Der Mond hängt hell zwischen Dunkelheit, der Himmel wolkenlos. Meine Freundin und ich, in Nachthemden bis an den Boden, wie Gespenster, wandeln durch das taunasse Gras. Es ist hell, unsere Schatten begleiten unseren Gang, und wir reden. Wir gehen, weiter als ich jetzt laufen wollte, und es ist friedlich, friedlich, dann niemand ist da, aus der Ferne leuchten uns die Lampen eines Dorfes entgegen, doch niemand ist wach, alles schläft, selbst der Fuchs und die Mäuse im Feld.
Ich liege im Gras, am See. Es ist warm, heiss vielleicht, die Bäume spenden Schatten. Ich liege auf dem Rücken, meine Freunde um mich, der eine seinen Kopf auf meinem Bauch, die andere den ihren in meinem Schoss, der dritte auf meinen Oberschenkeln, und auf ihren andere Köpfe. Wir sind ein paar, vielleicht acht, und es ist friedlich, es ist heiss, irgendwie muss alles so sein.
Ich sitze am Steuer des Autos, fahre über eine endlose Autobahn, die Musik ist laut und lässt mich wachsen, als wäre ich ein Teil dieser grossen Welt, als könnte ich grösser sein und mehr sehen, als nur dieses kleine Loch vor mir, und die Musik ist laut, so wunderbar laut, und ich könnte für immer weiterfahren.
Der Zug rattert, die Berge als schwarze Schablone am Horizont, und dahinter wartet die Sonne darauf, auf zu gehen. Noch ist sie nicht da, die eiskalte Luft ist klar, über mir noch Nacht, und dort, im schönsten Gelb, das langsam Rosa wird, da steht er am Himmel, als wäre dies sein Platz: der Morgenstern! Der wunderbare Morgenstern, einsamer Letzter, der leuchtende Morgenstern!
Ach, dies sind alles Glücksmomente, wie eine Umarmung in einsamer Nacht, und ich möchte leben, leben möchte ich, und zu Licht werden und im Universum sehen, was uns versprochen wird, den Doppelstern hinter seinem Zwilling aufgehen sehen, und all meine Glücksmomente noch einmal erleben, den zuckenden Höhepunkt, den Moment voller Frieden, das masslose Glück, das kleinbemessene. Und ich bin einfach nur voller Glück, und alles ist vergessen, es braucht keinen Grund mehr für dieses Leben, nun könnte ich sterben, nun braucht es nichts mehr, und alles ist ohne Bedeutung, und ich will nur noch leben, nur noch leben, nur noch leben…
21. Dezember 1999