{"id":450,"date":"2009-07-02T12:52:54","date_gmt":"2009-07-02T10:52:54","guid":{"rendered":"http:\/\/neu.kopfchaos.ch\/?p=450"},"modified":"2009-07-02T12:52:54","modified_gmt":"2009-07-02T10:52:54","slug":"die-raupe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kopfchaos.ch\/index.php\/2009\/07\/02\/die-raupe\/","title":{"rendered":"Die Raupe"},"content":{"rendered":"<p><em> Daniel: hebr. = mein Richter ist Gott<\/em><\/p>\n<p>&#8222;Made&#8220; fiel anna spontan ein, als sie Daniel da so liegen sah. Sofort korrigierte sie sich. Wie er da lag, in seine Decke eingewickelt, erinnerte er sie an die fette, rauchende Raupe aus Alice im Wunderland. Erst jetzt wurde ihr klar, dass dieses Ding ja friedlich am Opium rauchen ist, die ganze Zeit. Und waren die Ratschl\u00e4ge der Raupe an Alice nicht immer irgendwie verwirrend, unklar? anna grinste vor sich hin. Dann sah sie sich im Zimmer um und fragte sich, wie sie hierher gekommen war.<\/p>\n<p>Daniel schien fest zu schlafen auf seinem Futon. Eine andere Erinnerung dr\u00e4ngte sich kurz in annas Kopf, um sich dann zwischen der T\u00fcr vom Schlaf- ins Wohnzimmer zu verlieren. anna ging in die K\u00fcche. Daniel hatte eine typische Jungesellenwohnung. Schmutziges Geschirr stapelte sich neben dem Herd. Mit einem L\u00e4cheln erinnerte sie sich an das erste Gespr\u00e4ch in dieser K\u00fcche. Daniel war die Unordnung peinlich gewesen. anna hatte nur gelacht und ihn beruhigt: &#8222;Bei mir sieht es Freitags auch so aus. Und ich werde mich h\u00fcten, etwas zu sagen. Seit ich mich dar\u00fcber aufgeregt habe, dass in unserer Gesellschaft der Lebenserfolg eines Menschen daran gemessen wird, wie sauber er seine Wohnung halten kann und nicht, ob er gl\u00fccklich ist, habe ich wohl auch kein Recht mehr dazu.&#8220; Sp\u00e4ter war ihr diese Erkl\u00e4rung etwas peinlich gewesen. Sie klang platt und bem\u00fcht gesellschaftfeindlich. anna liess sich in Daniels Fernsehsessel fallen. Aus dem Schlafzimmer wehte ein Seufzer her\u00fcber. Der Fernsehsessel war richtig super. Der Himmel weiss, wie Daniel ihn gefunden hatte. Der edel schimmernde, dunkelblaue Bezug war mit grossen Sonnenblumen bedruckt&#8230;<\/p>\n<p>anna liess ihren Blick tr\u00e4ge aber fasziniert \u00fcber die Unordnung schweifen. Sie dachte an ihre eigene Wohnung. Stellte sich ihre M\u00f6bel in diesem Raum vor und l\u00e4chelte dabei. Dieser Platz war so gut wie jeder andere, und sie war sowieso nirgendmehr zu Hause. anna h\u00f6rte das Rascheln der Decke. Daniel war aufgewacht und versuchte, sich aus der unfreiwilligen Umarmung zu l\u00f6sen.<\/p>\n<p>Als er ins Wohnzimmer kam, hatte sie ihn immer noch nicht freigegeben. Daniel h\u00fcpfte auf anna zu. Sah sie bittend an: &#8222;Kannst du mir aus dieser bl\u00f6den Decke helfen?&#8220; anna sah ihn an. Dann lachte sie, steigerte sich von einem leisen Kichern in ein donnerndes Lachen. &#8222;Was willst du von mir Daniel? Sei doch froh, dass du kein K\u00e4fer geworden bis!&#8220;<\/p>\n<p><em>13. April 2002<br \/>\nAnmerkung: Eigentlich macht es sich nicht so gut, Geschichten zu erkl\u00e4ren. *l\u00e4chel*<br \/>\nEs gibt von Franz Kafka eine Kurz-Geschichte mit dem Titel &#8218;Der K\u00e4fer&#8216;. Darin verwandelt sich ein junger Mann langsam vom Menschen in einen riesigen K\u00e4fer. Soweit ich das noch im Kopf habe, stirbt er am Schluss, ermordert von seiner eigenen Familie&#8230;<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Daniel: hebr. = mein Richter ist Gott &#8222;Made&#8220; fiel anna spontan ein, als sie Daniel da so liegen sah. Sofort korrigierte sie sich. Wie er da lag, in seine Decke eingewickelt, erinnerte er sie an die fette, rauchende Raupe aus Alice im Wunderland. 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