Jeden Tag eine gute Tat

6.11.2006

Mein unangenehmstes Geschenk zu Weihnachten war dieses Jahr ein Buch von Markus. Er hatte es geschrieben, einen Umschlag dazu gestaltet und es auf eigene Kosten drucken lassen. Dann hat er einige Exemplare an Verlage geschickt und den Rest Verwandten und Freunden geschenkt.

Leider war Markus ein total unbegabter Schreiberling. Es war schlicht unerträglich: der Plot seiner Geschichte war völlig verwirrend bis nicht-existent, die Spannung sank von Seite zu Seite und das Machwerk strotzte nur so von Rechtschreibefehler. Er hatte es mir freudenstrahlend überreicht mit den Worten, ich sollte ihm unbedingt ein Feedback dazu geben.

Ich mag Bücher. Genauer gesagt, ich liebe Bücher. Bücher sind toll. Ich sammle sie, guck sie gerne an, lese sie, behandle sie pfleglich. Nach der siebten Seite verliess ich meine Wohnung und verbrannte Markus’ Buch. Die Welt durfte einfach nicht durch „Zwei Rosen halte ich in meiner liebenden Hand“ vermutzt werden.

Danach erwog ich, mich plastisch umoperieren zu lassen, um Markus nie mehr wieder sehen zu müssen. Der Zufall rettete mich vor hohen Arzt- und Spitalkosten: Markus bekam kurzfristig von einer Firma in Neuseeland den Auftrag, irgendein komisches Säugetier dort unten zu erforschen. Da er schon fast krankhaft tierlieb und der Säuger kurz vor dem aussterben war, liess sich der Möchtegern-Schreiberling nicht lange bitten und bestieg das nächste Flugzeug.

Seither quält er seine Lieben mit ausführlichen Berichten über seine Arbeit und seine „Abenteuer“ auf dem grossen Kontinent. Zum Glück gibt es Filter für E-Mailprogramme.