{"id":586,"date":"2009-07-10T16:07:18","date_gmt":"2009-07-10T14:07:18","guid":{"rendered":"http:\/\/neu.kopfchaos.ch\/?p=586"},"modified":"2009-07-10T16:07:18","modified_gmt":"2009-07-10T14:07:18","slug":"reise-in-das-land","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kopfchaos.ch\/index.php\/2009\/07\/10\/reise-in-das-land\/","title":{"rendered":"Reise in das Land"},"content":{"rendered":"<p>Er flog, flog \u00fcber Felder und Wiesen, \u00fcber H\u00e4user, D\u00f6rfer, St\u00e4dte, \u00fcber L\u00e4nder, und vielleicht auch \u00fcber Welten. Er \u00fcberflog W\u00fcsten und W\u00e4lder, Meere und Berge. Schliesslich landete er. Er fiel in weiches Gras, erst jetzt entdeckte er, dass die Sonne schon lange untergegangen war. Die Sterne standen hell am Himmel, es waren jedoch nicht seine Sterne. Doch sie spendeten ihm einen Trost, den er noch nie zuvor gef\u00fchlt hatte. Unbeweglich lag er da, kein Ger\u00e4usch st\u00f6rte die Stille, selbst seine Gedanken schwiegen. Nach einiger Zeit schlief er ein, sanfte Tr\u00e4ume begleiteten seinen Schlaf. Fr\u00fch am Morgen wachte er auf, erst blieb er noch etwas liegen, doch dann erhob er sich und blickte neugierig auf das Land, welches vor ihm lag. Das Land sah frisch und jung aus, in den B\u00e4umen zwitscherten einige V\u00f6gel, von weit her kamen ihre Ges\u00e4nge, leise und dennoch unglaublich klar. Langsam erhob sich die Sonne \u00fcber den Horizont, ihre Strahlen liessen die Tautropfen golden schimmern, wie ein Juwel erschien ihm das Land. In der N\u00e4he pl\u00e4tscherte ein Bach und pl\u00f6tzlich sp\u00fcrte er Durst. Er machte sich auf den Weg, folgte dem Murmeln und betrachtete dabei vergn\u00fcgt die herrlichen Blumen, an denen er vorbeiging. Sie leuchteten gelb und rot und in allen Farben des Regenbogens. Da standen Blumen, von deren Sch\u00f6nheit er nie zu tr\u00e4umen gewagt h\u00e4tte. Dunkelviolette Akelaien standen in sch\u00f6nster Bl\u00fcte, und der Boden um sie war mit ihren eigenen Bl\u00fctenbl\u00e4ttern bedeckt. L\u00e4chelnd und gl\u00fccklich erreichte er den Bach, der sich glitzernd durch das Land wand. Vorsichtig liess er sich am Ufer nieder und beugte sich vor, um zu trinken. Eiskalt rann das Wasser durch seine Kehle, wie frisches Quellwasser erquickte es seinen K\u00f6rper und seine Seele. Schliesslich fasste er sich ein Herz und sprang in den Bach, prustend sp\u00fcrte er die K\u00e4lte des Wassers. Vergn\u00fcgt beobachtete er die Wassertropen, die an seiner Haut hinab rannen, wie mit tausend Diamanten besetzt sah sie aus. Langsam stieg er aus dem Wasser, die Strahlen der Sonne trockneten ihn, sie selbst war noch weiter gestiegen und vertrieb die letzten Schatten unter den B\u00e4umen. Noch immer zwitscherten munter die V\u00f6gel, weit weg und doch so klar, als ob sie vor ihm s\u00e4ssen. Er setzte sich unter eine alte, kr\u00e4ftige Eiche und ruhte sich etwas aus. Wieder schwiegen seine Gedanken, seine Seele f\u00fchlte sich besch\u00fctzt und geborgen.<\/p>\n<p>Nach einiger Zeit stand er auf, breitete seine Arme aus und flog der Sonne entgegen. Er musste schliesslich zum Fr\u00fchst\u00fcck wieder zu Hause sein&#8230;<\/p>\n<p>13. Juni 1996<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Er flog, flog \u00fcber Felder und Wiesen, \u00fcber H\u00e4user, D\u00f6rfer, St\u00e4dte, \u00fcber L\u00e4nder, und vielleicht auch \u00fcber Welten. Er \u00fcberflog W\u00fcsten und W\u00e4lder, Meere und Berge. Schliesslich landete er. Er fiel in weiches Gras, erst jetzt entdeckte er, dass die Sonne schon lange untergegangen war. 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