{"id":708,"date":"2009-07-10T16:40:11","date_gmt":"2009-07-10T14:40:11","guid":{"rendered":"http:\/\/neu.kopfchaos.ch\/?p=708"},"modified":"2009-07-10T16:40:11","modified_gmt":"2009-07-10T14:40:11","slug":"auf-hoher-see","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kopfchaos.ch\/index.php\/2009\/07\/10\/auf-hoher-see\/","title":{"rendered":"Auf hoher See"},"content":{"rendered":"<p>09.01.2007<\/p>\n<p>Das Meer lag ruhig da. Sanfte Wellen kr\u00e4uselten ab und zu die weiss schimmernde Oberfl\u00e4che, und das Sonnenlicht brach sich in ihnen. \u201eWie ein riesiger, glitzernder Diamant\u201c, ging es mir durch den Kopf. Immer wieder musste ich die Augen schliessen, weil diese Helligkeit so stechend war. Bis zum Horizont erstreckte sich diese weisse W\u00fcste, in alle Himmelsrichtungen dehnte sie sich aus.<\/p>\n<p>Es war bereits der f\u00fcnfte Tag auf der \u201eFlying Goat\u201c. Am vierten Tag hatte mein Magen den Kampf gegen die See endlich aufgegeben, und ich konnte wieder feste Nahrung zu mir nehmen. Ich war sehr erleichtert dar\u00fcber, denn bereits nach dem ersten Bissen f\u00fchlte ich mich schon deutlich besser. Die Mannschaft ging von meiner Kotzerei unbeeindruckt ihren Aufgaben nach, die beschr\u00e4nkt waren, solange wir uns mitten in der Passage befangen. Die Navigatorin \u00fcberpr\u00fcfte von Zeit zu Zeit anhand des Sonnen-, Mond- oder Sternenstandes den Kurs und nahm kleinere Korrekturen daran vor.<\/p>\n<p>Als ich den Frieden an Bord endlich geniessen konnte, erwachte auch wieder meine Neugier und Aufmerksamkeit. Nina, die Navigatorin, erz\u00e4hlte mir, dass in diesen Gew\u00e4ssern normale Kompasse nicht funktionierten. Trotz moderner Technik war es bisher niemandem gelungen, eine Erkl\u00e4rung daf\u00fcr zu finden. Es gab Ger\u00fcchte von einem gewaltigen Magnetberg unter der Wasseroberfl\u00e4che, bisher hatte aber noch niemand diese Theorie best\u00e4tigen k\u00f6nnen. So waren die Seeleute, welche die \u201eleere Passage\u201c durchqueren mussten, gezwungen, sich auf die alte Kunst des Navigierens mittels der Himmelsgestirne zu verlassen. \u201eFalls da unten wirklich ein grosser Berg ist, besteht er ganz sicher nur aus gekenterten Schiffen. Die K\u00fcste ist gef\u00e4hrlich, und nicht jeder Navigator ist heute noch mit den Gestirnen vertraut\u201c, f\u00fcgte Nina am Ende hinzu, um dann noch mal den Sonnenstand zu \u00fcberpr\u00fcfen.<\/p>\n<p>\u201eAusserdem kann hier das Wetter schnell umschlagen\u201c, fuhr sie dann fort, \u201eaber keine Angst. Hier ziehen zwar oft heftige St\u00fcrme auf, doch in den n\u00e4chsten Tagen wird es ruhig bleiben.\u201c Ich blickte auf das Meer, auf die gem\u00e4chlichen Wellen und den blauen Himmel dar\u00fcber.<\/p>\n<p>Ich verbrachte meine Tage damit, der Mannschaft etwas zur Hand zu gehen, auch wenn es f\u00fcr mich in dem eingespielten Team wenig zu tun gab. Dreimal pro Tag zauberte Sandro der Koch eine Mahlzeit, die jeden 5-Sternekoch zur Ehre gereichte. Den Rest der Zeit wurde gefischt, kleinere Reparaturarbeiten vorgenommen oder Karten gespielt. Abends sprachen wir dem Rum zu und sagen alte Piratenlieder. Und der Klabautermann tanzte f\u00fcr uns in den Masten der \u201eFlying Goat\u201c.<\/p>\n<p>Nach drei weiteren Tagen entdeckte ich die M\u00f6wen am Horizont. Wir hatten also die Landzunge erreicht. \u201eDer Bart des alten Mannes ist in Sicht!\u201c, br\u00fcllte Kilian aus dem Ausguck. \u201eNoch zwei Tage, wenn das Wetter h\u00e4lt\u201c, murmelte Nina, die bei Kilians Ank\u00fcndigung neben mir an die Reling getreten war. Noch zwei Tage also.<\/p>\n<p>Der Sturm fand uns in der Nacht vor der berechneten Ankunft in Port Hachven. \u201eBald ziehen Wolken auf. Du solltest nichts mehr essen heute. Bei einem Sturm ist es f\u00fcr eine Landratte nicht ratsam, \u00fcber der Reling zu h\u00e4ngen\u201c, informierte mich Kapit\u00e4n Rudolf. Ich stand auf dem Vorderdeck und versuchte die Wolken zu entdecken, von denen er gesprochen hat. Eine sanfte Brise fuhr mir durchs Haar und brachte den Geruch des Festlandes mit sich. Wir w\u00fcrden noch einen halben Tag unterwegs sein, bis uns die ersten M\u00f6wen erreichen konnten, um uns zu unserem Ziel zu eskortieren. Ein Tag noch, dann waren wir da. Ein Tag, und dazwischen ein Sturm. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>09.01.2007 Das Meer lag ruhig da. Sanfte Wellen kr\u00e4uselten ab und zu die weiss schimmernde Oberfl\u00e4che, und das Sonnenlicht brach sich in ihnen. \u201eWie ein riesiger, glitzernder Diamant\u201c, ging es mir durch den Kopf. Immer wieder musste ich die Augen schliessen, weil diese Helligkeit so stechend war. 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