Weihnachten ist nun schon wieder vorbei, und mit ihr der ganze Stress… und wohl auch wieder ein paar Ehen.
Statistiken belegen, dass während der Weihnachtszeit, wenn eigentlich Liebe, Friede und Eintracht herrschen sollten, die meisten Scheidungen eingereicht werden. Doch auch ganz allgemein ist die Scheidungsrate in den letzten Jahren beständig gestiegen. Die rufe nach Alternativen, sogar nach einer Umgestaltung der Ehe, werden immer lauter. Viele Menschen bezeichnen bereits heute ihren festen Freund oder ihre feste Freundin als „Lebensabschnittspartner“, um klar zu machen, dass sie nicht an ein Zusammenbleiben „bis dass der Tod uns scheidet“ glauben. Doch bevor wir über die Alternativen zu diskutieren beginnen, sollten wir uns zuerst mit dem Grundproblem, der Ehe beschäftigen. Was ist die Ehe überhaupt? Wir alle kennen sie: zwei Menschen, eine Frau und ein Mann, stehen vor dem Traualtar und schwören sich vor dem Priester und den Anwesenden (unter anderem) ewige Liebe und Treue. Früher hatte dieser Schwur einen einleuchtenden Sinn: ab diesem Zeitpunkt konnte der Ehemann ziemlich sicher sein, dass es sich bei den Kindern, welche die Frau gebären würde, um seine Nachkommen handelt und nicht die eines anderen. Ich habe absichtlich das Wort „ziemlich“ eingeschoben, denn eine absolute Sicherheit gibt es ja nie. Der Mensch ist ein triebhaftes Wesen, das lehrt uns schon die Bibel, und insbesondere das Fleisch ist schwach. Der Seitensprung ist heute, wie die Scheidung, zum Alltag geworden, wobei ihn beide Partner gleichermassen begehen können. Den Glauben an die ewige Liebe haben viele Menschen sowieso schon abgelegt, und meiner Meinung nach ist das auch gut so. Mich hat zwar kürzlich ein Freund mit seinem Bekenntnis zum Glauben an die ewige Liebe ziemlich schockiert. Ich bin nun seit einem Jahr mit meinem Freund zusammen. Diese Tatsache lässt mich glauben, dass ich auch ein paar Aussagen zur Ehe machen kann. Zum Beispiel, dass sie nicht immer leicht ist. Man muss sich nun einmal, nachdem man den feierlichen Schwur geleistet, bzw. das Dokument auf dem Standesamt unterzeichnet hat, täglich mit einem anderen Menschen auseinandersetzten, der seinen eigenen Kopf, seine eigenen Ideen und Gefühle hat. Man muss Kompromisse eingehen und auch mal zurückstecken. Viele Leute sind heute nicht mehr bereit, Kompromisse einzugehen. Sie wollen ihr Leben leben, wie sie es sich vorstellen. Wenn der andere die gleichen Vorstellungen hat: gut. Wenn nicht: und tschüss! Das wird ein Streit nicht mehr mit einer Lösung beendet, sondern mit einem Anruf beim Scheidungsanwalt. Und warum auch nicht, das ist ja auch viel einfacher und bequemer. Schliesslich wird heute von allen erwartet, dass man sich durchsetzen kann. Warum nur im Beruf, und nicht auch in der Ehe? Ein letzter Punkt, auf den ich noch kurz eingehen möchte, ist die Liebe. Vielleicht bin ich in dieser Beziehung etwas zynisch, aber ich glaube nicht, dass man sich ein Leben lang lieben kann. Darauf bin ich durch meine Eltern gekommen. Die haben sich aneinander gewöhnt. Liebe? Nein, die herrscht wohl nicht mehr. Dadurch kann ich aber einen Seitensprung gut verstehen: das Gefühl des Verliebtseins ist unheimlich schön. Und stark. Kein Wunder, dass manche Menschen zu regelrechten „Beziehungsjunkies“ mutieren! Ist dieses starke Gefühl des Verliebtseins weg fackelt man nicht lange, sondern sucht sich einen neuen Menschen, in den man sich velieben kann.
Eigentlich ist es schade, dass so viele Menschen ihren Glauben an die Ehe verloren haben. Für mich ist sie nach wie vor ein Symbol der Sicherheit und Geborgenheit. Auch ich will irgendwann heiraten. Aber ich mache mir keine Illusionen: ich rechne mit mindestens einer Scheidung in meinem Leben. Ich finde das nicht so schlimm, hoffe aber, dass die Sache nicht zu schmutzig ablaufen wird. (Man kann sich ja friedlich scheiden lassen oder einander das Leben schwer machen.)
Nur mit einem Lebensabschnittspartner zusammen leben möchte ich nicht. Ich sehe die Ehe als ein Zeichen: „He, seht her, wir gehören zusammen! Vielleicht nicht für immer, aber für eine lange Zeit!“ Ausserdem, wer will schon auf den Hochzeitsstress verzichten? Ich bin jedoch auch der Meinung, dass die Ehe reformiert werden muss, vor allem von den Kirchen. Es müssen neue, eheähnliche Formen gefunden werden! Insbesondere für homosexuelle Paare, und Paare, die bewusst ohne Trauschein leben. Beide werden ja, obschon sie in einer eheähnlichen Gemeinschaft leben, vom Gesetz nicht als solche anerkannt. Was ich ungerecht finde, mich aber zu einem schönen Schluss bringt. Ein Mann, er hat Krebs und wird bald sterben, und seine Freundin, sie hat auch Krebs, wird aber voraussichtlich noch ein paar Jahr leben, haben vor kurzem geheiratet. Mit 80 Jahren! Damit sie im Falle seines Todes abgesichert ist und ihn beerben kann. Die beiden sind schon seit 40 Jahren ein glückliches Paar. Ich sage nur: Und es geht also doch ohne Trauschein!
12.Januar 2000
17.1.00: Über dieses Thema könnte ich wohl noch hundert Seiten füllen. Leider hatte ich aber nur 2 Stunden Zeit dafür. 🙂