{"id":636,"date":"2009-07-10T16:20:30","date_gmt":"2009-07-10T14:20:30","guid":{"rendered":"http:\/\/neu.kopfchaos.ch\/?p=636"},"modified":"2009-07-10T16:20:30","modified_gmt":"2009-07-10T14:20:30","slug":"antreiber","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kopfchaos.ch\/index.php\/2009\/07\/10\/antreiber\/","title":{"rendered":"Antreiber"},"content":{"rendered":"<p>16.11.2006<\/p>\n<p>\u201eMensch Anna, so wird das nie was\u201c, rief Annabelle verzweifelt aus und stellte ihre Kaffeetasse bestimmt auf den Tisch. \u201eDu musst die Sache jetzt endlich mal angehen! Wir haben schon seid zwei Monaten Vorlesungen, und du hast ihn immer noch nicht angesprochen!\u201c \u201eJa, genau, so schwer ist das nicht\u201c, warf Beat seine zwei Cents an Gedanken ein. Ich warf ihm einen meiner gef\u00fcrchteten Todesblicke zu. Leider fiel er nicht tot um, sondern fuhr gleich weiter: \u201eDu musst mich auch nicht mit deinem gef\u00fcrchteten Todesblick ansehen. Annabelle hat recht. Ich hab dich beobachtet! Jedesmal wenn Emanuel kommt, begr\u00fcsst du ihn mit einem breiten L\u00e4cheln und beginnst zu gl\u00fchen!\u201c \u201eIch gl\u00fche? Ah, darum riecht es neuerdings immer so verkohlt in den Bankreihen\u201c, warf ich sarkastisch ein. \u201eIch meine es ernst. Lad ihn mal endlich zum Kaffeetrinken ein. Oder noch besser, frag ihn, ob er mir dir an die Psychoparty geht.\u201c Ich schnaubte ver\u00e4chtlich. \u201ePsychoparty, du machst mir Spass, und wie soll ich wieder nach Hause kommen?\u201c \u201eDas ist ja der Zweck der ganzen Sache. Emanuel wohnt irgendwo in dem Quartier, wo die Party stattfindet. Was f\u00fcr eine gute Gelegenheit.\u201c Auf Annabelles Gesicht breitete sich ein ein schmutziges Grinsen aus. \u201eHa, wof\u00fcr h\u00e4lst du mich nur? Ich springe doch nicht gleich beim ersten Date mit einem Kerl in die Kiste!\u201c, spielte ich die Entr\u00fcstete. \u201eW\u00fcrde dir aber gut tun\u201c, entgegnete Beat trocken. Ich konnte nicht anders und lachte los. \u201eOkay, ihr habt mich \u00fcberzeugt, ich frag ihn. Aber ich fahr an dem Tag wieder nach Hause, wollte schon immer mal den Nachtzug ben\u00fctzen.\u201c<\/p>\n<p>Eine Stunde sp\u00e4ter f\u00fchlte ich mich nicht mehr so selbstsicher und \u00fcberschw\u00e4nglich. Tats\u00e4chlich hatte ich das Bed\u00fcrfnis, meine Fingern\u00e4gel bis zur Wurzel abzuknabbern, mich zu \u00fcbergeben und mir in die Hosen zu machen. Alles zeitgleich nat\u00fcrlich. Emanuel kam wie immer eine Viertelstunde vor Vorlesungsbeginn. Wie sollte ich das Gespr\u00e4ch nur anfangen. Himmel. Keine Ahnung! Panik! Hilfe!<\/p>\n<p>\u201cHallo Emanuel\u201d, sprach ich ihn an. Das war sicher die einfallreichste Einleitung, aber verdammt, es ging auch nicht darum, einen Nobelpreis in Rhetorik zu gewinnen. \u201eHei Anna. Wie geht\u2019s?\u201c Toll, ich war einfach der Oberverlierer. V\u00f6llig ungeeignet f\u00fcr solche Gespr\u00e4che. Mir fiel nicht mal ein, mich nach seinem Befinden zu erkundigen. \u201eDanke, gut. Du, ich wollte dich was fragen.\u201c Nun war ich wirklich kurz davor, auf den Tisch zu kotzen. Das w\u00fcrde sicher total viel Eindruck machen. Einen schlechten nat\u00fcrlich. Tolle Geschichte f\u00fcr meine Enkel: \u201eTja meine Lieben, euer Opa und ich, wir sind uns n\u00e4her gekommen, nachdem ich mich an der Uni \u00fcber ihn \u00fcbergeben habe. So war das damals. Ja ja, die guten alten Zeiten.\u201d<\/p>\n<p>Einen Moment war ich irritiert, schon so weit zu denken, dann fiel mir wieder ein, dass ich im jetzt und hier war und ihn fragen musste. Emanuel sah mich bereits wartend an. Okay, tief luft holen: \u201eHast du am Freitag schon was vor?\u201c \u201c\u00c4hm, ich muss am Vormittag arbeiten, und am Nachmittag ist ja das Proseminar\u2026\u201d Na super, er hatte offenbar keine Lust. Kein Mensch, beantwortet eine so offensichtliche Frage, die garantiert nicht auf seine Tagespl\u00e4ne, sondern auf den Abend abzielte, so bescheuert. Immerhin, nun konnte ich Annabelle und Beat sagen, dass er entweder nicht interessiert oder nicht helle genug war. \u201e\u2026warum?\u201c Oh. Er hat gefragt, warum\u2026 \u201eNaja, am Freitag ist ja die Psychoparty, und ich hab mich gefragt, ob du Lust hast, mit mir da hin zu gehen \u2013 falls du nicht schon eine Begleitung hast?\u201c Falls ja, w\u00fcrde ich sie finden und t\u00f6ten m\u00fcssen. Nachdem ich mich endlich getraut hatte, ihn zu fragen, musste er einfach mit mir gehen. Dahin meine ich nat\u00fcrlich.<\/p>\n<p>\u201eHm, das ist jetzt bl\u00f6d. Ich muss nach dem Proseminar\u2026.\u201c. Darauf folgte irgend eine doofe Erkl\u00e4rung, auf die ich nat\u00fcrlich total verst\u00e4ndig reagierte. Das Leben ist Scheisse.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>16.11.2006 \u201eMensch Anna, so wird das nie was\u201c, rief Annabelle verzweifelt aus und stellte ihre Kaffeetasse bestimmt auf den Tisch. \u201eDu musst die Sache jetzt endlich mal angehen! 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