13.11.2006
„Kommen wir nun zum Kovariations- und Konfigurationsprinzip von Kelley. Sie werden vielleicht im ersten Moment etwas erschrecken ob der Theorie, doch ich versichere Ihnen, diese beiden Prinzipien wenden wir tagtäglich an.“
Ich notierte mir den Text von der an die Wand projezierten Folie und versuchte, mich auf das Referat des Professors zu konzentrieren. Ich war schon den ganzen Tag seltsam unruhig gewesen. Als hätte ich etwas vergessen, oder als würde etwas passieren. Mein Blick schweifte wieder zur grossen Wanduhr. Sie zeigte 13.13 Uhr. Für einen Moment wurde mir schwarz vor Augen. Ich atmete tief ein und aus, langsam und konzentriert. Für einen Moment flimmerte noch eine Armee von schwarzen Punkten vor meinen Augen, dann konnte ich den Prof wieder sehen. Ein nagendes Gefühl befiel mich. Hatte ich dies nicht schon mal erlebt? Ich versuchte, an etwas anderes zu denken. „Einatmen, ausatmen“. Atmen war immer gut.
Annabelle drehte plötzlich den Kopf und wandte ihre Aufmerksamkeit mir zu. Ihr Gesicht war verzerrt von einem Ausdruck von Grauen. Ich hob irritiert an, sie zu fragen, was los sei. Da bemerkte ich, dass etwas nicht stimmte. Vor mir schien grüner Rauch aufzusteigen. War ein elektrisches Kabel am schweelen? Ich blähte die Nasenflügel, um nach allfälligem Rauchgestank zu fanden. Es würde ein unglaubliches Chaos geben, wenn 600 Studentinnen und Studenten versuchen würden, bei Feueralarm aus dem Saal zu stürmen. Der grüne Rauch kam in regelmässigen Stössen. Plötzlich traf mich die Erkenntnis wie ein Vorschlaghammer:
Der Rauch kam aus meiner Nase!