Die Traumfängerin

Es fing alles damit an, dass ich eines Morgens wie jeden Tag aus dem Zug stieg, hinter mir mein Klassenkamerad und vor mir ein weiterer Schultag voller Stress und Langeweile. Wir befanden uns auf halbem Weg zwischen Zug und Bahnhofgebäude, als plötzlich jemand laut ‚Traumfängerin‘ rief. Ich sah mich suchend um, nicht weil mich der Stimme erschreckt hatte, nein dieser Mensch rief einen Spitznamen, den mir ein philosophischer Freund vor langer Zeit einmal gab. Ein junger Mann kämpfte sich durch die Leute und stand plötzlich vor mir: „Traumfängerin, wie geht es dir?“, fragte er mich und streckte mir seine Hand in einer Art und Weise entgegen, als würden wir uns schon lange kennen. Ich sah ihn wohl ziemlich entgeistert an und ergriff seine Hand mit laschem Druck. Schon entzog er sie mir wieder und rannte Richtung Zug, nicht ohne sich zuvor zu verabschieden: „Leider muss ich jetzt auf den Zug. Leb wohl, Traumfängerin!“

Ich stand den ganzen Tag unter Strom. Woher wusste dieser fremde Mann meinen Spitznamen? Wer war er? Hatte mein philosophischer Freund etwas damit zu tun? Ich beschloss, diese seltsame Begegnung einfach zu vergessen.

Das Vergessen dauerte bis zur Mittagspause.

Unvollendet, 7. Januar 1997