Ende

Der Himmel war weiss, graue Wolken bedeckten ihn, ein scharfer Wind strich über das öde Land. Um ihn herum wuchs grünes Gras, ein dunkles Grün, trist, deprimierend, passend. In der Ferne standen die Berge, schwarz, düster, drohend, weit entfernt. Öde Bäume, gestorben vor viel zu langer Zeit, standen hie und da in der Ebene und streckten ihre kahlen Äste dem trostlosen Himmel entgegen. In der Luft lag der Geruch des Endes, tausend singende Engel hätten die Stille nicht verdrängen können. Bleich stiegen zwei Monde im Osten auf, bald würde die Nacht hereinbrechen und mit ihrer gnadenvollen Dunkelheit die Ödnis zudecken. Falls die Nacht noch kommen würde. Eine starke Windböe zerzauste sein Haar, störend hing es ihm ins Gesicht, doch er hob nicht einmal die Hand. Die nächste Böe würde sie wieder zurückwerfen. Stumm stand er da, niemand kam, da war niemand der hätte kommen können. Weit hinter ihm lag die Stadt voller grauer, trostloser Häuser, himmelhohe Wolkenkratzer, leer, ausgestorben, öde, grau. Er blickte den Bergen entgegen, erwartete irgend etwas, doch als nichts kam, setzte er sich, blickte auf den Boden vor sich, auf das Gras, das dunkelgrüne, triste, deprimierend unpassende Gras. Er erwartete ein Hungergefühl, er fühlte nichts, er fühlte sich nicht, war einfach da, starrte wieder in die Ferne, lauschte der Stille, grau, trostlos, öde, leer, am Ende…

13. November 1997