{"id":474,"date":"2009-07-10T15:16:57","date_gmt":"2009-07-10T13:16:57","guid":{"rendered":"http:\/\/neu.kopfchaos.ch\/?p=474"},"modified":"2009-07-10T15:16:57","modified_gmt":"2009-07-10T13:16:57","slug":"anna-kocht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kopfchaos.ch\/index.php\/2009\/07\/10\/anna-kocht\/","title":{"rendered":"anna kocht"},"content":{"rendered":"<p>Samstag. Langeweile. anna war fr\u00fch aufgestanden. Brav zur Post gegangen. Der Nacken k\u00fcndigte den ganzen Tag Kopfweh an, doch es kam nie richtig. Sie sah viel fern und r\u00e4umte etwas auf.<\/p>\n<p>Um sieben entschied sich anna, Abendessen zu kochen. Der K\u00fchlschrank war noch voller Gem\u00fcse. Auf Bl\u00e4tterteig, dar\u00fcber eine Eiersauce, das lag nahe. anna nahm die Kartoffeln aus dem K\u00fchlfach, wo sie in K\u00fcrze vor sich hinschimmeln w\u00fcrden. Schnitt den Sack auf und begann die Kartoffeln zu sch\u00e4len.<\/p>\n<p>Ungef\u00e4hr nach der H\u00e4lfte meldete sich ihr Handy. &#8222;Piep, piep&#8220; k\u00fcndete es ein SMS an. anna st\u00f6hnte genervt auf, wusch ihre H\u00e4nde mit klarem Wasser ab und holte das Handy in die K\u00fcche. Depeche Mode weinte einer verpassten Liebe hinterher, und anna las ihre Nachricht: was machst du gerade? stand da. anna l\u00e4chelte. es ist samstagabend, warum bist du nicht im ausgang? schrieb sie zur\u00fcck. Thomas w\u00fcrde sie mindestens 5 Minuten auf die Antwort warten lassen, also machte sie sich wieder an die Arbeit. &#8222;Piep, piep&#8220;. woher willst du wissen, dass ich NICHT im ausgang bin? was machst du gerade?. Die Antwort war einleuchtend. anna gab es auf. ich koche. Keine sehr witzige Antwort, aber es ging hier ja auch nicht um das Erringen des Nobelpreises f\u00fcr Literatur. &#8222;Piep, piep&#8220;. anna hatte sich in der Zwischenzeit einen Nagel abger\u00fcstet. Auch ein kleines St\u00fcck Haut aus dem Zeigefinger. Zum Gl\u00fcck war es nur Haut. kann ich dir dabei helfen?. anna schaute einen Moment gedankenverloren auf den Haufen Kartoffelpellen, der sich schon angesammelt hatte. Eine Kartoffel lag erst halb gesch\u00e4lt obenauf. Sie sah sie pl\u00f6tzlich voller Blut. Rotes Blut aus ihrem Finger. Dann wurde das Bild schwarz-weiss. anna r\u00e4usperte sich und \u00fcberlegte, was sie als Antwort schreiben sollte. Nat\u00fcrlich konnte ihr Thomas nicht beim Kochen helfen. Wenn er k\u00e4me, w\u00e4re der Kuchen bereits im Ofen. klar :-). Sie w\u00fcrde den Literaturnobelpreis nie erringen. ich bringe den nachtisch mit :-). anna l\u00e4chelte wieder. W\u00e4hrend sie die Kartoffeln weiter sch\u00e4lte und sich verfluchte, einen sack mit klitzekleinen Kartoffeln erwischt und gekauft zu haben, kam ihr pl\u00f6tzlich ein erheitender und schauriger Gedanke. Sie sah Thomas vor sich, wie er einen dieser furchtbaren M\u00e4nnerdessous trug. Mit Tigermuster. anna musste laut lachen.<\/p>\n<p>Thomas kam, und brachte eine Schachtel mit Rumkugeln mit. anna war irritiert. Sie wusste, was Thomas von Rumkugeln hielt. Das gleiche, was sie oft zu h\u00f6ren bekam: &#8222;Konditoreiabf\u00e4lle, w\u00e4h, wie kannst du das nur essen?&#8220; anna hatte eine Schw\u00e4che f\u00fcr Rumkugeln.<\/p>\n<p>Das Essen verlief schweigsam. Thomas hatte auch eine Flasche Wein mitgebracht, und das dunkle Rot des Weines brach sich wundersch\u00f6n im Licht der Kerzen. Durch ihren Schein konnte anna Thomas&#8216; Blicke auf sich f\u00fchlen.<\/p>\n<p>Nach dem Essen wechselten sie ins Schlafzimmer. &#8222;Zieh dich aus&#8220;, forderte Thomas anna mit einem L\u00e4cheln auf. Sie tat es. Einen Moment h\u00e4tte sie fast laut gelacht. Nein, es sollte kein Striptease sein, nur ein erotisches ausziehen. Wie passend, dass just in diesem Moment Phil Collins &#8218;In the Air tonight&#8216; anstimmte. Sie wog sich zu der Musik. Kn\u00f6pfte langsam ihre Bluse auf. Thomas folgte ihren H\u00e4nden mit seinem Blick.<\/p>\n<p>&#8222;Leg dich hin&#8220;. anna legte sich aufs Bett. Es war warm und weich, und die Welt drehte ein bisschen um sie her. Thomas holte eine Rumkugel aus der Schachtel. &#8222;Jetzt will ich meinen Nachtisch&#8220;, murmelte er mit einem Grinsen und br\u00f6selte Schockoladenstreusel auf annas Bauch. Die Schokolade gl\u00e4nzte auf der Haut, und schmolz bereits da und dort. Thomas beugte sich \u00fcber annas Bauch und legte sie auf. F\u00fcr einen kurzen Augenblick war sie froh, dass ihre Bettw\u00e4sche schwarz war. Wenn er aber so weitermachte, w\u00fcrden sie heute Nacht in einem Meer von Schockoladenstreusel schlafen. Diese w\u00fcrden durch ihre K\u00f6rperw\u00e4rme schmelzen und sie beide w\u00fcrden morgen wie zwei Schwarze aussehen. anna l\u00e4chelte. Welch gute Ausrede f\u00fcr eine gemeinsame Dusche. Thomas&#8216; Zunge wanderte weiter&#8230;<\/p>\n<p>16. M\u00e4rz 2002<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Samstag. Langeweile. anna war fr\u00fch aufgestanden. Brav zur Post gegangen. Der Nacken k\u00fcndigte den ganzen Tag Kopfweh an, doch es kam nie richtig. Sie sah viel fern und r\u00e4umte etwas auf. Um sieben entschied sich anna, Abendessen zu kochen. Der K\u00fchlschrank war noch voller Gem\u00fcse. 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