Kaffeepause

1.11.2006

„Damit hätten wir das Thema „Theorie der korrespondierenden Schlussfolgerung“ abgeschlossen. In der nächsten Vorlesung werden wir das Kovariations- und Konfigurationsprinzip von Kelley behandeln. Ich wünsche ihnen bis dahin eine schöne Woche.“ Erleichtert schlug ich mit meinen Fingerknöcheln auf die Tischplatte und bedankte mich so beim Professor für seinen Vortrag. „Ich brauch einen Kaffee!“ stiess Anabelle neben mir aus. Ich musste grinsen. Manche Kommentare gehören zum Mittwoch wie das Amen in die Kirche.

In der Mensa deckten wir uns mit Kaffee und Brownies ein. „Ich frag mich echt, wozu wir sowas lernen müssen“, beschwerte sich Beat. „Reg dich ab, das sind Grundlagen“, erwiderte ich etwas genervt. Manche Kommentare gehörten wirklich zum Mittwoch wie und so weiter. „Grundlagen, Grundlagen! Was soll der Mist? Meinst du, ich laufe rum, attribuiere zu einer Situation und sage dann: „Oh, ich hab jetzt gerade eine korrespondierende Schlussfolgerung gemacht.“?“ Beat konnte wirklich nerven, insbesondere, wenn ich noch keinen Schluck von meinem Kaffee geniessen konnte. Anabelle rettete mich: „Ach, mach dir nicht so viele Gedanken dazu. Wir müssen es lernen, Punkt. Das ist wahrscheinlich sowieso nicht für die praktische Anwendung gedacht, schliesslich heisst es ja „Die Theorie der korrespondierenden Schlussfolgerung, und nicht die Anwendung.“ Ich prustete belustigt in meinen Kaffee. „Könnt ihr jetzt bitte einen Moment aufhören, mit dem ganzen Fachjargon um euch zu werfen? Wir haben Pause, Leute!“, murmelte ich genervt.

Ein lautes Klirren liess mich zusammenzucken, und für einen Moment war ich abgelenkt von dem riesigen, neuen Kaffeefleck auf meiner Hose. „Mistmistmistmist“, fluchte ich vor mich hin. Die Hose war gerade frisch gewaschen. Genervt suchte ich die Mensa ab, wer sein verdammtes Glas fallen gelassen hatte.

Jemand stand neben der Kasse. In das Mineralwasser auf dem Boden mischte sich langsam dunkles Blut.