalt ist
Wärme ich dich

Bist du verwirrt
Kläre ich deine Gedanken

Ist dein Herz bedrückt
Gib es mir
Und du bekommst es leicher zurück

Halte dich an mir fest
Ich lasse dich nicht fallen
(Lasse dich niemals fallen
aus meinem Herz)

Krall dich
In meinen Kopf
Saug mich aus
Wie eine Zecke

30. Oktober 2002

Arterienrotes Blut
Mischt sich mit
Venenblauem Blut
Schwärze bekriecht den Boden

Das Meerrauschen in den Muscheln
Wurde rot
Deine blauen Gedanken
Liegen schwarz im Kopf

Rotnasse Lippen
Lassen deinen Leib zucken
In himmelblauen Traum-Räumen
Finde ich Ruhe.

Schneewittchens glanzroter Apfel
Bleibt mir im Hals stecken
Blaues Gesicht
Zu weisser Leiche.

1. November 2002