Befreiung

Der Wahnsinn ist mein Sein
Mein Bruder
Mein Gefährte
Er wohnt
Tief in meinem Herz
Er scheut das Tageslicht
Er sucht die Stille
Wenn ich fliesse
Kommt er hervor
Seine Fratze erscheint mir
Schön wie das Gesicht eines Engels
Seine Züge sind mir vertraut
Und mögen andere ihn auch ächten
Er ist mir lieb
Doch seine Kraft
Vermag so schnell zu zerstören
Sein wüten
Fürchte ich
Und die Angst
Er könnte mich überwältigen
Erfüllt mein Leben
Mein Wahnsinn dürstet danach
Meine Seele zu verschlingen
Wie ein Löwe
Reisst er ihr Stücke aus
Ich fürchte den Tag
An dem ihre Gedärme freiliegen
Das pochende Herz
Blutend erstickt
Dunkel würde der Himmel werden
Der Wahnsinn kennt keine Gnade
Eine Furie
Gebietet über meinen toten Körper
Den Blick getrübt
Von rasender Trauer
Um ein Sein
Das ausgelöscht
Keine Erinnerung
Könnte ihm Einhalt gebieten
Keine Gewalt
Ihn mehr zurückdrängen
Es würde keine Rettung geben
Kein zurück

Doch noch ist der Wahnsinn
Mein Freund
Gebieter über meine Musen
Noch wohnt er tief in meinem Herz
Tief in meinem Herzen
Noch habe ich die Kraft
Ihn mir Untertan zu halten

Ich fürchte den Tag
Da mein Wahnsinn
Sich befreit

18. September 1999