Salz und Zucker standen nach altem Brauch nebeneinander im Gewürzschrank. Beide in Gläsern, die fein säuberlich mit dem Inhalt angeschrieben waren. Eines Tages nun fiel das Salz von seinem Platz. War es Zufall? Oder vielleicht Schicksal? Wer vermag das zu sagen. Denn auch der Zucker fiel zu Boden. Der Deckel seines Glases rollte der Hausfrau vor die Füsse, die, durch ein klirrendes Geräusch aufgeschreckt, herbeigeeilt war.
Salz und Zucker umarmten sich innig, Kristall für Kristall. Und sie umarmten sich immer noch, als sie nach beschwerlicher Reise in der Müllverbrennungsanlage anlangten, dort, wo alles irgendwann hinkommt, jede Dose und jede Bananenschale und jeder gebrauchte Briefumschlag.
Und als der Zucker braun wurde, ob des vielen Lichtes, da verschmolzen Salz und Zucker, um am Ende von den Flammen ihrer innigen Liebe verzehrt zu werden…
Der Mann, der den Schwenkarm weit über dem Feuer bediente, träumte von einem Jahrmarkt, von Kebab und gerösteten Mandeln.
8. Januar 1998