{"id":608,"date":"2009-07-10T16:14:16","date_gmt":"2009-07-10T14:14:16","guid":{"rendered":"http:\/\/neu.kopfchaos.ch\/?p=608"},"modified":"2009-07-10T16:14:16","modified_gmt":"2009-07-10T14:14:16","slug":"die-moderne-medizin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kopfchaos.ch\/index.php\/2009\/07\/10\/die-moderne-medizin\/","title":{"rendered":"Die moderne Medizin"},"content":{"rendered":"<p>6.11.2006<\/p>\n<p>\u201eK\u00f6nnen Sie mich h\u00f6ren? Hallo, so sagen Sie doch was!\u201c Ein stetiges R\u00fctteln und ein uns\u00e4glich nervender, sich wiederholender L\u00e4rm hatten mich geweckt. Ich blinzelte in eine grelle Helligkeit. Dann schob sich ein Schatten vor die Lichtquelle und ich erkannte den Kopf eines Sanit\u00e4ters oder Arztes. Er sah besorgt auf mich herunter und bewegte dabei die Lippen. Erst nach einigen Sekunden wurde mir klar, dass er wohl mit mir reden musste. Meine Armbeuge f\u00fchlte sich an, als h\u00e4tte jemand versucht, mir ein Stachelschwein in die Vene zu dr\u00fccken. Von meinem Handgelenk breitete sich eine willkommene Dumpfheit aus, und ich wusste, sie hatten die Infusion schliesslich knapp \u00fcber dem Daumen einf\u00fchren m\u00fcssen. Von meinen zarten Rollvenen konnten die Damen bei der Blutspende ein Lied singen.<\/p>\n<p>Der Kerl richtete den Lichtstrahl einer Taschenlampe in meine Augen, so dass ich pl\u00f6tzlich nichts mehr sehen konnte. Daf\u00fcr kamen seine Worte endlich in meinem Gehirn an. \u201eSind Sie wach? Wie heissen Sie? Sagen Sie mir Ihren Namen!\u201c Sein Br\u00fcllen ging mir auf die Nerven und ich fragte mich, wie seine Stimme in normaler Lautst\u00e4rke klingen w\u00fcrde. \u201eAnna\u201c, w\u00fcrgte ich hervor. Beim sprechen f\u00fchlte sich mein Hals pl\u00f6tzlich v\u00f6llig ausgetrocknet an, als h\u00e4tte ich die letzen Tage in einer W\u00fcste verbracht. \u201eWelchen Tag haben wir heute?\u201c Menno, war ich hier in Emergency Room oder was? Welcher Witzbold denkt sich eigentlich so eine Frage aus? Als ob jeder Mensch immer genau w\u00fcsste, was f\u00fcr ein Tag ist. W\u00e4re Weihnachten gewesen, oder mein Geburtstag, h\u00e4tte ich das Datum vielleicht gewusst, aber sicher nicht einfach so. \u201eGeben Sie mir meine Uhr, dann kann ich es ihnen sagen\u201c, kr\u00e4chzte ich, und versuchte, meinen Arm in Augenh\u00f6he zu heben. Leider war er festgebunden.<\/p>\n<p>\u201eNa gut, dann eine andere Frage: Wie heisse ich?\u201c \u201eKann ich hellsehen? Sagen Sie mir lieber, was mit mir los ist?\u201c, schnappte ich w\u00fctend zur\u00fcck. Der Kerl ging mir m\u00e4chtig auf die Nerven mit seiner Fragerei. Irgendwelche Dr\u00fcsen in meinem Rachen begannen aufgrund der Trockenheit in meinem Mund sensationell schnell anzuschwellen. Ich holte keuchend Luft und versuchte eine aufstiegende Panik niederzuk\u00e4mpfen. Als ich den Atem wieder ausstiess, verliss er meine Lungen in Form eines gr\u00fcnen Nebels. \u201eWoh, was haben wir denn hier? Da braucht wohl jemand eine anst\u00e4ndige Infusion Morphium.\u201c Morphium? War der Kerl v\u00f6llig verr\u00fcckt geworden? Ich hatte irgendwelchen gr\u00fcnen Rauch in der Lunge, ich brauchte sicher keine Schmerzmitteldroge dagegen! Ich begann mich gegen die Gurte der Krankentrage zu wehren und meinen Kopf hektisch hin und her zu werfen. Doch es war zu sp\u00e4t. Ich sp\u00fcrte, wie eine kalte, moosgr\u00fcne Fl\u00fcssigkeit durch mein Blut raste. Mein Herz zog es gierig in meinen K\u00f6rper, und als die Droge mein Gehirn erreichte, wurde mein Atem braun.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>6.11.2006 \u201eK\u00f6nnen Sie mich h\u00f6ren? Hallo, so sagen Sie doch was!\u201c Ein stetiges R\u00fctteln und ein uns\u00e4glich nervender, sich wiederholender L\u00e4rm hatten mich geweckt. Ich blinzelte in eine grelle Helligkeit. Dann schob sich ein Schatten vor die Lichtquelle und ich erkannte den Kopf eines Sanit\u00e4ters oder Arztes. 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