{"id":680,"date":"2009-07-10T16:33:36","date_gmt":"2009-07-10T14:33:36","guid":{"rendered":"http:\/\/neu.kopfchaos.ch\/?p=680"},"modified":"2009-07-10T16:33:36","modified_gmt":"2009-07-10T14:33:36","slug":"da-capo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kopfchaos.ch\/index.php\/2009\/07\/10\/da-capo\/","title":{"rendered":"Da Capo"},"content":{"rendered":"<p>26.11.2006<\/p>\n<p>\u201cHallo Emanuel\u201d, sprach ich ihn an. Das war sicher nicht die einfallreichste Einleitung, aber verdammt, es ging auch nicht darum, einen Nobelpreis in Rhetorik zu gewinnen. \u201eHei Anna. Wie geht\u2019s?\u201c Toll, ich war einfach der Oberverlierer. V\u00f6llig ungeeignet f\u00fcr solche Gespr\u00e4che. Mir fiel nicht mal ein, mich nach seinem Befinden zu erkundigen. \u201eDanke, gut. Du, ich wollte dich was fragen.\u201c Nun war ich wirklich kurz davor, auf den Tisch zu kotzen. Das w\u00fcrde sicher total viel Eindruck machen. Einen schlechten nat\u00fcrlich. Tolle Geschichte f\u00fcr meine Enkel: \u201eTja meine Lieben, euer Opa und ich, wir sind uns n\u00e4her gekommen, nachdem ich mich an der Uni \u00fcber ihn \u00fcbergeben habe. So war das damals. Ja ja, die guten alten Zeiten.\u201d<\/p>\n<p>Einen Moment war ich irritiert, schon so weit zu denken, dann fiel mir wieder ein, dass ich im Jetzt und Hier war und ihn fragen musste. Emanuel sah mich bereits wartend an. Okay, tief Luft holen: \u201eHast du am Freitag schon was vor?\u201c \u201c\u00c4hm, ich muss am Vormittag arbeiten, und am Nachmittag ist ja das Proseminar\u2026\u201d Na super, er hatte offenbar keine Lust. Kein Mensch, beantwortet eine so offensichtliche Frage, die garantiert nicht auf seine Tagespl\u00e4ne, sondern auf den Abend abzielte, so bescheuert. \u201e\u2026warum?\u201c Oh. Er hat gefragt, warum\u2026 \u201eNaja, am Freitag ist ja die Psychoparty, und ich hab mich gefragt, ob du Lust hast, mit mir da hin zu gehen \u2013 falls du nicht schon eine Begleitung hast?\u201c Falls ja, w\u00fcrde ich sie finden und t\u00f6ten m\u00fcssen. Nachdem ich mich endlich getraut hatte, ihn zu fragen, musste er einfach mit mir gehen. Dahin meine ich nat\u00fcrlich.<\/p>\n<p>\u201eDas ist eine gute Idee! Ich hatte letztes Jahr ein total schlechtes Gewissen, dass ich wegen dieser l\u00e4cherlichen Sache nicht zusagen konnte. Jetzt haben wir ja nochmal eine Chance. Ich freu mich, wann treffen wir uns wo?\u201c \u201eDie letzte Vorlesung am Freitag ist ja um 19 Uhr fertig. Da lohnt es sich f\u00fcr mich nicht, nochmal nach Hause zu fahren. Ich warte also hier und bin ab dann verf\u00fcgbar.\u201c \u201eWie w\u00e4re es dann mit Abendessen? Ich k\u00f6nnte uns was kochen. Magst du Pizza?\u201c \u201eIch liebe Pizza! Soll ich was mitbringen? Eine Flasche Wein?\u201c \u201eDas w\u00e4re perfekt. Dann also Abendessen und Psychoparty am Freitag.\u201c Ich sah ihn strahlend an. \u201eSuper! Ok, wir sehen uns ja noch, ich muss nun in die Mensa, Annabelle und Beat wollen nochmal das Kovariationsprinzip durchgehen. Bis sp\u00e4ter.\u201c \u201eJa, bis sp\u00e4ter.\u201c Emanuel erwiederte mein Strahlen.<\/p>\n<p>Auf dem Weg zur Mensa begann ich zu bef\u00fcrchten, dass meine Gesichtsmuskulatur bis Freitag vollst\u00e4ndig gel\u00e4hmt w\u00e4re. Als ich bei Annabelle und Beat ankam, reiche ein Blick: \u201eEr hat ja gesagt!\u201c, stellte Annabelle mit einem begeisterten Tonfall fest. \u201eHat er! Ja, hat er wirklich! Oh du meine G\u00fcte, ich kann es einfach nicht glauben, er hat ja gesagt! Und mich erst noch zum Abendessen bei sich eingeladen! Ich glaub ich sterbe!\u201c \u201eKein guter Zeitpunkt, das solltest du auf Samstag verschieben\u201c, kommentierte Beat grinsend meinen kleinen Freudesausbruch. \u201eGute Idee. Meine Oma hatte doch Recht\u201c, stiess ich atemlos hervor. \u201eWomit denn?\u201c, wollte Annabelle wissen. \u201eMeine Oma sagte immer: \u201eGut Ding will Weile haben. Obwohl ich ein Jahr f\u00fcr eine verdammt lange Zeit halte. Aber ich will mich nicht beklagen. Abendessen!\u201c Das Leben ist wundervoll!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>26.11.2006 \u201cHallo Emanuel\u201d, sprach ich ihn an. Das war sicher nicht die einfallreichste Einleitung, aber verdammt, es ging auch nicht darum, einen Nobelpreis in Rhetorik zu gewinnen. \u201eHei Anna. Wie geht\u2019s?\u201c Toll, ich war einfach der Oberverlierer. V\u00f6llig ungeeignet f\u00fcr solche Gespr\u00e4che. Mir fiel nicht mal ein, mich nach seinem Befinden zu erkundigen. \u201eDanke, gut. 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