Geliebter
Schrecke nicht vor meinen Worten zurück
Meine Seele ist ein Schloss
Eine schwarze Kutsche bringt dich an ihre Tore
Wenn du die Pforten durchschreitest
Erwarte ich dich
Ein Tunnel liegt vor uns
Mit vielen Türen
Und Wächtern
Die dir zeigen
Was hinter den Türen ist
Erinnerungen
Sie werden dich nicht eintreten lassen

Ich werde den Traumzug rufen
Und du wirst schlafen
Auf der Reise zum Anfang meines Seins
Die Erinnerungen werden älter
Und du siehst Menschen vorbeiziehen
Tiere und Pflanzen und Dinge

Am Ende erwartet dich die Tiefe
Ein weisses Tor
Ich fürchte seine Existenz
Hinter seiner Makellosigkeit
Verbirgt es mein Sein

Fürchte dich, die mächtigen Torflügel zu berühren
Ihre Vollkommenheit zu spüren
Sie verbergen Unvorstellbares
Nie gesehenes
Wenn sie sich öffnen
Wirst du sterben
Und niemand weiss
Vielleicht auch ich

Geliebter
Ich kann dir meine Seele nicht erklären
Dich nicht zum schloss führen
Die Wirklichkeit scheint zu schwinden
Trauer und Hass übermahnen mich
Hab keine Angst
Auch wenn ich nicht erklären kann
Es ist ein Teil von mir
Dunkel
Doch wunderschön
Verdammt, in mir zu leben
Nie bestimmt
Die Welt zu sehen…

26. Juni 1999

Der Himmel dreht sich
Ich verliere mein Gesicht
Die Erinnerungen sind alt geworden
Ich tanze am Abgrund

Wir waren nie ohne Fehler
Der Tag bracht immer wieder an
Wo ich nun Weile
Ist das Licht die Dunkelheit

Erinnere dich, Freund
Wir trafen uns im Wald der Lüge
Ich konnte nicht sehen
Du hast mir meine Blumen
Zurückgegeben

Die Völker kennen keine Gnade
Die Ratten sind uns im Spiegel erschienen
Ich habe mich selber angelacht
Ein Narr sass auf einem Stein

Welche Fehler auch immer
Woher die Wasser auch kommen
Niemand kann uns
Die vergessenen Wege führen

Ist es nicht seltsam
Wie das Feuer brennt
Er kommt näher
Wo auch immer du hingehst
Vergiss mich nicht
Mein Freund

Ich rufe nach dir

4. August 1999

Ich kann dir nicht sagen, was die Liebe ist, doch sie trifft uns oft unverhofft.
Ich kann dir nicht sagen, woher die Eifersucht kommt, doch wir müssen sie verschweigen.
ich kann dir nicht sagen, wen wir begehren, doch wir sollten uns immer selber prüfen.

Liebe verlangt viel, gibt viel, ist viel zu kompliziert, um sie zu erklären.
Eifersucht brennt, verzehrt den eigenen Geist und muss bezwungen werden.
Begierde füllt die Gedanken, doch sie kann sich auch als Fehler herausstellen.

Eigentlich müsste vor der Liebe wie vor einer ansteckenden Krankheit gewarnt werden.
Doch wer könnte behaupten, gelebt zu haben, wenn er nie geliebt hat?

Liebe Schwester, es wir in unseren leben noch mehr Männer geben. Männer, die es wert sind, von uns geliebt zu werden, und solche, die es nicht sind. Unsere Aufgabe ist es, uns von den zweitgenannten frei zu machen, denn sie engen uns ein und zerstören unseren Glauben an das Gute in dieser Welt.

9. August 1999

Manchmal

Manchmal wünsche ich mich dir nahe, wenn du scheinbar unendlich fern bist.
Manchmal möchte ich immer mit dir zusammen sein, in jeder Minute, in jeder Sekunde.
Manchmal möchte ich ein Soch graben und mich darin verstecken, und niemand würde mich sehen, weil wir unsichtbar wären, das Loch und ich.
Manchmal wünschte ich mir, dich nie kennen gelernt zu haben, dich mit deinen Problemen und Ängsten.
Manchmal könnte ich mir mein Leben nicht mehr ohne dich vorstellen.
Manchmal könnt ich weinen vor Glück und lachen vor Schmerz.

Wer kann mir schon sagen, warum wir uns trafen, wir uns lieben, wer kann mir schon sagen, wo das enden wird?

9. August 1999

Einst, vor langer Zeit,
da legte ich mich hin,
um zu schlafen.
Mein Herz war mir voll
Von Problemen und mühsamen Gedanken
Und weil ich keinen Ausweg sah
Schlief ich viele Jahre.
Es war mir alles fern
Und in meinen Träumen
Lebte ich in Frieden
Als ich wieder erwachte
Waren viele Jahre vergangen
Mein Haar war grau
Und meine Haut runzlig geworden
Doch ich bereute meinen langen,
meinen dunklen Schlaf nicht
denn ich hatte ein Leben gelebt
das mir wertvoller erschien
als meine wahre Existenz

10. August 1999

Als hätte ich geträumt
Führt mein Weg mich
Durch einen Garten

Mächtige Bäume
Werfen dunkle Schatten
Zeugen von einer anderen Zeit

Laub liegt zwischen Blumen
Und die Rosen scheinen mir
Als hätten sie tausend Stacheln

Kugelbäumchen
Strauchhecken
Gebändigte Natur

Drohende Blumenköpfe
Finsteres Zwielicht
Unter geduckten Bäumen

Das Gras
Gesträubt
Wie die Gänsehaut eines schlafenden Riesen

Ein Rascheln durch Halm und Blatt
Der Wind bläst seinen Atem
Auch durch mein Haar

Steine unter meinen Schuhen
Die sich bewegen wie ein Bach
Vorwärtskommen erschwert

Elfentänze unter Lauben
Zwergengeschnaufe aus Dachshöhlen
Feen tranken aus giftigen Fingerhüten

Die Margeriten sagen der Sonne Lebwohl
Nachtschattengewächs
Erstickt die Reben

Der Klang meiner Schritte
Eilt vorweg
Sucht nach dem Herrenhaus

Das Gebäude
Strahlendes Weiss im Sonnenlicht
Das Schwarz aus der Seele widerhallt

Der Garten wich davor zurück
Die Pflanzen wenden sich ab
Jeder Grashalm biegt sich weg
Oder verdorrte

Durch blinde Fenster blicke ich in den Garten
Wünsche mich zurück
Sehe zwischen Maiglöckchen
meinen Körper verwesen.

29. Oktober 2000

Nachmittag, die Sonne lacht vom Himmel
Im Zoo flanieren die Besucher
Chamäleons, die mit ihren Augen jeder Fliege folgen
Ochsen aus fernen Ländern, aus Schottland, Australien und den USA
Lamas traben von einer Ecke ihres Geheges in die andere
Elefanten träumen von der weiten Steppe Afrikas

Wölfe dösen in Gruppen und warten auf den Mond
Enten schnattern im Weiher als gehörten sie dahin
Leguane warten reglos auf Futter
Löwen tigern unruhig hin und her
Im Aquarium bestaunen die Kinder Pinguine
Nebenan machen die Affen Lärm
Gorillavater trommelt sich auf die Brust und sorgt für Ruhe
Ein Storch beginnt darauf zu klappern
Rehe vom nahen Wald gaffen die Giraffen staunend an

29. Oktober 2000

Ich werde getragen von den Winden
In meinem fernen Land
Die Blumen schauen neidisch
Zu mir empor
Ich kann das Leben sehen
Es ist mir so unendlich weit
Ich frage nach dem Sinn
Und weshalb ich nicht falle
Die Winde halten mich
Wenn es ihnen gefällt
So wird mein Körper zerschellen
Vielleicht eine Blume zerquetschen
Die Winde sind meine Wächter
Und mein Los
Ich kann nicht mehr zurück

18. September 1999

Lass mich los
Lass meine Seele frei
Du hast sie geweckt
Nun muss ich
Den Wahnsinn mit dir teilen
Doch ich weiss
Wie sehr du leidest
Lass mich los
Denn ich leide mit dir
Doch die Kraft meiner Seele
Vermag ich nicht zu bändigen
Lass mich fliehen
Weg von dir
Damit wir nicht leiden müssen

18. September 1999

Lass mich los
Lass mich fliegen
Bin kein Schmetterling
Kein Vogel
Kein Engel
Doch wenn du mich loslässt
Wird meine Seele
Zum Himmel streben
Den beengenden Leib verlassen
Erst wenn ich frei bin
Von mir
Kann ich für dich frei sein
Doch dazu
Musst du mich lassen
Mich sein lassen
Mich loslassen
Lass mich los
Ich will fliegen
Ich will dich lieben

18. September 1999