{"id":710,"date":"2009-07-10T16:40:30","date_gmt":"2009-07-10T14:40:30","guid":{"rendered":"http:\/\/neu.kopfchaos.ch\/?p=710"},"modified":"2009-07-10T16:40:30","modified_gmt":"2009-07-10T14:40:30","slug":"der-kurs-vi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kopfchaos.ch\/index.php\/2009\/07\/10\/der-kurs-vi\/","title":{"rendered":"Der Kurs VI"},"content":{"rendered":"<p>09.01.2007<\/p>\n<p>\u201eWas machen wir jetzt?\u201c, brach ich schliesslich die Stille. Mir unheimlich zumute in dem stillen, leeren Haus. Von draussen fiel indirektes, rotes Licht hinein, und zauberte Monster zwischen die M\u00f6bel von Beats Eltern. Ich sp\u00fcrte das Adrenalin durch meine Venen toben und wunderte mich einen Moment, dass es m\u00f6glich war, mich noch mehr zu f\u00fcrchten. Seit dem Stromausfall, mit dem alles begann, hatte mich eine seltsame Ruhe befallen. Doch nun war ich nerv\u00f6s. Alles trieb mich aus dem Haus, dass doch eigentlich Sicherheit versprach. Obwohl ich sie zu ignorieren versucht hatte, waren Hannas letzte Worte mir ins Bewusstsein gekrochen:<\/p>\n<p><em>\u201eUnd in jenen Tagen werden die Menschen den Tod suchen und nicht finden, und werden w\u00fcnschen zu sterben, und der Tod wird vor ihnen fliehen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Was war, wenn Beats Eltern zerst\u00fcckelt im Pool lagen, regungslos unter der undurchsichtigen Oberfl\u00e4che in ihrem eigenen Blut schwammen, und pl\u00f6tzlich zu Zombies wurden? Ich hatte genug Endzeitfilme gesehen, um auf solche Dinge gefasst zu sein. Ich wollte jedoch die anderen nicht unn\u00f6tige beunruhigen, nur weil meine Fantasie mit mir durchging. \u201eWohin sollen wir?\u201c, fragte ich also noch mal.<\/p>\n<p>Beat blickte ans Sofa gelehnt nachdenklich aus dem Fenster, Annabelle trank and\u00e4chtig ihre Coke und Hanna hatte angefangen, mit dem Oberk\u00f6rper vor und zur\u00fcck zu wippen. Jemand musste eine Entscheidung treffen. Doch wohin? Was sollten wir tun? Wir waren hierher gekommen, weil uns ein Gef\u00fchl hergebracht hatte. Und nun zog es mich weiter. Pl\u00f6tzlich mussten wir uns beeilen. \u201eWir fahren weiter!\u201c, erkl\u00e4rte ich mit bestimmter Stimme. Die anderen stellen ohne ein Wort ihre Getr\u00e4nke hin und wir verliessen das Haus. Gerade rechtzeitig, um ihn zu sehen: Aus dem roten Schlund am Himmel kam er, der grosse feuerrote Drache, welcher sieben H\u00e4upter und zehn H\u00f6rner und auf seinen H\u00e4uptern sieben Diademe hatte.<\/p>\n<p>Ich wunderte mich wie er mit sieben K\u00f6pfen nur zehn H\u00f6rner haben konnte. Hatte er die restlichen vier H\u00f6rner bei K\u00e4mpfen verloren? Oder war das ein Verweis auf die zehn Gebote? Und wo war die schwangere Frau, die ihn begleiten sollte? Als ob jemand meine unausgesprochenen Fragen beantworten wollte, hob eine helle Stimme zu singen an. In einer Sprache, die nicht gemacht ist, um von Menschen geh\u00f6rt zu werden, sang sie von dunklen Tr\u00e4umen, von Krieg, alten Wunden und blutigem Regen. Ich fiel auf die Knie und weinte, das tr\u00e4nennasse Gesicht dem wundersch\u00f6nen Drachen zugewandt, der sich in eleganten Schlenkern am Himmel bewegte. Dann erz\u00e4hlte das Lied vom Leben, vom Wachsen des Grases, einem Sonnenstrahl und dem Lachen eines Baumes. Ich war gl\u00fccklich. F\u00fcr eine kurze Zeit war meine Existenz gut und richtig. Dann schlug mir Beat seine Faust in den Nacken, und ich fiel. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>09.01.2007 \u201eWas machen wir jetzt?\u201c, brach ich schliesslich die Stille. Mir unheimlich zumute in dem stillen, leeren Haus. Von draussen fiel indirektes, rotes Licht hinein, und zauberte Monster zwischen die M\u00f6bel von Beats Eltern. 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