Alt

Du warst der Tag in meinen Augen
Die Nacht in meiner Seele
Wer weiss schon
Wohin die Liebe geht
Wenn sie uns verlässt?

Wir waren schon alt
Als du mir jung in den Armen lagst
Schon schön
Bevor unsere Seelen zerfielen

Nun ist mein Haar weiss geworden
Und wir sind uns unendlich weit
Deine Schönheit blendet mein Auge
Ich sehe deine Berührung nicht
Zucke zusammen

Der flammenrote Juni
Ertrank im dunklen Wasser
Nur der Mond sah schweigend zu

Ich strecke meine Hand nach dir
Berühre dein Gesicht
Weine
Weine nicht um mich

14. Februar 2002

Ungewissheit

Der Spiegel
Zeigt schon lange nicht mehr
Mein Gesicht
Immer sehe ich andere

Aus meinen Augen schreie nur ich

14. Februar 2002

Verarbeitung

Der Schlaf hält mich süss umfangen
Da ist keine Erinnerung
Kein Gedankenfetze
Kein Traum

Und ich laufe über Wasser
Schreibe, bis meine Seele verstummt
Ja ich lache
Wer bin ich nur?

Und ein Wind erfast mich
Streicht mit rauhen Fingern durch mein Haar
Erinnert mich an die Unschuld
An die Unwissenheit vergangener Zeit

Was würdest du hergeben?
Fragst du mich
Nichts
Ist meine Antwort
Und dann glaube ich es

14. Februar 2002

Entfernung

Ich liege an deiner Haut
Und du schläfst weit von mir
Kann deine Träume nicht erraten
bin so allein

15. Februar 2002

***

Ich liebe an deiner Haut
Und du schläfst weit von mir
Kann deine Träume nicht erraten
bin so allein

15. Februar 2002

Schmerz

Ich liege in meiner Haut
Bin schon viel zu lange
Viel zu weit weg von hier
Der Planetengedanke kommt mir wieder

Ich wäre gern Gevatter Mond
Rund und leuchtend am Himmel
In manchen dunkeln Nächten
Und meine Wiederkehr wäre stets ungewiss

Ich habe mir selber
Soviel Schmerz zugefügt
Wie es nie ein anderer vermochte
Mein Blick ist traurig

Ich halte meine Hände
In das helle Kerzenlicht
Meine Haut
Sie brennt wie Papier

Und ich wache schweissgebadet auf
Aus viel zu tiefen Träumen
Und der Schmerz
Ja, der Schmerz bleibt dort, tief in mir

17. Februar 2002

Aber da, wo ich war, triffst du mich nicht wieder.
Sarah Kirsch

Ich bin gegangen
Leise
Hab‘ ich mich von dir entfernt
Du hörst vielleicht von irgendwo mein Lachen
Siehst mich noch in einem Spiegel
Riechst mich an deiner Haut

Aber wo ich war, wo ich war
Bin ich nicht mehr
Ich bin nicht mehr
Hier
Bei dir

Und ich erinnere mich
Erinnere mich an dich
Und stelle mir vor
Wie du an mich denkst
Denkst du an mich?
Gehen deine Gedanken über die alten Wege?

Aber wo ich war, wo ich war
Bin ich nicht mehr
Ich bin nicht mehr
Hier
Bei dir

Die Zeit
Hält nicht still
Ich verlasse den vertrauten Ort
Verberge meine Gedanken
Spreche sie dir nicht mehr aus
Ich bin dir schon lange gegangen

Und wo ich war, wo ich war
Bin ich nicht mehr
Ich bin nicht mehr
Hier
Bei dir

17. Februar 2002

Wo ich war

„Wo ich war“,
Fragst du mich
Und reisst mich damit
Aus meinen Gedanken

Ich schwebte in einem Himmel
Es war alles so schwarz
Und in der Dunkelheit
Sah ich nur mich

Ich war ein bleiches Gespenst
Weiss war mein Gesicht
Schon fragte ich mich
Bin ich denn tot?

Die Lippen nur waren rot
Und sie sangen ein lautloses Lied
Und Sehnsucht
Sprach aus den Worten

„Wo ich war“,
Möchte ich dir antworten
„Dahin kannst du nicht kommen.
Dazu bist du mir zuwenig nah‘.“

„Dort ist der Geist verdammt,
Einsam zu sein.“
Ich sehe dich an
Deine Augen tragen noch die Frage

Und ich weiss
Du wirst mich nicht versteh’n
Also lächle ich
„Ist der Himmel nicht voller Sterne?“

17. Februar 2002

Gedanken

Ich machte mir einige Gedanken
Um die Wahrheit zu sagen
Ich dachte die ganze Zeit
Kopfchaos nannte ich es

Und die vielen Fragen
Blieben meist unbeantwortet
Was gut sein mag
Oder auch nicht

Ich starb manchmal ein kleines bisschen
Oder lachte
Und oft spürte ich
Das Leben mir in den Adern pulsieren

Da waren Männer und Frauen
Und manchmal fühlte ich mich alt
Oder kraftlos
Aber immer waren da die Gedanken

Und sie mischten sich mit Gefühlen
Bis ich nicht mehr denken konnte
Bis alles nur noch war
So wie es war
So wie es ist

Manchmal mag es Antworten geben
Oder auch mal ein Happy End
Wer weiss schon
Wo was anfängt?
Oder endet?

17. Februar 2002

Wenn die Liebe geht
Was bleibt dann noch?

Wann ist es
Liebe
Wann nur eine Illusion?

Und ich sezierte meine Gefühle
Das tat nicht weh
Nur bisher
Fand ich noch keine Antwort

Dann war da plötzlich Leere
Und eine Traurigkeit
Nun ja, was solls
Sagte ich mir
Und lebte einen weiteren Tag

17. Februar 2002

Wenn die Liebe geht
Was bleibt dann noch?

Nichts mehr
Es schmerzt
Ich möchte in die Leere schreien

Und meine Seele weint
Ich frage mich
Wohin geht die Liebe
Wenn sie geht?

Und die Welt versinkt in Schatten
Alles ist so grau
Wohin sind alle meine Gefühle
Mir ist als wäre ich tot
Wie ein Zombie schlägt mein Herz.

17. Februar 2002