Spiegelzeit

Manchmal kommt es vor, dass die Welt einen Tag anhält. Dass sie seltsam ist und Dinge geschehen, die uns nur als dunkle Träume in Erinnerung bleiben. Als Spiegelzeit herrschte, merkten wir zunächst nichts davon. Wie auch, wenn unser Spiegelbild gerade am zu Bett gehen war? Ich traf das meine erst um halb vier. Plötzlich wurde es eng auf meinem Schreibtischstuhl. Verwundert sah ich elociN an. Sie blickte verwundert zurück und kam dann vom kaffeeholen zurück. Später dachte ich noch einmal an sie. Im Bus auf dem Heimweg sah ich sie zur Arbeit kommen. Kaffeetrinken. Duschen. Aufstehen.

Ich erzählte anna von elociN. Wie ich dachte, in einen Spiegel zu schauen. Wie ihre Narben an der falschen Stelle waren, sie mit der linken Hand ihre Tasse hielt. Wie sie nur kurz „ollaH“ sagte, als wäre es normal, dass wir uns begegnen. anna starrte nachdenklich in ihren Milchkaffee. „Ich bin meinem Spiegelbild nicht begegnet“, stiess sie plötzlich leise hervor. Für einen Moment verstand ich nicht, was sie mir da sagte. Ich blickte sie verblüfft an. „Aber das ist doch nicht möglich! Alle, alle sind ihrem Spiegelbild begegnet!“, wisperte ich schliesslich zurück. „Es ist mein Name… anna bliebt immer anna.“ anna hob den Kopf und sah mich voller Angst an: „Aber was hat das zu bedeuten?“

4. Mai 2002