{"id":706,"date":"2009-07-10T16:39:44","date_gmt":"2009-07-10T14:39:44","guid":{"rendered":"http:\/\/neu.kopfchaos.ch\/?p=706"},"modified":"2009-07-10T16:39:44","modified_gmt":"2009-07-10T14:39:44","slug":"wenn-regen-faellt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kopfchaos.ch\/index.php\/2009\/07\/10\/wenn-regen-faellt\/","title":{"rendered":"Wenn Regen f\u00e4llt"},"content":{"rendered":"<p>17.12.2006<\/p>\n<p>Es hatte schon seit Wochen nicht mehr aufgeh\u00f6rt zu regnen. Es war mir ein R\u00e4tsel, wie es so unglaublich heiss sein konnte, w\u00e4hrend sich der Himmel schon seit einer gef\u00fchlten Ewigkeit ausweinte. Musste ja was wirklich Schlimmes passiert sein.<\/p>\n<p>Ich war an diesem Morgen mehr schlecht als recht aufgestanden. Die halbe Nacht hatte ich mich wegen der feuchten Hitze hin und her geworfen. Der Regen schlug gegen den geschlossenen Fensterladen, jeder Tropfen ein weiterer Schlafr\u00e4uber. Meine Gedanken flossen langsam und unkontrolliert dahin. Im einen Moment wunderte ich mich, ob wohl bald tropische B\u00fcsche in den G\u00e4rten zu wachsen beg\u00e4nnen, im n\u00e4chsten schwamm ich durch einen weiten See.<\/p>\n<p>Nun stand ich mit einer Tasse lauwarmen Kaffees am Fenster und sah nach draussen. Interessanterweise hatte der Fluss vor dem Haus sich bei einem bestimmten Niveau eingependelt. Ich hatte Anfangs noch bef\u00fcrchtet, dass er aus seinem Bett ausbrechen und die Strasse \u00fcberfluten k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>\u00dcber der Stadt hing dichter Nebel, und dar\u00fcber musste wohl die Sonne scheinen. Ich \u00fcberlegte, ob ich meinen Vetter anrufen sollte. Als Pilot konnte er mir sicher best\u00e4tigen, ob die Sonne tats\u00e4chlich noch da war, oder ob sie zwischenzeitlich von einer geheimen Regierungsorganisation durch einen unglaublich grossen Scheinwerfer ersetzt worden war. Heute war ja alles m\u00f6glich. Ich l\u00e4chelte in meinen Kaffee.<\/p>\n<p>Nach dem letzten Schluck putzte ich mir die Z\u00e4hne, schnappte mir Handtasche und Regenschirm und wagte mich in die Wassermassen mit Ziel Arbeitsstelle. Der Tag verlief ruhig. Das laute Surren unserer Ventilatoren schien alle im \uf042\u00fcro ein wenig schl\u00e4frig zu machen, es wurde kaum ein Wort gesprochen. Eine kurze Besprechung mit meinem Kollegen Hubert verschob ich auf den n\u00e4chsten Tag, was ich schon die letzten drei Tage gemacht hatte. Pl\u00f6tzlich erklang ein Warnton aus meinen Kopfh\u00f6rern. Es war 17 Uhr, Zeit, nach Hause zu gehen.<\/p>\n<p>Angewidert zog ich meine Hose aus. Es war mir ein R\u00e4tsel, wie ich sie immer bis unter die Pobacken durchn\u00e4ssen konnte. Ich konnte mich nicht erinnern, irgendwie ungew\u00f6hnlich gelaufen zu sein. Annarose hatte mir w\u00e4hrend ich auf dem Heimweg war ein SMS geschrieben, ob wir uns mal wieder auf einen Tee treffen wollten. Ich vermutete schon lange, dass sie irgendwo eine Erinnerungsfunktion hatte, hatte jedoch den Rhythmus noch nicht entziffern k\u00f6nnen. Also ging ich zu meinem Jahreskalender und trug ein: 22. Juli, SMS von Annarose. Dann rief ich sie pflichtbewusst an.<\/p>\n<p>Wie zu erwarten, hatte Annarose eigentlich auch keine grosse Lust, ihre Wohnung zu verlassen. Wir kl\u00f6nten eine halbe Stunde \u00fcber das eint\u00f6nige, nasse Wetter, M\u00e4nner, nervige Kunden und die neuesten Weltgeschehnisse. Um genau zu sein, informierte mich Annarose \u00fcber letztere, da ich mich strikt weigerte, Zeitung zu lesen oder Nachrichten zu gucken. Die schlechten Nachrichten \u00fcber Krieg und Mord in aller Welt l\u00f6sten in mir jedesmal eine Daseins-Krise aus. Die Welt war schlecht, das wollte ich nicht auch noch t\u00e4glich sehen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Nach dem Telefongespr\u00e4ch legte ich mich nur mit einer leichten Hose und einem T-Shirt bekleidet aufs Bett. Bloss nicht bewegen. Sogar das atmen schien mir zu anstrengend. Ich dachte kurz an die Rechnungen, die sich auf meinen Schreibtisch stapelten, und beschloss dann, sie ebenfalls noch ein paar Tage zu ignorieren. Wenn der Gerichtsvollzieher mein Bett holt, w\u00fcrde ich mir weitere Gedanken machen.<\/p>\n<p>Durch die einzelnen Lamellen des Rollladens fiel Licht ins Zimmer. Ich h\u00f6rte meinen Atemz\u00fcgen zu, und dem Schnurren meiner Katze, die es sich auf dem zweiten Kopfkissen gem\u00fctlich gemacht hatte. Im Schatten meines Kleiderschrankes stand der schwarze Mann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>17.12.2006 Es hatte schon seit Wochen nicht mehr aufgeh\u00f6rt zu regnen. Es war mir ein R\u00e4tsel, wie es so unglaublich heiss sein konnte, w\u00e4hrend sich der Himmel schon seit einer gef\u00fchlten Ewigkeit ausweinte. Musste ja was wirklich Schlimmes passiert sein. Ich war an diesem Morgen mehr schlecht als recht aufgestanden. 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