Rennes le Château

Am 22. November 2001 sah ich endlich, wofür ich einen Weg von über 1000 km auf mich genommen hatte: das gerüchteumrankte südfranzösische Städtchen Rennes le Château.

Auf diesen Seiten möchte ich von meiner Reise berichten, sowie meine Fotos zeigen.

Reisebericht

24. November 2001

Ich bin wieder in der Schweiz. Um genau zu sein, bin ich das sogar schon seit vorgestern, 23 Uhr. Um 1 Uhr kam ich in Bern an, wo ich bei meiner Grossmutter übernachtete. Den folgenden Tag verbrachte ich bei und mit ihr, fuhr um 20.15 Uhr bei ihr weg (Glatteis-Warnungen für die Autobahnen) und kam in einer Rekordzeit um 22.30 Uhr endgültig zu Hause im Mittelthurgau an. Das war die Heimfahrt.

Am Dienstag hatte ich eine furchtbare Magenverstimmung. Gequält von Uebelkeit schleppte ich mich trotzdem zur Arbeit, es musste ja noch einiges fertig werden vor meinen Ferien. Als ich bis 11 Uhr alle 15 Minuten auf dem Klo war um mich zu übergeben, ging ich wieder heim. Verschlief den Tag. Meine Eltern waren so lieb und holten das Mietauto für mich in St.Gallen ab. Um ca. 22 Uhr stand ich auf und erledigte die restliche noch anstehende Arbeit. Um 4 Uhr am Mittwoch stand ich wieder auf. Schlaftrunken packte ich mein letztes Zeug und wollte es in den Kofferraum stellen. Den ich leider trotz Taschenlampe nicht aufkriegte. Das gelang mir erst 4 Stunden später, kurz vor Lausanne. Reindrücken hiess das Zauberwort, nicht Schlüsseldrehen.

Mittlerweilen war es schon einigermassen hell, ich mache meinen zweiten Zwischenhalt, rief meine Mutter nochmal an und im Geschäft, um die letzen Arbeitsanweisungen durchzugeben. Ich nenne nie mehr meinen Ex einen Workaholic… Die nächsten Stunden verbrachte ich relativ ruhig. In Frankreich ist es so, dass ca. alle 50 km eine Raststätte ist. Abwechslungsweise ein Parkplatz mit Toilettenhäuschen (diese doofen, in denen man sich zum pinkeln hinkauern muss) und ein Restaurant mit Tankstelle. Ich benutzte die Parkplätze. Machte brav alle 2 Stunden eine Pause, weil ich aufs Klo musste *grins*. Bei Lyon verfuhr ich mich dummerweise und büsste ca. eine halbe Stunde sowie 20 FF Autobahntaxe ein. Der Rest der Reise lief bis Carcassonne reibungslos. In der Zwischenzeit hörte ich meine verschiedenen CDs und dachte viel nach. Fuhr konstant 130 – 140 km/h, ärgerte mich über die Elefantenrennen der Lastwagen. Um 17 Uhr erreichte ich die Ausfahrt ‚Carcassonne Ouest‘.

Die Fahrt ging noch eine Stunde weiter, Richtung Limoux (dort bin ich ein paar mal durchgefahren, darum kann ich mir den Namen der Ortschaften so gut merken), Couiza und schliesslich Rennes-les-Bains. Dort fand ich nach ein paar Verfahrern tatsächlich die Pension ‚Les Angelots‘. Sonia kam auch bald und zeigte mir mein Zimmer. Es war genial! Also nicht das Zimmer, das ging noch, aber die Aussicht: Das Haus stand am Rande eines Flusses, und ich hatte eine hübsche Aussicht. Sobald die Fotos entwickelt sind, werde ich sie einscannen, es ist etwas schwer zu erklären.

In der Hostillerie, einem Hotel nebenan, musste ich dann bis 21 Uhr warten, bis ich was essen konnte. Ausser mir gab es noch 4 Hotelgäste. Das Essen war eine Sensation!! Als Vorspeise gab es einen üppigen Salat mit Blattsalat, Sardellen, Thon, Eiern und Fetakäse. Danach war ich eigentlich schon satt, mein von der Magenverstimmung malträtierter Magen zumindest. Den Hauptgang -Hühnerbein, allerdings wohl von einem Truthahn, so gross wie das Ding war, mit einer Haferkruste und etwas komischen Pommes Frites- mochte ich daher auch nicht so wirklich. Auf den Dessert, Crème brulée wollte ich allerdings nicht verzichten. Zum Glück nicht! Wundervoll! Köstlich! Delikat!!! Es hatte ungefähr die Konsistenz eines stichfesten Yoghurt. Schmeckte nach Vanillemousse. War eiskalt, jedoch mit einer warmen, geschmolzenen Carameldecke… *schwärm*
Das Witzige war ja: die anderen Gäste hatten noch eine Vorspeise. Mochten den Hauptgang auch kaum, wollten die Crème aber ebenfalls unbedingt… Gute Wahl! *lach*

Zurück in meinem Zimmer gab ich mich meinem Heimweh hin. Bevor ich einschlief, schrumpfte meine geplante Aufenthaltzeit von 4 Uebernachtungen auf 3.

Am nächsten Tag musste ich erst einmal zurück nach Limoux, um Geld wechseln zu gehen. Merke: Wenn du ins Ausland fährst, wechsle Geld gleich hinter der Grenze. Sonst könnte es zu Problemen kommen. Weil ich bis dahin schon beschlossen hatte, nur noch eine Nacht zu bleiben, wechselte ich nicht so viel Geld. Suchte anschliessend eine Tankstelle (der Tank war schon ziemlich leer). Dann ging es endlich nach Rennes-le-Chateau rauf…

Die Strasse fand ich gut, und sie war auch nicht so schmal wie befürchtet. Habe ich schon erwähnt, dass ich die ganze Zeit gefroren habe??? Es war bitterkalt, und noch kälter in Rennes-le-Chateau oben!! Ich kam also gut rauf, fand gleich einen Parkplatz, war ja sonst niemand da. Die Kirche fand ich auch sofort. Die Umgebung sah etwas anders aus als im Computerspiel, das mich hierher getrieben hatte. Mit entsetzen las ich auf einer Tafel vor der Kirche, dass sie von 11 – 11.30 Uhr offen sei. Es war 11.45!!! Ich war am Boden zerstört. Ging in das kleine Ticketzimmer in der Villa Béthania nebenan. Die Frau dort war am telefonieren, und ich überlegte schon, wie ich ihr erklären solle, das ich aus der Schweiz gekommen sei, extra um diese Kirche zu sehen.

Die nette Dame zeigte mir, dass die Kirche um 12 Uhr wieder geöffnet würde. Gemäss Liste machen die alle 1,5 h die Kirche für eine halbe Stunde auf. Keine Ahnung, wieso, vielleicht, damit bei den vielen Besuchern die Malereien durch die Feuchtigkeit nicht beschädigt werden. Ich kaufte also ein paar Karten und einen ‚Touristischen Fremdenführer‘ *grins*.

Die Kirche war wie im Spiel. Dunkler zwar, aber fast besser! Wunderschön bemalt, mit leuchtenden Farben! Ich machte fleissig Fotos und sah mich an den Dingen satt, dich ich eigentlich schon kannte, nun aber endlich so nah sehen konnte…

Nachher ging ich hinter die Kirche und sah mir den Friedhof an. Im Ticketzimmer begann ich dann den Rundgang durch ein anderes Zimmer mit einer kurzen Videoeinführung in die Geheimnisse von Rennes-le-Chateau (wer sich interessiert: http://www.rennes-le-chateau.com), das Préspytère mit einer Ausstellung von persönlichen Gegenständen des Abbé Saunière und die zwei oberen Gärten. Um in den Tour Magdala zu gelangen, stieg ich eine Treppe auf eine Terasse, das Belvedere, rauf. Am einen Ende war ein altes Gewächsehaus. Ohne Glas zwar, aber sehr hübsch. Der Tour Magdala selbst war nicht so spannend, bot aber eine tolle Aussicht auf die -vom Winter karge- Landschaft. Es war so kalt da oben und windete so stark, also ging ich weiter in die Villa Béthania, sah mir das Sterbezimmer Saunières an und das wars dann. Ich war überglücklich und beschloss, bei wärmeren Temperaturen wieder zu kommen. Wie es hier im Sommer aussehen mag?

Nach der Besichtigung meines Reiseziels fuhr ich zurück nach Rennes-les-Bains. Dort zahlte ich um vier Uhr mein Zimmer und machte mich fluchtartig auf den Rückweg in die Schweiz. Das Heimweh war einfach überstark!! Ich schwor mir, die Schweiz nie mehr ohne Begleitung zu verlassen. Es war mir wichtig, RLC zu sehen, doch 13 Stunden von zu Hause entfernt zu sein, ganz alleine, das gab mir plötzlich den Rest. Ich hatte mir ja überlegt, wenn ich mal etwas besser verdiene, wieder einmal Ferien auf den Malediven zu machen. Alleine wohl, wer kann sich so was schon leisten, wer will das schon? Und wenn ich 30 Jahre warten muss: Ich setzte keinen Fuss alleine in ein Flugzeug Richtung Male!!

Um diese Erkenntnis reicher, telefonierte ich meiner Grossmutter und kündigte meine Ankunft um ca. 2 Uhr nachts an. Sie ist ein Engel!

Die Rückfahrt verlief soweit gut. Hatte ich auf meiner Hinfahrt strahlenden Sonnenschein, brach auf der Rückfahrt ab Lyon eine Regenflut aus. Kein Grund, weniger als 110 km/h zu fahren. In den Bergen jedoch, ca. eine Stunde vor der Schweizer Grenze, verwandelte sich der Regen dann in Schnee. Ich musste mit 60 die Berge raufschleichen, immer in der Angst, auf Glatteis zu treffen. Doch es ging alles gut, um 1 Uhr traf ich in Bern ein.

Am nächsten Tag stellte ich mit meiner Grossmutter dann fest, dass mein Mietauto ein Mazda Demio ist. Ich hoffte noch, dass ‚das Wasser auf den Strassen nicht verglast‘. Ein typischer Nicole-Satz, nach meinen Buchstabenverwechslungen in letzter Zeit. Aber eigentlich nicht mal so abwegig: ‚Verglas‘ ist nämlich das französische Wort für ‚Glatteis‘. *grins*

Ja. Und jetzt bin ich wieder hier. Mit meiner Schwester wurde ich heute von unserer Mutter noch Zwangsverpflichtet, ein zugemietetes Schaufenster zu dekorieren. Morgen gehen wir an die WIR-Messe, wo ich hoffentlich eine neue Windjacke bekomme. Die vor allem ein Kriterium erfüllen muss: Warm geben!! Ich habe so gefrohren in Frankreich, das war einfach unglaublich! Montag ist noch nicht verplant, mal sehen, ob ich noch was mit meinem kleinen Auto unternehme *lächel*.

Ansonsten geht es mir gut. Die schnelle Heimfahrt ist mir etwas peinlich. Aber ich habe etwas gelernt, und das bereue ich nicht.

Ach ja, meine Grossmutter hat mich noch sehr verblüfft: Dass sie keine gewöhnliche Frau ist, weiss ich ja. Sie hat immerhin mit 78 noch einen Freund *bigsmile und freu*. Ich habe ihr im Verlauf unseres langen Gespräches auch von meinen Männerproblemen erzählt. Dass ich mich für einen furchtbar komplizierten Kerl interessiere (was ich plötzlich so sinnlos fand…) und für einen, der schon eine Freundin hat. Meine Oma meinte darauf, dann müsse ich ihn halt seiner Freundin ausspannen… *lol* Meine Schwester konnte gar nicht glauben, dass sie das wirklich gesagt hat! Unsere Grossmutter ist einfach die Beste :-). Wobei ich leider den Rat nicht beherzigen kann. Ich sag zwar immer so locker, eine Freundin sei ein Grund aber kein Hindernis, aber ehrlich gesagt: ich will keinen fliegenden Wechsler. Glaub ich zumindest *smile*.

Ende des Berichtes

***

Fotos

magdalena_draussen

Am Eingang wird man gleich von der segnenden Magdalena empfangen. Der Sockel, auf dem sie steht, wurde falsch aufgestellt. Das Kreuz steht auf dem Kopf.

eingang

So sieht der sehr pompöse Eingang einer kleinen Kirche im tiefsten Südfrankreich aus. Ueber der Tür die Einschrift: „Dieser Ort ist schrecklich“.

engel_eingang

Vier Engel zeigen den Ablauf des Kreuzzeichens, die vier Himmelsrichtungen, Apostel und und und.

teufel

Die meistfotografierte Figur in der Kirche von Rennes-le-Chateau: Der Teufel, der das Weihwasserbecken trägt.

engel_teufel

Die Engel befinden sich über dem Teufel.

grabstein_sauniere

Saunières Grabstein. Sein Kopf sieht wie ein Schädel aus. Da lief mir schon ein kalter Schauer über den Rücken.

grab_sauniere

Saunières Grab wurde zum Schutz vor Vandalen einbetoniert. Heute noch stellen Menschen Blumen darauf.

glashaus_geradeaus

Ein wunderschönes Gewächsehaus, leider -wie alles- ziemlich verfallen.

glashaus_unten

Das Gewächsehaus bildet das eine Ende einer Terasse…

tour_magdala

…der Tour Magdala das andere.

hauseingang

Vor dem Eingang zum Haus durch den Garten ist eine andere Art Gewächsehaus. Es besteht aus wunderschönen Farbscheiben (leider fehlen viele). Darin befindet sich eine Engelsstatue auf der einen und ein kleiner Altar auf der anderen Seite.

Umfangreiche Informationen zu Rennes-le-Chateau findet man auf der offiziellen Seite: http://www.rennes-le-chateau.com