Tagebuch V

27.11.2006

Liebes Tagebuch

Seit Tagen höre ich immer wieder dasselbe Lied:
Breaking The Habit von Linkin Park

Memories consume
Like opening the wound
I’m picking me apart again
You all assume
I’m safe here in my room
(Unless I try to start again)

I don’t want to be the one
The battles always choose
Cuz inside I realize
That I’m the one confused

I don’t know what’s worth fighting for
Or what I have to scream
I don’t know why I instigate
And say what I don’t mean
I don’t know how I got this way
I know it’s not alright
So I’m breaking the habit…
I’m breaking the habit tonight

Clutching my cure
I tightly lock the door
I try to catch my breath again
I hurt much more
Than anytime before
I had no options left again

I don’t want to be the one
The battles always choose
Cuz inside I realize
That I’m the one confused

I’ll paint it on the walls
Cuz I’m the one at fault
I’ll never fight again
And this is how it ends

Ich weiss auch nicht, wofür es sich zu kämpfen lohnt. Ich weiss nicht, warum ich schreien möchte und so unglaublich wütend bin. Früher, als ich noch jünger war, dachte ich, es sei einfach die Jugend, die Pubertät, die natürliche Entwicklung. Doch nun sind schon so viele Jahre vergangen, und ich bin immer noch wütend. Unendlich wütend, und ich weiss nicht auf wen, worauf, weshalb…

Ich wünschte, ich könnte Zorn empfinden. Eines Tages habe ich die Bedeutung der zwei Wörter nachgeschlagen. Im Studium haben wir den Unterschied zwischen Angst und Frucht gelernt. Furcht bezieht sich auf etwas Konkretes. Sie ist rational begründbar und angebracht. Die Angst ist diffus. Phobien sind Ängste. Irrational, unerklärbar.

Der Zorn ist wie die Furcht immer auf etwas gerichtet. Normalerweise auf eine Person oder eine Gruppe. Die Wut kann nach allen Seiten explodieren und ist schwerer zu beherrschen. Ein unterdrücken der Wut kann zu ähnlichen Krankheitsbildern wie Stress führen. Es gibt verschiedene Theorien zur Entstehung von Wut. Zum angemessenen Ausdruck oder zur Kanalisation der Wut werden unter anderem Gespräche, kreativer Ausdruck, Sport und Enspannungsmethoden empfohlen.

Ich will keine Schlachten mehr kämpfen, die ich nicht gewinnen kann. Ich möchte so geliebt werden, wie ich wirklich bin. Ich habe genug davon, alleine und verwirrt zu sein. Ich möchte nicht mehr in Angst leben. Ich möchte den Kreis zerbrechen, in dem ich mich drehe, Tag um Tag um Tag, Stunde um Stunde, Minute um Minute.

In meinen Träumen falle ich. Falle tief, immer tiefer, falle in die Dunkelheit. Und sie dringt in mich ein, drückt durch jede Körperöffnung in mich rein. Ich spüre die Schwärze, wie sie wie Teer durch meine Tränenkanäle in meinen Mund kriecht. Wie sie meine Augen blendet und wie meine Ohren taub werden. Sie ströhmt durch meine Blase und meinen Darm, schwimmt mit dem Blut, das mein treues Herz in jeden Körperteil pumpt, nistet sich in jeder Zelle ein. Und dann am Ende, dann, wenn ich kaum mehr atmen kann und mir meine Zeit verrinnt, dann erreicht sie mein Gehirn, und alles ist vorbei.

Und so wird es dann tatsächlich enden.

Anna