Pass auf, du Leben
Ich zerquetsche dich
In meinen Händen
wie ein blutendes Herz
Drück aus dir
Den Zugang zum Paradies
Strecke den Seraphen
Mit seinen eigenen Waffen nieder
Stosse ihn ihn
Das flammende Schwert
Und raube dem Baum des Lebens
Die letzte Frucht

Dann steig ich hinauf
In die Himmel
Durchdringe Wolkenwände
Und widerstehe Engelslegionen
Um schliesslich
Den selbstgefälligen Gott der Menschen
Zu sehen

Tod für 2000 Jahre Unheil!

21. Juli 2000

Ich sitze tief in meiner Welt
Und will eigentlich nie mehr zurück
Ich fühle mich wie eine Prinzessin
Auf meinem Stern
Und winke dir von hier oben zu
Dir und all den Problemen
Allem das nun so weit weg ist
Und ich denke mir
Warum ich nicht schon früher hier her kam
Und ich lächle
Ein Lachen brauchts hier nicht

8. Februar 2000

Ich hätte gesund werden sollen
Doch ich fühlte mich jeden Tag
Noch ein bisschen kränker
Noch ein bisschen hinfälliger
Noch ein bisschen kraftloser

Schleichend hat es mich überwältigt
Hat mich einfach angefall’n
Hat mich ans Bett gefesselt
Hat mich von allen abgeschnitten

Nun liege ich hier
Und flehe um Erlösung
Und flehe um Gesundung
Und flehe um den Schlaf

Ich sehe aus dem Fenster
Draussen scheint die Sonne
Draussen fällt der Regen
Draussen tobt ein Gewitter

Und ich liege hier
Kann nicht aufstehen
Kann nicht gehen
Kann nicht leben

Und ich denke an das normale Leben
Und der Schmerz ist längst vergessen
Und die Angst ist längst vergessen
Und die Hoffnung ist längst vergessen

Und immer wieder ein Rückfall
Und immer wieder Sonnenschein
Und immer wieder Regen
Und immer wieder die Erkenntnis:

Es muss so sein.

8. Februar 2000

Natürlich habe ich versucht
die Sterne zu zählen
Doch ihre Zahl war zu gross

Natürlich habe ich versucht
einen Regenbogen zu malen
Doch die Farben sind zu schnell verblasst

Natürlich habe ich versucht
die Sonne zu erreichen
Doch der Erdboden hielt mich fest

Natürlich habe ich versucht
eine Schneeflocke zu bewahren
Doch sie schmolz in meinen Händen

Natürlich habe ich versucht
von hier zu fliehen
Doch mein Körper hielt mich zurück

Natürlich habe ich versucht
zu Gott zu sprechen
Doch ich traf nur Leere an

Natürlich habe ich die Fragen gestellt
die niemand beantworten kann
Doch ich bekam Antwort

Natürlich habe ich versucht
die Antwort zu verstehen
Natürlich habe ich’s versucht

8. Februar 2000

Ich glaube, ich bin kraftlos.
Ich sehe Menschen Taten vollbringen
Welten erschaffen
Geld machen
alles hinter sich abbrechen
und ein neues Leben beginnen
Sehe sie neue Wege gehen
die sie zuvor nicht gegangen sind
Ich kenne nur mein Dorf
Dieses Haus
Mein Zimmer
Und meine Träume
Vor deren Verwirklichung
Ich Angst habe
Ich zurückschrecke

Ich glaube, ich werde ein einfaches Leben haben
Ohne grosses Auf und Ab
Der Preis kann Langeweile sein
Der Gewinn ist Sicherheit

Doch was wäre, wenn eines Tages, wenn eines Tages etwas alles ändern würde….

8. Februar 2000

Ich habe mich selbst verloren
Und unter all den Menschen um mich herum
Finde ich mich nicht mehr
Ich wünsche mir einen Spiegel
Um mein Gesicht zu betrachten
Und mich wieder zu finden

Ziellos irre ich durch die Reihen
Und beachte die Gesichter nicht
Suche mich

Erst nach langen Tagen
Sehe ich die Augen
In den Köpfen
Und bemerke
Meine eigene Blindheit

Jeder von ihnen ist ich
Und ich bin jeder von ihnen

Mir schaut die Geliebte entgegen
Die schlampige Rumhängerin
Das Mauerblümchen
Die Furie
Die Denkerin ebenso
Wie das kichernde Mädchen

Und ich sehe in ihren Augen
Die Menschen, die sich kennen

23. Januar 2000

Ich habe dich beerdigt
Tief in meinem Herzen
Und niemandem erzählt
Dass du dort begraben liegst

In der Nacht höre ich deine Schreie
Aus der Tiefe
Und dein Rufen
Ist magisch

Mein Wille ist stark
Mein Verstand versteht
Doch meine Seele
Kennt nur die Erfüllung

Erinnerung heisst das Zauberwort
Wünsche mir den Schlaf
Doch wie kann ich friedlich träumen
Wenn die Vergangenheit nach mir ruft

Du bist schön wie ein Engel
Und ich werde mich an dich erinnern
Doch niemals wieder sehen
Denn wirkliche Engel fliegen schnell davon

Ich habe dich begraben
Und über deinem Grab
Einen Berg errichtet
Damit du dich nie mehr befreien kannst

Manchmal fürchte ich
Andere könnten dich rufen hören
Und zweifle an meinen Fesseln
Die ich dir in lodernden Feuern geschmiedet habe

Mich wundernd stehe ich da
Und starre in den Himmel
Wie konntest du ihn nur wieder erreichen?

23. Januar 2000

Die Nacht

Wenn die Nacht
Mich unerwartet trifft
Und die Dunkelheit
Sich in jede Ecke schleicht
Wenn die Erinnerungen
Über den Boden wogen
Wie längst vergessene Wellen
Und wenn die Gedanken
Sich unbemerkt befreien

Wenn die Erinnerungen wispern
Die Unwissenheit geifernd am Bette steht
Wenn Wünsche
Und Befürchtungen
Schweigend Wache halten
Wer errettet mich dann?

Wenn der Mond mattes Licht
In düstres Denken sendet
Wenn Kerzenflammen
Drohende Schatten werfen
Wenn ein glitzerndes Auge
Wie tot erscheint
Und der Mund
Nur Leere fühlt
Und Schalheit

Wenn das Ohr erahntes Murmeln hört
Und eine Hand
Sich suchend einen Weg bahnt
Durch schwarze Angst
Wenn das Herz fast weint
Und schwere Tropfen
Das Leinentuch durchnässen
Wer errettet mich dann?

Wenn die Nacht mit ihren Gespenstern
Mit ihrem süssen Versprechen
Mich in alte Arme nimmt
Wenn sie das Licht ausschliesst
Und aufsaugt
Als wäre es goldene Milch
Dann küsse ich die treue Freundin
Und heisse willkommen
Was sie mir bringt
Und meine Retter
Müssen elend untergeh’n

9. Mai 2000

Wenn

Wenn ich dich lieben würde
Und du mich
Und wir beide
So ganz zusammen
Durch die Zeit fliessen würden
Als könnten wir nie sterben
Als wäre sie bedeutungslos
Würde ich wohl weinen
Wegen unserer Einsamkeit

Wenn ich dich lieben würde
Und du mich
Und wir beide
So ganz zusammen
Alleine wären
Fort von allen
Würde ich mich wohl sehnen
Nach anderen Menschen

Wenn ich dich lieben würde
Und du mich
Und wir beide
So ganz zusammen
Erkennen würden
Dass wir andere brauchen
Würden wir wohl froh sein
Und uns mehr lieben als zuvor

9. Mai 2000

Liebe

Deine Stimme
Stiehlt sich in mein Denken
Und manchmal
Ist alles von dir erfüllt!

Schäme dich!

Wenn ich dann laufe
Dann schwebe ich
Und wenn ich etwas tue
Hat es keinen Sinn

Schäme dich!

Wie konntest du es wagen
Mich so in Besitz zu nehmen
Mich so zu beschäftigen
Dass ich kaum noch atmen kann

Schäme dich!

Wie konnte ich es zulassen
Dass du in mein Leben kamst
Und es sofort ausfülltest
Obschon ich anderes tun wollte

Ich ärgere mich!

Wie kann es sein
Dass ich kaum noch überlegen kann
Dass jeder Gedanken
Von dir spricht

Ich ärgere mich!

Und warum ist es mir
Nicht gelungen
Dich von mir fern zu halten
Als ob du schon ein Teil von mir wärst

Ich ärgere mich!

Und doch ist da das leise Ahnen:
Hätten wir es nicht so gemacht
Wäre die Welt
Um eine Liebe ärmer…

9. Mai 2000