Als der Himmel einbrach

15.01.2007

Heimlich war ich überzeugt, dass die ganze Sache meinem Nachbarn ganz recht geschah. Eine göttliche Strafe, so zu sagen.

Wie viele andere berufstätige Menschen putze ich jeden Samstagmorgen meine Wohnung. Ich reinigte das Menschen- und das Katzenklo, leerte die vorhandenen Abfalleimer, wischte an allen strategisch wichtigen Orten –sprich, wo man es auf den ersten Blick sah- Staub, um als krönenden Abschluss mit „Walter“, meinem Super-Staubsauger die Böden zu saugen. Anschliessend wurde alles feucht aufgenommen, und während der Parkett in der Morgensonne trocknete, brachte ich Altpapier und Müll nach unten. Ein einfacher Ablauf, der jedoch bei meinem Nachbarn einen Stock weiter unten nicht sonderlich Anklang zu finden schien. Bis zum Einsatz von Walter war es jeweils 10.15 Uhr, eine mehr als angemessene Zeit, um Lärm in der Wohnung zu machen. Mein Nachbar war da anderer Meinung, und tat dies jeweils mit kräftigen Schlägen an seine Decke kund. So ging das Samstag für Samstag.

Eines Freitags kam ich spät nach Hause. Der Tag war lange gewesen, und er fühlte sich beim Anblick meines Bettes noch länger an. Ich stopfte mir ein Stück Toast in den Mund, kaute ein paar Mal müde während ich mich auszog, um schliesslich erschöpft in tiefen Schlaf zu fallen…

…aus dem ich fünf Stunden später wieder erwachte, als die Welt zusammen zu stürzen schien. Unsanft wurde ich zurück in mein Bett geschleudert und hörte einige der Latten des Rostes brechen. Was war passiert? Wo war ich? Was war los?

Als sich der Staub langsam verzog und mein schlaftrunkenes Gehirn in Bewegung setzte, konnte ich erst gar nicht fassen, was ich sah. Ich starrte an die Decke. An die Decke meines Nachbarn. Nur dass keine vollständige Decke mehr da war, weil genau über mir ein monströses Loch den Blick auf die Decke meiner Wohnung freigab. Ich war mitsamt Bett durch den Boden gebrochen!

Die Feuerwehr konnte meinen Nachbarn nur noch für tot erklären, nachdem eine beachtliche Blutlache unter der riesigen Betonplatte hervorgequollen war. Ich wurde wegen Schockgefahr zur Sicherheit ins Krankenhaus gebracht, was mir den Anblick ersparte, wie die armen Kerle die Betonplatte mit schwerem Gerät vom Boden hochwuchteten und die Überreste meines Nachbarn vom Boden kratzten.

Die Versicherung bestätigte mir, dass ich meinen Fussboden mit meinem Bett nicht übermässig belastet hatte. Die Fachleute schienen sich nicht einigen zu können, weshalb es zu dem Unglück kommen konnte, was mich allerdings auch nicht sonderlich interessierte. Die Wohnung wurde komplett umgebaut, im Schlafzimmer ist nun die Küche, um die Belastung auf den neu gegossenen Beton gering zu halten.

Mein neuer Nachbar ist Wochenaufenthalter.