Herr B. ist Lehrer. Mathelehrer. Ich weiss , was Sie jetzt denken: „Oh Gott, eine Geschichte über einen gefühllosen, totlangweiligen Mathelehrer!“ Also Herr B. ist zwar etwas unauffällig, doch keineswegs gefühllos oder gar langweilig! Das würde man wohl gar nicht glauben, wenn man ihn das erste Mal sieht. Meist ist er ganz in grau gekleidet, mit Hemd, Jackett, Bundfaltenhose und Krawatte. Die Krawatte ist nicht grau. Die ist blau, himmelblau, um genau zu sein. Herr B. ist schon etwas älter, so um die Fünfzig, das kann man nicht so genau sagen. Er hat nämlich ziemlich jugendliche Züge, nur sein Haar, das ist grau. Als ob es sich der Kleidung von Herrn B. anpassen würde. Auch seine Brille ist grau, eigentlich wäre sie silbrig, doch wir wollen es nicht so genau nehmen.

Nun platzen Sie sicher schon vor Neugier, wieso dieser ältere, graue Herr eben nicht langweilig sein soll. Schliesslich steht er jeden Tag punkt 6.13 Uhr auf, rasiert sich, frühstückt ausgiebig, steigt in sein Auto ( ein grauer Volvo) und kommt um 7.15 Uhr bei der Schule an. Zum Glockenschlag der Kirche um 7.30 Uhr beginnt er den Unterricht und um 12.00 Uhr isst er eine Kleinigkeit zu Mittag, immer im nahen Italiener. Bis 18.00 Uhr bleibt er dann noch in der Schule, entweder um seine Stunden zu geben, oder um Prüfungen zu korrigieren. Dann geht er wieder nach Hause, nimmt sein Abendessen ein und sieht sich die Abendnachrichten im Fernsehen an. Um exakt 20.00 Uhr geht Herr B. ins Bett, liest noch eine Stunde in einem Buch über Mathematik und löscht dann das Licht. Ziemlich langweilig, da stimme ich Ihnen zu. Dennoch mögen seine Schüler Herrn B.. Der gibt nämlich nicht einfach nur Mathe, nein, er kann die Rechnungen auf seltsame Art und Weise zum Leben erwecken. Nehmen wir zum Beispiel die Brüche. Das sind Herrn B. Lieblingszahlen. Darum nennt man ihn auch Herr B., eigentlich heisst er Herr Bastian. Er kann sich stundenlang mit echten und unechten Brüchen beschäftigen, sie durch Wurzeln und mal Potenzen rechnen. Doch Herr B. rechnet nicht nur mit Zahlen. Nein, Herr B. liebt die Natur und die Menschen, also rechnet er durch Tiere und mal Schüler. Und am Ende kommt immer ein einleuchtendes Resultat heraus. Manche Leute glauben, Herr B. könne zaubern.

Einmal hatte er eine Schülerin, deren Eltern sich scheiden liessen. Die Schülerin, Katja hiess sie, war ganz verwirrt. Mitten in der Mathestunde begann sie zu weinen und liess sich nicht mehr trösten. Als Katja Herrn B. unter Tränen von der Scheidung ihrer Eltern erzählte hatte, fragte sie ihn, warum ausgerechnet ihrer Familie so etwas passiere. Herr B. nahm also Katja, ihre Mutter, ihren Vater, den kleinen Bruder und die grosse Schwester und führte eine ganz komplizierte Rechnung aus. Jeden Schritt erklärte er Katja und am Ende kam die Scheidung heraus. Aber die Scheidung stand über dem Bruchstrich, und darunter die Liebe. Da wusste Katja, dass ihre Eltern sie und ihre Geschwister immer noch liebten, und sie konnte zumindest wieder lächeln. Ein anders Mal rechnete Herr B. für den kleinen Hubert aus, wie viele Schmetterlinge es im Stadtpark gibt. Hubert will nämlich unbedingt Schmetterlingsforscher werden. Herrn B. rechnete einfach die Raupe mal den Baum rechts neben dem Eingangstor zum Park durch den Ameisenbären, der letzte Woche gesichtet worden war, plus den Parkwächter und multiplizierte das Ganze noch mit der Sonne. Das Resultat war Schmetterling durch Hubert. Und die ganze Zeit flatterte der Schmetterling aufgeregt zwischen den Zahlen an der Wandtafel herum. Aber Herr B. rechnete nicht nur Dinge für seine Schüler aus. Manchmal half er auch den Eltern seiner Schüler und berechnete da ein Auto und dort ein Rendez -vous. Da verbreitete sich sein Ruf natürlich über die Stadtgrenze hinaus. Und eines Tages wurde Herr B. eingeladen, in Amerika vor hohen Politikern eine Ausrechnung zu machen. Er sollte nämlich berechnen, wie der Weltfrieden zu bewerkstelligen sei. Das Ganze würde gefilmt und ‚live‘ im Fernsehen in alle Welt übertragen.

Mit einem etwas mulmigen Gefühl betrat Herr B. in Amerika die Bühne, welche extra für ihn aufgestellt worden war. Hinter ihm war eine riesige Wandtafel, wie er gebeten hatte. Mit zitternden Fingern nahm er eine Kreide und begann mit der Ausrechnung. Zuerst schrieb er das Universum auf, dann kam er über Umwege zu der Erde, dann zu den Kontinenten, den Ländern, den Gebieten, den Städten, den Dörfern, den Häusern, und ganz zum Schluss, ganz zuletzt kam er zu den Menschen. Es war eine lange Rechnung, mit vielen Multiplikationen, Additionen und auch einigen Divisionen. Herr B. wusste selber nicht, was das Resultat seiner langen, langen Rechnung sein würde, und manchmal glaubte er entsetzt, sich verrechnet zu haben. Doch er machte keine Fehler. Während er rechnete und alles aufschrieb, sahen viele Millionen Menschen ihm dabei zu, sahen den grauen, langweilig wirkenden Mann Wörter addieren und subtrahieren, und sie alle waren wie gebannt. Und als Herr B. die Gleichheitsstriche hinter seine lange, lange Rechnung setzte, hielten diese viele Millionen Menschen den Atem an. Herr B. blieb kurz mit hängenden Armen stehen, dann hob er langsam die Hand. Vorsichtig schrieb er in riesigen Lettern:

Mensch + Toleranz = Weltfrieden ./.Welt

Einen Moment herrschte eine Stille, als würde Mutter Erde selbst den Atem anhalten. Plötzlich begannen alle zu jubeln, sie riefen: „BRAVO“ und klatschten, und der amerikanische Präsident persönlich schüttelte Herrn B. Hand und bedankte sich ganz herzlich. Herr B. war in allen Zeitungen und wurde mit vielen Preisen geehrt. Eine Zeit lang hatte er wirklich ein sehr aufregendes Leben.

Geändert hat sich nichts. Die Menschen wollten den Weltfrieden nicht verwirklichen, wer weiss weshalb. Herr B. gibt wieder Schule und erfreut mit seinen Bruchrechnungen seine Schüler. Nur manchmal wünscht er sich, die Menschen hätten seine Schlussresultat etwas besser verstanden. So wie seine Schüler. Auf sie setzt er all seine Hoffnung. Und er ist sich sicher, dass das nicht vergebens ist. Das hatte er sich nämlich mal ausgerechnet.

29. Mai 1998

Liberio wurde stumm geboren. Ein seltsames Kind, nie schrie er oder bewegte sich unnötig. Nie schlief er, und schien dennoch nie richtig wach zu sein. Seine Eltern suchten viele gelehrte Ärzte auf, doch niemand konnte dem Kinde helfen. So wurde ihm Nahrung eingeflösst und die Augen zugedrückt, wenn die Nacht anbrach, und Liberio lag lange Zeit in seinem Bette. Doch eines Tages betrat seine Schwester das Zimmer. In ihrer Hand trug sie eine Maske. Das feine weisse Porzellan war kunstvoll mit leuchtenden Farben bemalt, ein breites Lachen untermalend. Die Schwester nun, jung und ohne Scheu, legte die Maske auf das Gesicht des Liberio. Da geschah etwas Seltsames: die Farben der Maske verblassten, sie wurden hell und dann braun, braun wie die Haut des Liberio. Als die Maske nicht mehr zu sehen war, das schlug Liberio seine geschlossenen Augen auf. Er schwang die Beine vom Bett und lachte seine Schwester an. Seine Eltern kamen, angelockt durch das fremde Lachen, und als sie den nun wachen Liberio sahen, überkam sie grosse Freude und sie fielen in sein Lachen ein.

Von jenem Tage an lachte Liberio, manchmal laut und manchmal leise, doch immer brachte er andere dazu, es ihm gleichzutun. So machte er die Menschen glücklich. Zuerst nur die Leute in seinem Dorf, doch bald verliess er seine Eltern und ging in die Welt, um das Lachen überall hinzubringen. Lange Zeit zog er von Ort zu Ort, bis er eines Tages am Wegesrand ein Glitzern bemerkte. Es war eine Maske aus geschnitztem Obsidian. In seiner glattgeschliffenen schwarzen Oberfläche spiegelte sich die Sonne. Ein grosser Künstler hatte mit Sorgfalt und viel Geduld die Mimik eines rasenden Menschen in den Stein geschnitzt. Jede Ader war sichtbar, jede Zornesfalte. Liberio hielt das Kunstwerk ehrfürchtig in den Händen, doch er konnte nicht widerstehen, sich die Maske aufzusetzen. Das geschah etwas Seltsames: das Schwarz der Maske verblasste und wurde braun, braun wie die Haut des Liberio. Als die Maske nicht mehr zu sehen war, da war Liberio wütend. Seine Wut richtete sich gegen alles und jeden, und er zog durch die Welt, jeden totschlagend, den er traf. Seine Wut kannte keine Grenzen, was immer schön und rein war, wurde von ihm zerstört. So wütete er lange Zeit, bis er eines Tages vor den Überresten eines Hauses stand, welches er vor Stunden angezündet hatte. Plötzlich fiel ihm ein Stück Holz auf, das offenbar nicht verbrannt war. Voller Wut stürzte er sich auf das Ding, und stellte fest, dass es eine hölzerne Maske war. Der Ausdruck des Gesichtes war gar kläglich. Von einem inneren Zwang getrieben hielt sich Liberio die Maske vor sein Gesicht. Da geschah etwas Seltsames: die Muster des Holzes verschwammen, und das Braun wurde Heller, wurde braun wie die Haut des Liberio. Als die Maske nicht mehr zu sehen war, fühlte sich Liberio plötzlich elend. Und er weinte und wälzte sich im Staub, und flehte die Götter an, seiner elenden Existenz ein Ende zu bereiten.

Manchmal erhören die Götter unsere Gebete, und sie schickten den Tod zu Liberio.

Stolz stand dieser vor dem Verzweifelten, seinen knochigen Körper unter einem schwarzen Umhang versteckend. Er schaute auf Liberio mit dem Blick, der die Sterblichen verstummen lässt. Regungslos lag Liberio auf der Erde. Da bückte sich der Tod zu ihm hinab und ergriff die erste Maske. Liberio schrie stumm auf, und die Erde erzitterte, als sein Schrei ihr durch das brausende Herz schoss. Achtlos liess der Tod die hölzerne Maske fallen und griff wieder nach Liberio, entriss ihm die zweite Maske. Und die Erde erbebte ein weiteres Mal. Der Obsidian glänzte böse in den letzen Strahlen der Sonne. Unter den weiten Gewändern des Todes verbarg sich ein boshaftes Lächeln, als er sich zum dritten Mal über den armen Liberio beugte, um diesem auch die letzte Maske von Gesicht und Seele zu reissen. Diesmal entwich kein Schrei dessen Munde, doch wieder erzitterte die Erde, unter dem Gewicht der Porzellanmaske, als der Tod sie fallen liess. Liberio lag da wie er geboren wurde, stumm und ohne sich zu rühren. Zum letzten Mal bückte sich der Tod und hob Liberio auf, um ihn mitzunehmen, dorthin, wohin er alle nimmt, irgendwann.

Der Masken nahm sich der Wind an. Als wären sie Federn, trug er sie mit sich und verstreute sie auf der Erde, auf dass sie eines Tages ein anderer finden möge, der nicht lebt und nicht tot ist.

Und dies sei das Ende dieser Geschichte.

29. November 1998

Er fiel mir auf, weil er sehr nervös zu sein schien. Er ist jung, vielleicht 25 Jahre alt. Vor im stehen noch vier Personen und zwischen uns zwei weitere. Er trägt ein Paket in der Hand, das er offensichtlich am Postschalter abgeben will. Er sieht andauernd auf seine Uhr. Früher konnte ich mir unter der Redewendung ‚von einem Fuss auf den anderen treten‘ nicht viel vorstellen. Er tut es. Mal erscheint sein schwarzer, kurzgeschnittener Haarschopf auf der linken Seite der beiden Leute vor mir, mal auf der rechten. Immer wieder dreht er den Kopf zur Uhr an der Wand, dann starrt er auf seine Armbanduhr, trippelt zwei Schritte nach links, zwei Schritte nach rechts, reckt den Hals, m die Leute vor sich zu zählen. Diese werden weniger, zwei, einer, endlich ist er am Schalter. Rasch hält er der Postbeamtin sein Paket und eine Zehnernote hin, nimmt das Wechselgeld entgegen und stürmt nach draussen. Im Halbdunkel des Postraumes kann ich sein Gesicht nicht genau erkennen, nur das Tageslicht, welches durch die Eingangstür fällt, spiegelt sich einen Moment in seinen Augen. Dann ist er Weg.

4. Dezember 1997

Es traf sich, dass Salz und Zucker, wie es Brauch ist, im Gewürzschrank nebeneinander standen. Doch eines Tages liess der Zufall, oder das Schicksal, wer vermag das schon genau zu sagen, das Salz von seinem Platz herunter auf die Erde fallen. Der Zucker nun, erbost über den Egoismus des Salzes, ihn einfach alleine zu lassen, warf sich diesem hinterher. Salz und Zucker werden, wie jeder weiss, in Behältern aufbewahrt. Und eben dieser Behälter Deckel wurden beim Aufprall davon geschleudert, einer unter das Spülbecken, der andere lag bereits zwischen den Füssen der Hausfrau. Salz und Zucker umarmten sich innig, Kristall für Kristall. Und sie umarmten sich immer noch, als sie nach beschwerlicher Reise in der Müllverbrennungsanlage anlangten, dort, wo alles irgendwann hinkommt, jede Dose und jede Bananenschale und jeder gebrauchte Briefumschlag.

Und als der Zucker braun wurde, ob des vielen Lichtes, da verschmolzen Salz und Zucker, um sich am Ende von den Flammen ihrer innigen Liebe verzehrt zu sehen…

8. Januar 1999

Salz und Zucker standen nach altem Brauch nebeneinander im Gewürzschrank. Beide in Gläsern, die fein säuberlich mit dem Inhalt angeschrieben waren. Eines Tages nun fiel das Salz von seinem Platz. War es Zufall? Oder vielleicht Schicksal? Wer vermag das zu sagen. Denn auch der Zucker fiel zu Boden. Der Deckel seines Glases rollte der Hausfrau vor die Füsse, die, durch ein klirrendes Geräusch aufgeschreckt, herbeigeeilt war.

Salz und Zucker umarmten sich innig, Kristall für Kristall. Und sie umarmten sich immer noch, als sie nach beschwerlicher Reise in der Müllverbrennungsanlage anlangten, dort, wo alles irgendwann hinkommt, jede Dose und jede Bananenschale und jeder gebrauchte Briefumschlag.

Und als der Zucker braun wurde, ob des vielen Lichtes, da verschmolzen Salz und Zucker, um am Ende von den Flammen ihrer innigen Liebe verzehrt zu werden…

Der Mann, der den Schwenkarm weit über dem Feuer bediente, träumte von einem Jahrmarkt, von Kebab und gerösteten Mandeln.

8. Januar 1998

W. war krank. Schwer? Nein, ich denke nicht. Er hat sich auf alle Fälle nie deswegen beschwert. Weshalb hätte er das auch tun sollen? Kurz nach Ausbruch seiner Krankheit (und vor seinem Tod) sagte er mir einmal, er bedaure es nicht, krank zu sein. Er habe vorher nicht gelebt, meinte er. Anfangs war seine Krankheit auch nicht schlimm, im Gegenteil, er fühlte sich hervorragend, und mit jedem Tag, der verging, fühlte er sich noch besser. Er war glücklich.

Er lebte gerne, genoss jeden Augenblick, liebte jeden Menschen, bewunderte jede Pflanze. Doch eines Tages verkehrte sich alles ins Gegenteil. W. begann zu Leiden. Und er litt, wie er zuvor geliebt und genossen und bewundert hatte.

Sein Leiden war ebenso kurz wie sein Lieben. Bald darauf beging er Selbstmord. Es war, als ob er sein Leben gelebt hätte, als ob kein Platz mehr wäre für ihn als wäre alle Liebe und alles Leid verbraucht, in dieser kurzen, intensiven Zeit.

Ich bewunderte ihn.

Wie viele Menschen leben ihr Leben in grauer Eintönigkeit, lieben ein bisschen, leiden ein bisschen, und sterben am Ende –nein nicht ein bisschen, aber unspektakulär.

Was würde aus der Menschheit werden, wenn alle wie W. leben würden? Es gäbe keine Kinder, keine Grenzen.

Es ist wohl wenigen vergönnt, ein Leben wie W. zu führen. Ich gehöre nicht zu jenen. Doch manchmal denke ich so bei mir, dass ich sehr viel Glück hatte, W. zu kennen. Denn ein bisschen hat er sein Leben auch für mich gelebt…

14. Januar 1998
Nach der Lektüre ‚Die Leiden des jungen Werther‘

JIL SANDERS, eine aus der SERENGETI- Wüste nach Amerika emigrierte alte Frau, und A MEN namens HUGO, machten sich an einem schönen Tag mit ihrem Hund CHIPIE auf, die berühmte ORCHIDEE der AZTEKen zu suchen. Auf der ROUTE 66 fuhren sie mit ihrem DIESEL- betriebenen Auto von der TOSCAna zum CAP NATURE. Auf ihrer Reise kamen sie an einem IndianerLAGER und einigen FELDern vorbei. In der CASCAYA machten sie einen Zwischenstopp, um die JARDINS DU MONDE zu besichtigen. Nach einigen Tagen und Nächten voller SUN, MOON AND STARS erreichten sie endlich das CAP NATURE. Die letzten 100 m hatte HUGO dauernd „J’ARRIVE, J’ARRIVE“ gesungen, und so war JIL SANDERS sehr froh, endlich aussteigen zu können. Auch wollte sie ihrem durstigen Hund, der während den letzten 200 m andauernd „NAF NAF“ machte, etwas KÖLNISCH WASSER zu trinken geben.

Schliesslich wanderten alle drei in den DEEP FOREST, bis ihnen vor einer Quelle mit COOL WATER die Göttinnen HERRERA und LYRA erschienen. Obwohl die beiden einige ALLUREn hatten, erzählten sie JIL SANDERS und HUGO ALL ABOUT EVE. Bis HUGO fragte: „And WHAT ABOUT ADAM?“ Das warf die beiden Göttinnen völlig aus dem Konzept. Um wieder einen klaren Kopf zu bekommen, tanzten sie einen SAMBA und tranken etwas COCOSmilch. Dann fragten die beiden JIL SANDERS und HUGO: „Warum seid ihr überhaupt hier?“ „Wir wollen ein DOLCE VITA führen“, antwortete ihnen HUGO. „Dazu müsst ihr nach EDEN. Aber das ist ein L’INTERDIT. Nur die ANGELs dürfen das.“ Alle drei waren für einen MOMENTS zutiefst deprimiert. Als sie wieder zu Hause waren, frönte HUGO weiter seiner OBSESSION: dem POLO SPORT. JIL SANDERS veranstaltete bei SUNSHINE ein EXTASEisches CHAOS im ROSEnbeet, worauf sie sich zwar wieder FRESH’N’COOL fühlte, aber auch von der Polizei verhaftet wurde.

Ihr Hund CHIPIE schliesslich beging Selbstmord. Er wollte unbedingt nach EDEN und singt dort nun mit den ANGELs MELODY DREAMS…

18. Februar 1998

Weihnachten ist nun schon wieder vorbei, und mit ihr der ganze Stress… und wohl auch wieder ein paar Ehen.

Statistiken belegen, dass während der Weihnachtszeit, wenn eigentlich Liebe, Friede und Eintracht herrschen sollten, die meisten Scheidungen eingereicht werden. Doch auch ganz allgemein ist die Scheidungsrate in den letzten Jahren beständig gestiegen. Die rufe nach Alternativen, sogar nach einer Umgestaltung der Ehe, werden immer lauter. Viele Menschen bezeichnen bereits heute ihren festen Freund oder ihre feste Freundin als „Lebensabschnittspartner“, um klar zu machen, dass sie nicht an ein Zusammenbleiben „bis dass der Tod uns scheidet“ glauben. Doch bevor wir über die Alternativen zu diskutieren beginnen, sollten wir uns zuerst mit dem Grundproblem, der Ehe beschäftigen. Was ist die Ehe überhaupt? Wir alle kennen sie: zwei Menschen, eine Frau und ein Mann, stehen vor dem Traualtar und schwören sich vor dem Priester und den Anwesenden (unter anderem) ewige Liebe und Treue. Früher hatte dieser Schwur einen einleuchtenden Sinn: ab diesem Zeitpunkt konnte der Ehemann ziemlich sicher sein, dass es sich bei den Kindern, welche die Frau gebären würde, um seine Nachkommen handelt und nicht die eines anderen. Ich habe absichtlich das Wort „ziemlich“ eingeschoben, denn eine absolute Sicherheit gibt es ja nie. Der Mensch ist ein triebhaftes Wesen, das lehrt uns schon die Bibel, und insbesondere das Fleisch ist schwach. Der Seitensprung ist heute, wie die Scheidung, zum Alltag geworden, wobei ihn beide Partner gleichermassen begehen können. Den Glauben an die ewige Liebe haben viele Menschen sowieso schon abgelegt, und meiner Meinung nach ist das auch gut so. Mich hat zwar kürzlich ein Freund mit seinem Bekenntnis zum Glauben an die ewige Liebe ziemlich schockiert. Ich bin nun seit einem Jahr mit meinem Freund zusammen. Diese Tatsache lässt mich glauben, dass ich auch ein paar Aussagen zur Ehe machen kann. Zum Beispiel, dass sie nicht immer leicht ist. Man muss sich nun einmal, nachdem man den feierlichen Schwur geleistet, bzw. das Dokument auf dem Standesamt unterzeichnet hat, täglich mit einem anderen Menschen auseinandersetzten, der seinen eigenen Kopf, seine eigenen Ideen und Gefühle hat. Man muss Kompromisse eingehen und auch mal zurückstecken. Viele Leute sind heute nicht mehr bereit, Kompromisse einzugehen. Sie wollen ihr Leben leben, wie sie es sich vorstellen. Wenn der andere die gleichen Vorstellungen hat: gut. Wenn nicht: und tschüss! Das wird ein Streit nicht mehr mit einer Lösung beendet, sondern mit einem Anruf beim Scheidungsanwalt. Und warum auch nicht, das ist ja auch viel einfacher und bequemer. Schliesslich wird heute von allen erwartet, dass man sich durchsetzen kann. Warum nur im Beruf, und nicht auch in der Ehe? Ein letzter Punkt, auf den ich noch kurz eingehen möchte, ist die Liebe. Vielleicht bin ich in dieser Beziehung etwas zynisch, aber ich glaube nicht, dass man sich ein Leben lang lieben kann. Darauf bin ich durch meine Eltern gekommen. Die haben sich aneinander gewöhnt. Liebe? Nein, die herrscht wohl nicht mehr. Dadurch kann ich aber einen Seitensprung gut verstehen: das Gefühl des Verliebtseins ist unheimlich schön. Und stark. Kein Wunder, dass manche Menschen zu regelrechten „Beziehungsjunkies“ mutieren! Ist dieses starke Gefühl des Verliebtseins weg fackelt man nicht lange, sondern sucht sich einen neuen Menschen, in den man sich velieben kann.

Eigentlich ist es schade, dass so viele Menschen ihren Glauben an die Ehe verloren haben. Für mich ist sie nach wie vor ein Symbol der Sicherheit und Geborgenheit. Auch ich will irgendwann heiraten. Aber ich mache mir keine Illusionen: ich rechne mit mindestens einer Scheidung in meinem Leben. Ich finde das nicht so schlimm, hoffe aber, dass die Sache nicht zu schmutzig ablaufen wird. (Man kann sich ja friedlich scheiden lassen oder einander das Leben schwer machen.)

Nur mit einem Lebensabschnittspartner zusammen leben möchte ich nicht. Ich sehe die Ehe als ein Zeichen: „He, seht her, wir gehören zusammen! Vielleicht nicht für immer, aber für eine lange Zeit!“ Ausserdem, wer will schon auf den Hochzeitsstress verzichten? Ich bin jedoch auch der Meinung, dass die Ehe reformiert werden muss, vor allem von den Kirchen. Es müssen neue, eheähnliche Formen gefunden werden! Insbesondere für homosexuelle Paare, und Paare, die bewusst ohne Trauschein leben. Beide werden ja, obschon sie in einer eheähnlichen Gemeinschaft leben, vom Gesetz nicht als solche anerkannt. Was ich ungerecht finde, mich aber zu einem schönen Schluss bringt. Ein Mann, er hat Krebs und wird bald sterben, und seine Freundin, sie hat auch Krebs, wird aber voraussichtlich noch ein paar Jahr leben, haben vor kurzem geheiratet. Mit 80 Jahren! Damit sie im Falle seines Todes abgesichert ist und ihn beerben kann. Die beiden sind schon seit 40 Jahren ein glückliches Paar. Ich sage nur: Und es geht also doch ohne Trauschein!

12.Januar 2000

17.1.00: Über dieses Thema könnte ich wohl noch hundert Seiten füllen. Leider hatte ich aber nur 2 Stunden Zeit dafür. 🙂