Wie ein Engel zwischen den Sternen schweben
Gewissheit
Dass jemand dich gemacht
Doch Einsamkeit
Verlorenheit
Die gleichen Seelen verloren
Ewig suchen
Kein Ende sehen
Und im Traum
Stumm um Hilfe flehen
Kein Wort
Keine Wärme
Kein beschützender Arm
Nur die kalten Sterne
Das Mondlicht durch die geschlossenen Lider
Kaum noch Hoffnung
Am Ende das Licht
Am Ende das Nichts

18. September 1999

Das endliche Leben
Erscheint mir zu kurz
Selbst wenn
Ich keinen Sinn darin finde
Das unendliche Leben
Mein Herz verzehrt sich danach
Wie will ich damit fertig werden
Wenn mir dieses schon zu viel ist?
Und dennoch
Ich wünsche mir
Die Jahre verstreichen zu sehen
Dem Lauf der Zeit zu folgen
Die Menschen der Zukunft
Zu Freunden der Vergangenheit zu machen
Ich wünsche mir
Meinen Tod selbst zu setzen
Ich wünsche mir
Das Ende des Universums zu sehen

18. September 1999

Der Wahnsinn ist mein Sein
Mein Bruder
Mein Gefährte
Er wohnt
Tief in meinem Herz
Er scheut das Tageslicht
Er sucht die Stille
Wenn ich fliesse
Kommt er hervor
Seine Fratze erscheint mir
Schön wie das Gesicht eines Engels
Seine Züge sind mir vertraut
Und mögen andere ihn auch ächten
Er ist mir lieb
Doch seine Kraft
Vermag so schnell zu zerstören
Sein wüten
Fürchte ich
Und die Angst
Er könnte mich überwältigen
Erfüllt mein Leben
Mein Wahnsinn dürstet danach
Meine Seele zu verschlingen
Wie ein Löwe
Reisst er ihr Stücke aus
Ich fürchte den Tag
An dem ihre Gedärme freiliegen
Das pochende Herz
Blutend erstickt
Dunkel würde der Himmel werden
Der Wahnsinn kennt keine Gnade
Eine Furie
Gebietet über meinen toten Körper
Den Blick getrübt
Von rasender Trauer
Um ein Sein
Das ausgelöscht
Keine Erinnerung
Könnte ihm Einhalt gebieten
Keine Gewalt
Ihn mehr zurückdrängen
Es würde keine Rettung geben
Kein zurück

Doch noch ist der Wahnsinn
Mein Freund
Gebieter über meine Musen
Noch wohnt er tief in meinem Herz
Tief in meinem Herzen
Noch habe ich die Kraft
Ihn mir Untertan zu halten

Ich fürchte den Tag
Da mein Wahnsinn
Sich befreit

18. September 1999

Kehre zurück
Von wo du nie gekommen bist
Du hast nie verstanden
Dass du vor deiner Geburt
Bereits tot warst
Wenn du dich daran nicht erinnern kannst
Wie willst du dich an dein Leben erinnern?
Wie willst du wissen
Dass du weiterlebst?
Kehre zurück
Von wo du nie gekommen bist
Kehre zurück
In dich selbst

19. September 1999

Am Rande der Gedanken
Dort
Wo Wissen und Unwissenheit
Sich zärtlich küssen
Dort wohnt auch
Die Phantasie
Der Schmerz
Und manch seltsames Gefühl
Es ist eine verwirrliche Gesellschaft
Wenn sie sich zu ihren Festen treffen
In ihrem grauen Land
Und lustige Feste feiern
Tanzend und lachend
Die Phantasie ist ihre Königin
Und der Schmerz ihr Bräutigam
Und ihre tückischen Kinder
Zugleich das Volk
Manch einer von ihnen
Verlässt die öde Leere
Verkleidet sich als Pan
Als Scharlatan
Als Narr
Versteckt sich
Hinter Teufelsfratze
Und Dämonenangesicht
Und besucht uns Menschen
Für eine kurze Zeit
Ihr Weg ist kürzer als der unsere
Zum Rande der Gedanken

30. Oktober 1999

Meine Gedanken wanderten
In die Vergangenheit
In glückliche Zeiten
Die Sonne erschien den ganzen Sommer
Tag für Tag
Und manchmal am Abend ein Gewitter
Wir genossen unsere Nähe
Eine kleine Gruppe aus Menschen
Schon fast keine Kinder mehr
Noch nicht ganz erwachsen
Der See lag ruhig
Und ein fremdes Land war zu sehen
Grüsste uns vom anderen Ufer
Die Bäume spendeten uns Schatten
Und wir fühlten uns ruhig
Befreit von der Welt
Für einige Stunden
Manchmal wünsche ich mir jene Tage zurück
Als niemand von uns alleine war
Als wir zusammengehörten

Wie wichtig doch Freunde sind!

Wie wichtig mir doch meine Freunde sind! 🙂

19. Oktober 1999

To Justine!

Am liebsten würde ich dieses Sein festhalten wollen
Diese zarte Wut über das seltsame dieser Welt
Ich bewundere deine Stärke
Ich sehe nur Leere, wäre dies mein Leben
Ich höre deine Worte
Und es trifft mich
Wie dir andere weh getan haben
Ich sehe
Wohl zum ersten Mal
Dass du nicht nur die starke Frau bist
Die ich so sehr bewundere
Du bist auch verletzlich
Und wurdest so stark verletzt
Doch dein Wille zu leben
Deine unglaubliche Kraft!
Ich wünsche dir alles Gute, für immer
Und ich werde dir immer zuhören
Auch wenn ich manchmal nicht alles verstehe
Ich verstehe dich mit meinem Herzen

Es gibt nur noch eines zu sagen:
Ich bewundere dich

Meiner lieben Freundin Justine!
In tiefster Freundschaft

Anna!

5. November 1999

Fall

Ich bin aus meiner Welt gefallen
Und komme nicht mehr zurück
Trotz aller Versuche, aller schwächlichen
Aus dem normalen Gang der Zeit
Fiel mich die Veränderung an
Und ich sehe mich selber schlafend
Mir ist, als würde ich ein paar Schritte neben mir gehen
Mir selber zusehen
Wie ich altvertraute Worte sage
Altvertraute Dinge tue
Doch im Grunde ist mein Herz mir fern
An einem anderen Ort
Wo keine Pflichten bestehen
Und kein Müssen
Mir ist dies alles so eng
Und das in dieser grossen Welt
Mir ist mein eigener Körper zu eng
Ich möchte ihn abstreifen
Und alles was andere von ihm wissen
Denn niemand kann meine Seele sehen
Hinter den Körpermauern

Manchmal erscheint mir das Leben wie ein Weg, von dem es kein Abweichen gib
Und der Tod ist auch nur ein leeres Wort
Doch die Leere in mir
Macht mir angst
Diese Gleichgültigkeit
Der Widerwille
Der Verstand schreit mir zu: „Du musst, denk an deine Zukunft“
Doch mein Herz ist gleichgültig
ist leer
Mein Herz träumt sich an andere Orte
Die frei sind
Und voller Poesie
Voller Mystik
Und wo ich atmen kann
Wo ich nicht des Morgens und des Abends das Gefühl habe
Mich selber auskotzen zu müssen, wegen all der Lügen und all dem Einfach-machen
Ich bin aus meiner Welt gefallen
Und keiner hat’s bemerkt

3. Januar 1999

Schreie

Woher aber kann ich dich kennen
Warum aber habe ich euch geliebt
So vollkommen geliebt?
Wenn ich sterbe
Meine Seele schläft
Niemand kann mich halten
Niemand kann mich retten
Wo bin ich
Wer bist du?
Kein Licht
Kein Wissen
Schreie in der Nacht
Schreie im Sonnenlicht
Im blendenden Sonnenlicht
Schmerzen in den Augen
Warum habe ich mich vergessen
So völlig vergessen?
Kann Hass dich kennen
Kann die Liebe durch die Himmel schweben?
Wo sind wir
Wo sind wir?
In der Dunkelheit
Schreiend
Lachend
Die Welt dreht sich
Viel zu schnell
Und ich muss mein Leben aus mir herauskotzen
Ganz aus mir herausholen
Herauswürgen
Keine Antwort
Keine Kälte die uns ewig leben lässt
Ich kann dich nicht verstehen
Ich kann dich nicht verstehen
Wo bist du
Wo bist du?
Warum sind wir getrennt
In der Welt
Keine Wunder
Und die Träume träumten schon längst von Erlösung
Keiner kann antworten
Die Münder zugenäht
Süss und bitter
Das Morgenrot

Warum konnte ich euch alle lieben
Warum konnte ich mich nur so ganz und gar vergessen?

10. Januar 2000

Untitled

Und dann werde ich dich töten
ganz und gar töten
du wirst sterben
und das sterben wird für dich tödlich sein
und ich werde dich begraben
tief in der Erde begraben
jede Spur von dir tilgen
dein Herz verbrennen
und alle vernichten
die dich gekannt haben
du wirst keine Erinnerung mehr sein
als hätte es dich nie gegeben
und erst dann werde ich atmen können
und schlafen
und von dir träumen
wie du liegst
dort unten
in der Dunkelheit
und dich fürchtest
und ich werde aus Träumen erwachen
in denen ich dich immer wieder töte
immer wieder töte
bis deine Schreie verklingen
bis du tot bist

14. Januar 2000