Von meinem Stern

Ich sitze tief in meiner Welt
Und will eigentlich nie mehr zurück
Ich fühle mich wie eine Prinzessin
Auf meinem Stern
Und winke dir von hier oben zu
Dir und all den Problemen
Allem das nun so weit weg ist
Und ich denke mir
Warum ich nicht schon früher hier her kam
Und ich lächle
Ein Lachen brauchts hier nicht

8. Februar 2000

Krank

Ich hätte gesund werden sollen
Doch ich fühlte mich jeden Tag
Noch ein bisschen kränker
Noch ein bisschen hinfälliger
Noch ein bisschen kraftloser

Schleichend hat es mich überwältigt
Hat mich einfach angefall’n
Hat mich ans Bett gefesselt
Hat mich von allen abgeschnitten

Nun liege ich hier
Und flehe um Erlösung
Und flehe um Gesundung
Und flehe um den Schlaf

Ich sehe aus dem Fenster
Draussen scheint die Sonne
Draussen fällt der Regen
Draussen tobt ein Gewitter

Und ich liege hier
Kann nicht aufstehen
Kann nicht gehen
Kann nicht leben

Und ich denke an das normale Leben
Und der Schmerz ist längst vergessen
Und die Angst ist längst vergessen
Und die Hoffnung ist längst vergessen

Und immer wieder ein Rückfall
Und immer wieder Sonnenschein
Und immer wieder Regen
Und immer wieder die Erkenntnis:

Es muss so sein.

8. Februar 2000

Natürlich habe ich’s versucht

Natürlich habe ich versucht
die Sterne zu zählen
Doch ihre Zahl war zu gross

Natürlich habe ich versucht
einen Regenbogen zu malen
Doch die Farben sind zu schnell verblasst

Natürlich habe ich versucht
die Sonne zu erreichen
Doch der Erdboden hielt mich fest

Natürlich habe ich versucht
eine Schneeflocke zu bewahren
Doch sie schmolz in meinen Händen

Natürlich habe ich versucht
von hier zu fliehen
Doch mein Körper hielt mich zurück

Natürlich habe ich versucht
zu Gott zu sprechen
Doch ich traf nur Leere an

Natürlich habe ich die Fragen gestellt
die niemand beantworten kann
Doch ich bekam Antwort

Natürlich habe ich versucht
die Antwort zu verstehen
Natürlich habe ich’s versucht

8. Februar 2000

Kraftlos

Ich glaube, ich bin kraftlos.
Ich sehe Menschen Taten vollbringen
Welten erschaffen
Geld machen
alles hinter sich abbrechen
und ein neues Leben beginnen
Sehe sie neue Wege gehen
die sie zuvor nicht gegangen sind
Ich kenne nur mein Dorf
Dieses Haus
Mein Zimmer
Und meine Träume
Vor deren Verwirklichung
Ich Angst habe
Ich zurückschrecke

Ich glaube, ich werde ein einfaches Leben haben
Ohne grosses Auf und Ab
Der Preis kann Langeweile sein
Der Gewinn ist Sicherheit

Doch was wäre, wenn eines Tages, wenn eines Tages etwas alles ändern würde….

8. Februar 2000

Gesichter

Ich habe mich selbst verloren
Und unter all den Menschen um mich herum
Finde ich mich nicht mehr
Ich wünsche mir einen Spiegel
Um mein Gesicht zu betrachten
Und mich wieder zu finden

Ziellos irre ich durch die Reihen
Und beachte die Gesichter nicht
Suche mich

Erst nach langen Tagen
Sehe ich die Augen
In den Köpfen
Und bemerke
Meine eigene Blindheit

Jeder von ihnen ist ich
Und ich bin jeder von ihnen

Mir schaut die Geliebte entgegen
Die schlampige Rumhängerin
Das Mauerblümchen
Die Furie
Die Denkerin ebenso
Wie das kichernde Mädchen

Und ich sehe in ihren Augen
Die Menschen, die sich kennen

23. Januar 2000

Fesselnde Gräber

Ich habe dich beerdigt
Tief in meinem Herzen
Und niemandem erzählt
Dass du dort begraben liegst

In der Nacht höre ich deine Schreie
Aus der Tiefe
Und dein Rufen
Ist magisch

Mein Wille ist stark
Mein Verstand versteht
Doch meine Seele
Kennt nur die Erfüllung

Erinnerung heisst das Zauberwort
Wünsche mir den Schlaf
Doch wie kann ich friedlich träumen
Wenn die Vergangenheit nach mir ruft

Du bist schön wie ein Engel
Und ich werde mich an dich erinnern
Doch niemals wieder sehen
Denn wirkliche Engel fliegen schnell davon

Ich habe dich begraben
Und über deinem Grab
Einen Berg errichtet
Damit du dich nie mehr befreien kannst

Manchmal fürchte ich
Andere könnten dich rufen hören
Und zweifle an meinen Fesseln
Die ich dir in lodernden Feuern geschmiedet habe

Mich wundernd stehe ich da
Und starre in den Himmel
Wie konntest du ihn nur wieder erreichen?

23. Januar 2000