No Exit

Ich rannte, jeder Schritt, nein, jeder Sprung erschütterte meine Sicht, doch ich sah sowieso nicht mehr viel. Tränen verschleierten den Stollen vor mir, das düstere Licht wechselte mit der hellen Dunkelheit, blind folgte ich dem Gang, immer weiter, immer weiter… In meiner Brust schlug mein Herz zum zerspringen, jeder Atemzug brannte in meinen gepeinigten Lungen, jeder Sprung stach in meine Beine. Ich war zu Tode erschöpft, doch ich durfte nicht stehenbleiben, durfte meinen gequälten Körper nicht ausruhen lassen. Mein ganzes Denken war erfüllt vom Schmerz und der Angst, doch ich musste weiter rennen, immer weiter, nicht stehenbleiben! Verzweifelt wandte ich meinen Kopf nach Ihm um, hoffend, der Abstand zwischen uns sei grösser geworden, doch da war Er, lachend, mir war als flöge er auf mich zu, in den Augen jenes schrecklich siegessichere Lachen. In jenem Moment begriff ich die Sinnlosigkeit meiner Flucht, begriff mein Schicksal und wünschte mir den Tod statt diesem unendlichem Grauen. Erschöpft blieb ich stehen, mein Herz schlug weiter, dankbar sog meine Lunge die Luft ein, schon fiel ich auf die Knie, da erreichte Er mich. Er hüllte mich ein, mit seiner Aura, mit seinem Umhang, heiss brannte sein Atem in meinem Nacken. Schon wollte mich das Grauen übermahnen, da begriff ich meine unsinnige Angst, erkannte meinen Irrtum. Erschöpft und dankbar fiel ich in seine Arme und in einen tiefen Schlaf…

11. Juni 1997