annas Haus

anna hatte ein kleines Vermögen geerbt. Zumindest sagte sie das so. Das kleine Vermögen musste wohl beträchtlich sein. sie kaufte sich davon ein haus in der altstadt. renovierte und richtete es ein. die fassade liess sie weiss streichen. „Eigentlich hätte ich sie lieber orange gesehen. Orange ist einfach die perfekte Farbe. Und dabei mag ich Orange nicht mal“, erzählte sie und lachte. „Doch zu der roten Schrift passt nun mal weiss besser. Das hätte sonst etwas seltsam ausgesehen.“

Ich stand also vor dem Haus. Den Kopf im Nacken, studierte ich die Schrift. Sie war rot wie frisches Blut. In Lateinisch stand da ein Satz, sich endlos wiederholend. Nur ein Band, gleich unter den Fenstern im ersten Stock. „Dies ist der Ort, den ich gewählt, mir zum Gefängnis.“ annas Blick ging durch mich hindurch. Ihre Gedanken waren anderswo. „Dein Gefängnis?“, fragte ich sie, nachdem ich einige Male tief Luft geholt hatte. Sie sah mich traurig an.

6. Mai 2002