Klassentreffen

Ich stand in den heiligen Hallen von einst. Ein Jahr war ich nun schon vom Gymnasium weg. Ein Jahr lang hatte ich keine der Treppen hier bestiegen, keinen Gang durchschritten, in keinem Zimmer gesessen. Unser Klassentreffen fand im dritten Stock statt. Im Zimmer 305, dem Klassenraum unseres ehemaligen Klassenlehrers. Wg A fand sich wieder im Kantonsschulgebäude ein.

Ich war früh gekommen, hatte niemanden getroffen auf meinem Weg nach oben. Kurz war ich stehen geblieben. Nun horchte ich in die Gänge. Die Luft roch nicht mehr vertraut. Unsere Stimmen waren verblasst und hallten nicht mehr von den Wänden wieder. Im Geiste sah ich Schüler an mir vorbeilaufen. Ich war selber eine von ihnen. Auf dem Weg in ein anderes Zimmer. Kaugummikauend. Eine tonnenschwere Schultasche über der Schulter. Meine Handtasche kam mir wie ein schlechter Witz vor. Hie und da traf ich eine Bekannte aus einer anderen Klasse. Man wechselte ein paar Worte. Wünschte sich einen schönen Tag. Begrüsste im Vorbeigehen mit einem Nicken den Jungen aus dem Freikurs „Schreibwerkstatt“. Erinnerte sich an eine Stunde oder ein Gespräch. Wünschte sich das Wochenende herbei, obschon doch erst Dienstag war.

Am schwarzen Brett hingen die Listen wie immer. Informationen, die nicht für mich waren. Die mir nichts sagten. Mein Herz schlug schwer gegen den Brustkorb. Nein, ich vermisste die Schule nicht. Ich war glücklich, als ich meine 4,5 Jahre überstanden hatte, und ich war noch glücklicher mit meinem Job. Informatikerin, wer hätte gedacht, dass ich es durchzog? Noch war ich mitten in der Ausbildung. Genau wie die anderen, die mich ein Stockwerk höher erwarteten. Hatten sich endlich alle entschieden, was sie machen wollten? Hatten sie sich fest verändert? Wie ging es Fred, der ein Jahr in Amerika war und erst gestern zurückgekommen war? Wie Silvia, die sich nicht zwischen den Studienrichtungen Psychologie und Geologie entscheiden konnte?

Ich stieg die letzte Treppe hinauf. Ein paar Stimmen hallten mir nach. Von irgendwo wehte mir der Geruch von feuchter Regenkleidung entgegen. Das Treppengeländer fühlte sich vertraut an.

Die Halbdunkelheit irritierte mich. Die Gänge kamen mir seltsam lang und hoch vor. Die Türen waren neu gestrichen worden, irgend ein Künstler hatte der Schule eine Skulptur geschenkt und der Plattenboden war völlig neu verlegt worden. Wieder stand ich halb auf der Treppe. Wieder auf dem Weg ins Zimmer 305. Ich hatte es nur noch verschwommen in Erinnerung. In der Jackentasche umklammerte ich nochmals das Papier mit den Namen meiner ehemaligen Mitschüler. Ich hatte die Liste zwei Tage lang immer wieder durchgelesen. Ob ich die passenden Gesichter erkennen würde? Wieder war ich früh dran. Wieder kein Geräusch. Das Gebäude war eigenartig leer. Fremd, nach 20 Jahren. Ich konnte mich kaum noch an das Leben hier erinnern. Versuchte mir, ein paar Schüler vorzustellen, die an mir lachend und plappernd vorbei schlenderten. Doch irgendwie waren sie alle zu gross, zu alt. Ich ging in das Klo im zweiten Stock. Das war immer noch gleich. Roter Kachelboden. Nur die Türfallen sahen etwas zerkratzter aus. Eine Jugendliche hatte ihre Initialen in das Holz der Kabinenwand geschnitzt.

Ich wusch mir die Hände. Blickte in den Spiegel. Sah mein mir vertrautes Gesicht. Ich war nun Vierzig. Das Haar war hie und da von grauen Haaren durchzogen. Die ersten Falten legten sich verräterisch um die Augen, bald würde ich sie nicht mehr mit einem freundlichen Lächeln verstecken können. Ich entdeckte das junge Gesicht in meinem wieder. Dennoch war es mir fremd. Die Erinnerungen waren alt, der Geruch nicht mehr vertraut. Das Gebäude nicht mehr vertraut. Ich konnte mich nicht mehr an das Gefühl erinnern, hier zur Schule zu gehen. Durch die Gänge zu laufen. In langweiligen Schulstunden zu sitzen. Es war erschreckend. Zwanzig mickrige Jahre. Und sie waren wie im Flug vergangen! Doch schon schien mir alles so unwirklich, als hätte ich noch gar nicht richtig in der Realität gelebt, als ich täglich hier her kam. Ich dachte an die Zeit zurück, die vergangen war. Und was alles geschehen ist seither. Kriege auf der ganzen Welt. Skandale. Computer waren selbstverständlich geworden. Ich hatte viel gelernt und war immer noch mit Begeisterung am arbeiten. Ich hatte viele Menschen kennengelernt. Einige Beziehungen, längere, kürzere. Ferien in Frankreich, ein halbes Jahr. Krebsverdacht und die Erleichterung, als der negative Befund kam. Der Unfalltod eines Freundes, der Freitod einer Bekannten. Eltern sind gestorben und Kinder geboren worden. Ich war in anderen Schulen in andern Klassenzimmern gesessen. Nun würde ich meinen alten Klassenlehrer aus der Zeit im Gymnasium wieder sehen. Meine alten Mitschüler. Was aus ihnen geworden sein mochte? Wohin es sie verschlagen haben mag? Ob sie alle kommen würden? Diesmal war es schwerer. Doch ich war auch gespannt, die Leute zu sehen. Ich versuchte mich vorzubereiten. Es waren schliesslich alles Fremde. Seltsames Gefühl. Schliesslich waren wir mal 4,5 Jahre tagtäglich zusammen. Das Treppengeländer war neu lackiert worden.

Die Kantonsschule war wieder vergrössert worden. Drei neue Turnhallen, zwei waren abgerissen worden. Ein neues Schulgebäude stand neben dem alten. Ich war vorhin daran vorbeigekommen. Es gefiel mir. Die Erbauer hatten es gelb streichen lassen. Eine freundliche Farbe. Hier hatte sich kaum etwas verändert. Äusserlich nicht, hatte mir mein ehemaliger Klassenlehrer erklärt, der mich ein Stück begleitete. Doch man hatte Wände durchbrochen und immer zwei Schulzimmer zu einem vereint. Auch 305 bestehe jetzt aus 305 und 306. Das war dringend nötig gewesen. Die Klassen seien in den letzten Jahren immer grösser geworden. Ein Blödsinn, schliesslich könne ein Lehrer doch nicht 35 Schüler unter Kontrolle halten. Aber die Nachfrage bestünde, und sie seien nun mal ein Dienstleistungsbetrieb, der sie zu befriedigen habe. Ich musste lachen. Hatte nicht vor 40 Jahren ein anderer Lehrer etwas ähnliches gesagt? Er war mittlerweilen gestorben. Ich war an seiner Beerdigung, hatte sogar ein paar andere Mitschüler getroffen. Einer hatte mir erzählt, dass Fred an einem Herzinfarkt gestorben sei. Zu viel gearbeitet, natürlich. Wir sahen auf den Sarg und hofften wohl beide, dass wir das Pensionsalter noch heil erreichen würden. Und noch ein paar Jahre zur Verfügung hätten.

Im Gebäude war es still. Ich kannte den Weg. Aus Rücksicht auf mein Alter hatte an mir ein Zimmer im ersten Stock gegeben. Das war sowieso praktischer, dauernd kamen neue Computer, und die immer wieder in den dritten Stock zu schleppen schien mir sinnlos. Das Treppengeländer war durch so ein modernes Ding aus Stahl ersetzt worden. Ziemlich kalt, wenn man es anfasste. Wie er seine Rente verbringe, hatte ich meinen Klassenlehrer gefragt. Er reise viel, war seine Antwort, natürlich, aber er könnte nicht mehr überall hin, es bestünden halt auch gesundheitliche Risiken für so einen alten Mann wie ihn. Eine Schülerin lief an mir vorbei. Ein junges Ding von 19 Jahren. Sehr begabt im Umgang mit dem Computer. Sie nickte mir grüssend zu. Ich freute mich auf das Gesicht meines ehemaligen Klassenlehrers. Er würde sicher sehr überrascht sein zu hören, dass ich hier Schule gab. Lächelnd liess ich das kalte Treppengeländer los und öffnete die Tür zum Zimmer 305.

4. März 2001

The Doors

Ich schreibe dies auf in der Hoffnung, dass es jemand irgendwann einmal lesen wird. Denn ich glaube, dass ausser mir auch andere überlebt haben. (Was auch immer zu überleben war.) Falls dies tatsächlich der Fall sein sollte, werde ich das aber nie erfahren, die Einsamkeit ist so schwer und mir fehlt mittlerweilen jeder Lebensmut. Trotzdem sollte diese Geschichte erhalten bleiben, als Zeugnis für meinen aussichtslosen Kampf mit der Wirklichkeit … oder der Phantasie.

Es begann vor drei Wochen. Oder vor vier. Das ist im Grunde auch egal, ich habe aufgehört, die Tage zu zählen. Es war ein ganz normaler Schultag. Ich stand um 6.00 Uhr auf, stellte mich unter die Dusche und verschwendete eine Viertelstunde Wasser. Dann zog ich mich an und erhitze in der Mikrowelle Milch, trank einen Kaffee, packte mein Schulzeug und mein Mittagessen zusammen und machte mich auf den Weg zum Bahnhof. Dort angekommen, bemerkte ich etwas irritiert, dass Angela, eine Schulfreundin, heute nicht da war. “ Was soll’s“, dachte ich mir, es war Herbst und eine Grippewelle trieb ihr Unwesen. Als der Zug kam, betrat ich zum ersten (und letzten) Mal in meinem Leben ein vollkommen leeres Abteil auf dieser Linie. Ansonsten waren die Wagen immer gut besetzt, heute war keine Menschenseele zu sehen. Schwer schnaufend stieg ich in Romanshorn aus und stellte erstaunt fest, dass sonst niemand mehr den Zug verliess. Ja, der ganze Bahnhof war leer! Langsam lief ich an den Waggons vorbei und schaute in jedes Abteil. Nichts, kein Mensch war da! Als ich am Anfang der Eisenbahn ankam, war auch die Kabine des Lokführers leer. Wer aber hatte den Zug bis nach Romanshorn gesteuert? Plötzlich rannte ich in blinder Panik los, über die Geleise auf die SBW zu, die mir in jenem Moment als einzig sicherer Ort erschien. Als ich den Brunnen vor der SBW erreichte, vermaledeite ich den Architekten 1000 mal, welcher den Eingang so geplant hatte, dass man erst das ganze Schulgebäude umrunden musste, um ihn zu erreichen. Bei der Tür angekommen, wurde ich hysterisch, ich schrie und schlug gegen die verschlossene Tür, bis mir irgendwo in meinen verstaubten Gehirnzellen der Gedanke kam, dass ich nur meine Karte hervorholen müsste, um die Tür zu öffnen. Schwer atmend suchte ich in meiner Jacke nach meinem Portemonnaie und zog schliesslich die Türkarte hervor. Ich steckte sie mit zitternden Fingern in den Öffnungsapparat, und stiess die Tür auf. Schnell schloss ich sie wieder und stürmte die Stufen zum 2. Stock hinauf. Die obere Tür stand wie üblich offen, und ich wandte mich sofort nach links, um durch die Verbindungstür zu den Schulzimmern zu gelangen. Ächzend zog ich die schwere Tür auf und stand… plötzlich in meinem Schlafzimmer! Es war deutlich mein Schlafzimmer! Zwar standen die beiden Vogelkäfige leer, doch alles andere war da: Die beiden überladenen Büchergestelle, das Bett, der Schreibtisch, die gleiche vertraute Unordnung beherrschte den Raum. Es war eindeutig mein Schlafzimmer! Langsam tastete ich nach dem Türgriff hinter mir, verliess den Raum rückwärts. Langsam drehte ich mich um und stand… in meinem alten Mathezimmer! Die Inneneinrichtung hatte sich verändert, doch ansonsten war der Raum noch immer so, wie ich ihn in Erinnerung hatte. Fassungslos stand ich da und starrte das Zimmer an. Doch dann drehte ich mich jäh um und verliess den Raum. Wieder betrat ich einen anderen Ort als ich eigentlich sollte, doch ich rannte einfach weiter und immer weiter, öffnete weitere Türen, durchquerte andere Zimmer. Ich muss Stunden gerannt sein, irgendwann jedoch hatte ich keine Kraft mehr und fiel in die Knie. Ich hatte eben die Küche meiner Grossmutter verlassen und durch die Tür des blauen Zimmers den Gang im obersten Stock der SBW betreten. Zitternd und nach Luft ringend kniete ich da, als ich plötzlich eine eiskalte Hand am Ansatz meiner Wirbelsäule spürte. Sie kroch langsam hinauf, und meine Nackenhaare begannen sich aufzurichten. Die eiskalte Hand des Wahnsinns! Diese Bezeichnung mag kitschig erscheinen, doch bis jetzt ist mir kein zutreffender Begriff eingefallen. Die Hand legte sich sanft um mein Genick, liebkoste die Haut meines Halses … und legte sich mit stählernem Griff um meine Kehle!
Ich rang nach Luft, doch der Wahnsinn drückte unbarmherzig zu, presste jeden Resten Atemluft aus meinen Lungen. Tausend Gedanken rasten mir gleichzeitig durch den Kopf: War ich verrückt? Hatte ich den Verstand verloren? War das alles nur ein Traum? War dies die Hölle? Mir war, als müsse mein Kopf explodieren. Und die Hand drückte weiter, und weiter… bis mich endlich die gnadenvolle Schwärze der Bewusstlosigkeit umgab. Als ich wieder aufwachte, sah ich den Mond. Theoretisch wäre das gar nicht möglich gewesen, wer kann schon durch die Decke sehen? Vielleicht war die Logik ebenfalls verschwunden. Ich fühlte mich geborgen. Umgeben von einem Meer voller flimmernder Sterne sah ich den Mond. Es war als ob ich schwebte. Dieses Gefühl tiefster Geborgenheit, grösster Sicherheit umfing meinen Körper, meinen Geist und meine Seele. Es liess mich alles vergessen, lange lag ich einfach nur da.
Doch plötzlich wurde es dunkel! Es war, als ob grosse Mächte ihren Spass mit mir trieben, denn schlagartig kehrte die Angst zurück. Hatte ich Kind schon angst vor der Dunkelheit, vergrösserte sich diese mit zunehmendem Alter. Ich schloss meine Augen und rührte mich nicht. Und selbst wenn ich es gewollt hätte, meine Muskeln hätten mir nicht gehorcht. In meiner Phantasie sah ich schreckliche Monster und blutrünstige Psychopathen, und gleichzeitig wurde mir wieder meine Einsamkeit bewusst. Ich hatte immer Angst vor der Einsamkeit gehabt, mehr noch als vor der Dunkelheit. Ich erinnerte mich an den Kennenlernabend in der ersten Woche an der SBW. Am Abend hatte ein Schüler auf der Gitarre verschiedene Lieder gespielt, und wir hatten fröhlich mitgesungen. Vereint in einem Kreis, über uns das Gefühl der Zusammengehörigkeit. Doch plötzlich fühlte ich mich allein. Ich schaute durch die Leute hindurch und blickte auf einen leeren Parkplatz. Ich werde dieses Gefühl der Einsamkeit nie mehr vergessen. In jener Nacht war dieses Gefühl wieder da, doch da waren keine Schulkameraden, die sangen, da waren nur eingebildete Monster und die Angst. Die Angst, der Wahnsinn.
Schliesslich schlief ich ein.

Nun sitze ich hier auf dem Boden des Lernstudios und schreibe diese Zeilen nieder. Ich habe mich eingehend mit dem Gedanken des Selbstmords beschäftigt. Dummerweise fällt mir jetzt eine Geschichte ein, die mir einmal ein Schulkamerad erzählt hat:“ Ein Mann springt vom Dach eines Hochhauses. Als er am 3.Stock vorbeifliegt, läutet da das Telephon. Der Mann stirbt sofort an Herzversagen. Was ist passiert? -Die Antwort ist einfach: Der Weltuntergang fand statt und der Mann dachte, er sei der einzige Überlebende. Er will sich also umbringen. Das klingelnde Telephon aber beweist, das es noch mindestens einen anderen Überlebenden gibt.“ Ha, ha! Wirklich lustig. Das war bestimmt ein Scherz Gottes! Ausserdem bin ich zu feige für Selbstmord.
Ich habe mir viele Gedanken über die Türen gemacht. Was ist, wenn eine davon direkt in das Jenseits führt? Es wird wurde ja oft von einem Tor zum Jenseits gesprochen. Oder ich würde die Hölle betreten? Und was ist mit dieser Tür zum gelben Zimmer? Sie scheint sprechen zu können. Immer wenn ich meine Hand nach der Klinke ausstrecke flüstert etwas in meinem Kopf:“ Tu das nicht! Tu das nicht!“ Wenn sich dahinter die ewige Verdammnis befände, wäre ich das Problem mit dem Selbstmord los. Oder ist diese Stimme nur ein Hirngespinst, meiner Phantasie entsprungen? Diese Fragen machen mich noch wahnsinnig!!! Falls ich es noch nicht bin.

Ich schreibe nun diese letzten Zeilen, denn ich werde heute die Tür zum gelben Zimmer, oder was immer dahinterliegen mag, öffnen. Es hat lange gedauert, bis ich wieder den Gang betreten konnte. Es ist, als wolle eine mir unbekannte Macht meinen Plan vereiteln. Doch ich bin entschlossen! Die Stimme ist nun sehr laut, mit jedem Schritt wird sie durchdringlicher, sie gleicht nun schon einem einzigen Kreischen, ich werde es also so schnell wie möglich hinter mich bringen.
Wahnsinn, ich bin bereit!

Erfundene Geschichte mit wahren Elementen

14. September 1995

The Doors II

Ich schreibe dies auf in der Hoffnung, dass es jemand irgendwann einmal lesen wird. Denn ich glaube, dass ausser mir auch andere überlebt haben. (Was auch immer zu überleben war.) Falls dies tatsächlich der Fall sein sollte, werde ich das aber nie erfahren, die Einsamkeit ist so schwer und mir fehlt mittlerweilen jeder Lebensmut. Trotzdem sollte diese Geschichte erhalten bleiben, als Zeugnis für meinen aussichtslosen Kampf mit der Wirklichkeit … oder der Phantasie.

Es begann vor einigen Tagen. Oder waren es Wochen, gar Jahre? Das ist im Grunde auch egal, Zeit hat keine Bedeutung mehr. Vielleicht ist sie sogar auch verschwunden. Doch ich will nicht vorgreifen. Es war ein ganz normaler Schultag. Ich stand um 6.00 Uhr auf, stellte mich unter die Dusche und verschwendete eine Viertelstunde Wasser. Dann zog ich mich an und erhitze in der Mikrowelle Milch, trank einen Kaffee, packte mein Schulzeug und mein Mittagessen zusammen und machte mich auf den Weg zum Bahnhof. Dort angekommen, bemerkte ich etwas irritiert, dass Angela, eine Schulfreundin, heute nicht da war. “ Was soll’s“, dachte ich mir, es war Herbst und eine Grippewelle trieb ihr Unwesen. Als der Zug kam, betrat ich zum ersten (und letzten)Mal in meinem Leben ein vollkommen leeres Abteil auf dieser Linie. Ansonsten waren die Wagen immer gut besetzt, heute war keine Menschenseele zu sehen. Die schwere Mappe über der Schulter und dementsprechend schnaufend stieg ich in Romanshorn aus und stellte erstaunt fest, dass sonst niemand mehr den Zug verliess. Ja, der ganze Bahnhof war leer! Langsam lief ich an den Waggons vorbei und schaute in jedes Abteil. Nichts, kein Mensch war da! Als ich am Anfang der Eisenbahn ankam, war auch die Kabine des Lokführers leer. Wer aber hatte den Zug bis nach Romanshorn gesteuert? Plötzlich rannte ich in blinder Panik los, über die Geleise auf die SBW zu, die mir in jenem Moment als einzig sicherer Ort erschien. Unterwegs stolperte ich über meine eigenen Füsse, ich verletzte mich nicht, verlor aber meine Mappe und liess sie einfach liegen. Als ich den Brunnen vor der SBW erreichte, vermaledeite ich den Architekten 1000 mal, welcher den Eingang so geplant hatte, dass man erst das ganze Schulgebäude umrunden musste, um ihn zu erreichen. Bei der Tür angekommen, wurde ich hysterisch, ich schrie und schlug gegen die verschlossene Tür, bis mir irgendwann der Gedanke kam, dass ich nur meine Karte hervorholen müsse, um sie zu öffnen. Schwer atmend suchte ich in meiner Jacke nach meinem Portemonnaie und zog schliesslich die Türkarte hervor. Ich steckte sie mit zitternden Fingern in den Öffnungsapparat, und stiess die Tür auf. Schnell schloss ich sie wieder und stürmte die Stufen zum 2. Stock hinauf. Die obere Tür stand wie üblich offen, und ich wandte mich sofort nach links, um durch die Verbindungstür zu den Schulzimmern zu gelangen. Ächzend zog ich die schwere Tür auf und stand… plötzlich in meinem Schlafzimmer! Es war deutlich mein Schlafzimmer! Zwar standen die beiden Vogelkäfige leer, doch alles andere war da: Die beiden überladenen Büchergestelle, das Bett, der Schreibtisch, die gleiche vertraute Unordnung beherrschte den Raum. Es war eindeutig mein Schlafzimmer! Langsam tastete ich nach dem Türgriff hinter mir, verliess den Raum rückwärts. Langsam drehte ich mich um und stand… in meinem alten Mathezimmer! Die Inneneinrichtung hatte sich verändert, doch ansonsten war der Raum noch immer so, wie ich ihn in Erinnerung hatte. Fassungslos stand ich da und starrte das Zimmer an. Doch dann drehte ich mich jäh um und verliess den Raum. Wieder betrat ich einen anderen Ort, als ich eigentlich sollte, doch ich rannte einfach weiter und immer weiter, öffnete weitere Türen, durchquerte andere Zimmer. Ich muss Stunden gerannt sein, irgendwann jedoch hatte ich keine Kraft mehr und fiel in die Knie. Ich hatte eben die Küche meiner Grossmutter verlassen und durch die Tür des blauen Zimmers den Gang im obersten Stock der SBW betreten. Zitternd und nach Luft ringend kniete ich da, als ich plötzlich eine eiskalte Hand am Ansatz meiner Wirbelsäule spürte. Sie kroch langsam hinauf, und meine Nackenhaare begannen sich aufzurichten. Die eiskalte Hand des Wahnsinns! Diese Bezeichnung mag kitschig erscheinen, doch bis jetzt ist mir kein zutreffender Begriff eingefallen. Die Hand legte sich sanft um mein Genick, liebkoste die Haut meines Halses … und legte sich mit stählernem Griff um meine Kehle! Ich rang nach Luft, doch der Wahnsinn drückte unbarmherzig zu, presste jeden Resten Atemluft aus meinen Lungen. Tausend Gedanken rasten mir gleichzeitig durch den Kopf: War ich verrückt? Hatte ich den Verstand verloren? War das alles nur ein Traum? War dies die Hölle? Mir war, als müsse mein Kopf explodieren. Und die Hand drückte weiter, und weiter… bis mich endlich die gnadenvolle Schwärze der Bewusstlosigkeit umgab. Als ich wieder aufwachte, sah ich den Mond. Theoretisch wäre das gar nicht möglich gewesen, wer kann schon durch die Decke sehen? Vielleicht war die Logik ebenfalls verschwunden. Ich fühlte mich geborgen. Umgeben von einem Meer voller flimmernder Sterne sah ich den Mond. Es war als ob ich schwebte. Dieses Gefühl tiefster Geborgenheit, grösster Sicherheit umfing meinen Körper, meinen Geist und meine Seele. Es liess mich alles vergessen, lange lag ich einfach nur da.
Doch plötzlich wurde es dunkel! Es war, als ob grosse Mächte ihren Spass mit mir trieben, denn schlagartig kehrte die Angst zurück. Hatte ich Kind schon angst vor der Dunkelheit, vergrösserte sich diese mit zunehmendem Alter. Ich schloss meine Augen und rührte mich nicht. Und selbst wenn ich es gewollt hätte, meine Muskeln hätten mir nicht gehorcht. In meiner Phantasie sah ich schreckliche Monster und blutrünstige Psychopathen, und gleichzeitig wurde mir wieder meine Einsamkeit bewusst. Langsam wuchs sie an, drohte mich wieder zu ersticken. Die Angst, der Wahnsinn.
Schliesslich schlief ich ein.

Nun sitze ich hier auf dem Boden des Lernstudios und schreibe diese Zeilen nieder. Ich habe mich eingehend mit dem Gedanken des Selbstmords beschäftigt. Dummerweise fällt mir jetzt eine Geschichte ein, die mir einmal ein Schulkamerad erzählt hat:“ Ein Mann springt vom Dach eines Hochhauses. Als er am 3.Stock vorbeifliegt, läutet da das Telephon. Der Mann stirbt sofort an Herzversagen. Was ist passiert? -Die Antwort ist einfach: Der Weltuntergang fand statt und der Mann dachte, er sei der einzige Überlebende. Er will sich also umbringen. Das klingelnde Telephon aber beweist, das es noch mindestens einen anderen Überlebenden gibt.“ Ha, ha! Wirklich lustig. Das war bestimmt ein Scherz Gottes! Ausserdem bin ich zu feige für Selbstmord.
Ich habe mir viele Gedanken über die Türen gemacht. Was ist, wenn eine davon direkt in das Jenseits führt? Es wird wurde ja oft von einem Tor zum Jenseits gesprochen. Oder ich würde die Hölle betreten? Und was ist mit dieser Tür zum gelben Zimmer? Sie scheint sprechen zu können. Immer wenn ich meine Hand nach der Klinke ausstrecke flüstert etwas in meinem Kopf:“ Tu das nicht! Tu das nicht!“ Wenn sich dahinter die ewige Verdammnis befände, wäre ich das Problem mit dem Selbstmord los. Oder ist diese Stimme nur ein Hirngespinst, meiner Phantasie entsprungen? Diese Fragen machen mich noch wahnsinnig!!! Falls ich es noch nicht bin.

Ich schreibe nun diese letzten Zeilen, denn ich werde heute die Tür zum gelben Zimmer, oder was immer dahinterliegen mag, öffnen. Es hat lange gedauert, bis ich wieder den Gang betreten konnte. Es ist, als wolle eine mir unbekannte Macht meinen Plan vereiteln. Doch ich bin entschlossen! Die Stimme ist nun sehr laut, mit jedem Schritt wird sie durchdringlicher, sie gleicht nun schon einem einzigen Kreischen, ich werde es also so schnell wie möglich hinter mich bringen.
Wahnsinn, ich bin bereit!

6. September 1996
Zweite Bearbeitung

Original 14. September 1995

Das zweite Stockwerk

Man nennt ihn den 2. Stock. Alle Zimmer haben eine Zwei vor ihrer Nummer, um das deutlich zu machen. Wenn wir morgens in den dritten Stock hinaufsteigen und Während des Tages wieder hinunter, sehen wir ihn immer. Für uns ist das zweite Stockwerk ein Mysterium. Obwohl wir nun schon seit vier Jahre hier an der Kantonsschule sind, hatten wir noch nie in einem Schulzimmer des zweiten Stockes Unterricht. An einem verregneten Nachmittag sag ich mir aus Spass die Stundenpläne aller Klassen an und verglich sie miteinander. Niemand hat in der zweite Etage Unterricht! Aber das scheint auch niemanden zu stören, und aufzufallen sowieso nicht. Einmal habe ich mich getraut, einen Lehrer nach dem zweiten Stockwerk zu fragen. Doch er konnte mir nichts dazu sagen, er kenne nur Lehrer aus dem ersten und dem dritten Stock, erklärte er mir. Manchmal stehen die Türen zu den Schulzimmern der zweiten Etage offen und wartende Schüler sitzen im Gang. Aber die gehen beim Läuten der Schulglocke immer in den ersten oder dritten Stock. Das habe ich einige Male beobachtet, als ich zu spät kam. An den Wänden neben den Türen kleben zwar Zimmerbelegungspläne, doch wie gesagt, niemand hat dort Schule.

Eines Tages sollte ich eine Prüfung nachschreiben, da ich eine Woche krank gewesen war. Ich fühlte mich zwar noch etwas geschwächt, doch die Zeugnisse standen vor der Tür und der Lehrer brauchte meine Note. Verzweifelt versuchte er, mir ein freies Zimmer zu besorgen, damit ich ungestört wäre, doch er konnte keines finden. Ich sah dies als Zeichen des Schicksals und fragte ihn beiläufig: „Wie wäre es mit einem Zimmer im 2. Stock? Dort ist bestimmt noch eines frei.“ Einen Moment sah er mich an, als wisse er nicht, wovon ich spreche. Doch dann sagte er: „Wenn du meinst. 40 Minuten!“ Schon war ich auf dem Weg nach oben.

Wie ich schon vermutet hatte, waren alle Zimmer leer. Ich wählte Nummer 207 und trat durch die Tür. Die Tische waren alle in präzisen Reihen nach vorne ausgerichtet und erinnerten mich an eine Schulzimmerbestuhlung aus dem letzten Jahrhundert. Vorne beherrschte ein wuchtiger, alter Holzpult den Raum, ein Möbelstück, das so gar nicht zu der übrigen modernen Einrichtung passen wollte. Leise schloss ich die Tür hinter mir und setzte mich an einen Tisch nahe dem Lehrerpult. An Prüfungschreiben war natürlich nicht zu denken. Ich begann mich genauer im Zimmer umzusehen, registrierte aber eher aus den Augenwinkeln eine Kommode vor dem Fenster neben dem Holzschreibtisch, darauf eine blähende Pflanze, einige Bilder an den Wänden und natürlich die unvermeidliche Wandtafel. Neugierig stand ich auf und betrachtete die Bilder. Sie zeigten ausnahmslos melancholische Landschaften. Nebelverhangene Wiesen und morgenfrische Wälder in sanften Pastellfarben, das kunstvolle Aquarell eines von wogendem Schilf gesäumten Sees und die hyperrealistische Darstellung eines kleinen Baches liessen mich die Zeit vergessen. Als ich mich wieder den Genstern zuwandte, fielen gelle Sonnenstrahlen durch die Scheiben. Entzückt öffnete ich die Fensterflügel und liess mir genussvoll die Sonne ins Gesicht scheinen. Oh, welch herrliche Wärme!

Plötzlich fiel mein Blick auf die Pflanze auf der Kommode. Erstaunt sog ich die Luft ein. Solch ein seltsames Gewächs hatte ich noch nie zuvor gesehen. Es hatte grosse, herzförmige Blätter, die regelmässig um den kurzen, gedrungenen Stengel angeordnet waren. Sie erinnerte mich entfernt an einen Hibiskus, nur dass die Blüten nicht gross, sondern klein und von der Form her eher die einer Azalee waren. Ihr leuchtendes Orange hätte jede gleichnamige Frucht vor Neid erblassen lassen. An den feinen Blütenstengeln hing bläulicher Blütenstaub. Verwundert sah ich die Pflanze an und widerstand nur mit Muhe dem Versuch, sie einfach mitzunehmen. Unwillig wandte ich meinen Blick von dieser Kuriosität, als ich mich wieder an den Schreibtisch erinnerte. Möglichst unauffällig umrundete ich ihn, immer in der Erwartung, jemand betrete das Zimmer. Als ich die vielen Schubladen sah, erwachte meine Neugier von Neuem. Sonst immer darauf bedacht, sie niemanden merken zu lassen, warf ich nun all meine Hemmungen über Bord. Vorsichtig zog ich die oberste Schublade heraus, um sie auch ja nicht fallen zu lassen. Sauber geordnete Bleistifte und Kugelschreiber lagen darin, und Radiergummis und Tintenpatronen. Die nächste enthielt Reiszwecken und Büroklammern, Gummibänder und Zirkel. Dieser Pult war bestückt mit jeder nur denkbaren Art von Büromaterial, alles fein säuberlich sortiert und aufbewahrt.

Plötzlich begannen meine Füsse zu schmerzen. Verwirrt setzte ich mich auf den Lehrerstuhl und ruhte einen Moment aus. Mir war mit einem Mal nicht mehr wohl, ich fühlte eine grosse Schwäche in Armen und Beinen, es wurde mir heiss und kalt. Schweiss trat mir auf die Stirn und mein Magen begann sich zusammenzukrampfen. Hilfesuchend sah ich mich um, kämpfte verzweifelt gegen einen bohrenden Würgereiz an und starrte schliesslich an die Wandtafel. Ihr Schwarz schien mir plötzlich zu schimmern, doch langsam fühlte ich mich besser. Als ich meinen Kopf umwandte, war das Nächste, was ich sah…

… das Gesicht meines Lehrers, der mit sorgenvoller Miene auf mich hinunterblickte. Ich muss ihn wohl so entgeistert angesehen haben, als wäre er ein Gespenst. Beruhigend sagte er: „Bleibe du am besten noch einen Augenblick liegen. Wer weiss, wie lange du schon bewusstlos bist, und hier im Korridor herumliegst.“

Man nennt ihn den 2. Stock. Alle Zimmer haben eine Zwei vor ihrer Nummer, um das deutlich zu machen. Für uns ist das zweite Stockwerk ein Mysterium.

3. November 1997

Die Traumfängerin

Es fing alles damit an, dass ich eines Morgens wie jeden Tag aus dem Zug stieg, hinter mir mein Klassenkamerad und vor mir ein weiterer Schultag voller Stress und Langeweile. Wir befanden uns auf halbem Weg zwischen Zug und Bahnhofgebäude, als plötzlich jemand laut ‚Traumfängerin‘ rief. Ich sah mich suchend um, nicht weil mich der Stimme erschreckt hatte, nein dieser Mensch rief einen Spitznamen, den mir ein philosophischer Freund vor langer Zeit einmal gab. Ein junger Mann kämpfte sich durch die Leute und stand plötzlich vor mir: „Traumfängerin, wie geht es dir?“, fragte er mich und streckte mir seine Hand in einer Art und Weise entgegen, als würden wir uns schon lange kennen. Ich sah ihn wohl ziemlich entgeistert an und ergriff seine Hand mit laschem Druck. Schon entzog er sie mir wieder und rannte Richtung Zug, nicht ohne sich zuvor zu verabschieden: „Leider muss ich jetzt auf den Zug. Leb wohl, Traumfängerin!“

Ich stand den ganzen Tag unter Strom. Woher wusste dieser fremde Mann meinen Spitznamen? Wer war er? Hatte mein philosophischer Freund etwas damit zu tun? Ich beschloss, diese seltsame Begegnung einfach zu vergessen.

Das Vergessen dauerte bis zur Mittagspause.

Unvollendet, 7. Januar 1997

Das ist Glück!

Der Mond hängt hell zwischen Dunkelheit, der Himmel wolkenlos. Meine Freundin und ich, in Nachthemden bis an den Boden, wie Gespenster, wandeln durch das taunasse Gras. Es ist hell, unsere Schatten begleiten unseren Gang, und wir reden. Wir gehen, weiter als ich jetzt laufen wollte, und es ist friedlich, friedlich, dann niemand ist da, aus der Ferne leuchten uns die Lampen eines Dorfes entgegen, doch niemand ist wach, alles schläft, selbst der Fuchs und die Mäuse im Feld.

Ich liege im Gras, am See. Es ist warm, heiss vielleicht, die Bäume spenden Schatten. Ich liege auf dem Rücken, meine Freunde um mich, der eine seinen Kopf auf meinem Bauch, die andere den ihren in meinem Schoss, der dritte auf meinen Oberschenkeln, und auf ihren andere Köpfe. Wir sind ein paar, vielleicht acht, und es ist friedlich, es ist heiss, irgendwie muss alles so sein.

Ich sitze am Steuer des Autos, fahre über eine endlose Autobahn, die Musik ist laut und lässt mich wachsen, als wäre ich ein Teil dieser grossen Welt, als könnte ich grösser sein und mehr sehen, als nur dieses kleine Loch vor mir, und die Musik ist laut, so wunderbar laut, und ich könnte für immer weiterfahren.

Der Zug rattert, die Berge als schwarze Schablone am Horizont, und dahinter wartet die Sonne darauf, auf zu gehen. Noch ist sie nicht da, die eiskalte Luft ist klar, über mir noch Nacht, und dort, im schönsten Gelb, das langsam Rosa wird, da steht er am Himmel, als wäre dies sein Platz: der Morgenstern! Der wunderbare Morgenstern, einsamer Letzter, der leuchtende Morgenstern!

Ach, dies sind alles Glücksmomente, wie eine Umarmung in einsamer Nacht, und ich möchte leben, leben möchte ich, und zu Licht werden und im Universum sehen, was uns versprochen wird, den Doppelstern hinter seinem Zwilling aufgehen sehen, und all meine Glücksmomente noch einmal erleben, den zuckenden Höhepunkt, den Moment voller Frieden, das masslose Glück, das kleinbemessene. Und ich bin einfach nur voller Glück, und alles ist vergessen, es braucht keinen Grund mehr für dieses Leben, nun könnte ich sterben, nun braucht es nichts mehr, und alles ist ohne Bedeutung, und ich will nur noch leben, nur noch leben, nur noch leben…

21. Dezember 1999