Verloren

„befreit uns denn niemand, auch nicht durch zauberei?“

Die Blume ist zerfallen
Blütenblätter am Boden
Vergessene Wünsche
Liegen sinnlos im Staub

Wohin ich auch sehe
Blickt mich Traurigkeit an
Und ich ertrage mein Gesicht
Im Spiegel nur

Trage noch deine Züge
Auf der gefurchten Stirn
Trag noch deine Liebe
In meinen erschreckten Augen

Viel zu lange konnte ich keinen Atem holen
Hast mich fast erstickt
Bist in mir gestorben
Hab dich oft vermisst

Die Jugend ist vorbei
Die Rosen lassen ihre Köpfe hängen
Und an den Wänden
Erinnern mich bleiche Bilder an dich

Hätte ich mich selbst verloren
War ja nie ein Teil von mir
Suche immer noch nach dir
Werde nie ganz sein
Ohne dich
Ohne mich
Du, mein früheres Ich

9. November 2001

Versprechen

Schwermut zieht seine Kreise
Schlafend liegt er da
Und trägt den Frieden dieser Welt
In seinen Augen

An seinen Schulterblättern
Zerbricht das Leben
An seinem Rücken
Zerbricht die Welt

Und seine Haut verspricht mir
Das ich nicht hier sein muss
In mir
Für kurze Zeit

Irgendwann und 6. November 2001

Es ist Zeit zu gehen

Und ich sammle meine Schatten ein
Du siehst mich nicht
Siehst nur mein Gesicht
Ich halte die Schatten hinter meinem Rücken versteckt

Die Lippen so süss
Erinnere mich an deine Haut
Sehe mich in deinen Augen lachen
Wende mich weinend ab

Es ist Zeit zu gehen
Weit weg von dir
Du wechselst dein Gesicht
Verstand dich noch nie

Nagle meine Schatten an den Füssen fest
Sie sollen mir nicht mehr entkommen
Ihre langen Finger
Legen sich um meine Kehle

Und ich ringe nach Luft
Schmecke Salz auf meinen Lippen
Ersticke an deinem Kuss

13. Oktober 2001

Hätte ich einen Wunsch frei

Hätte ich einen Wunsch frei

Hätte ich einen Wunsch frei
Nur einen
Ich würde mein Herz hergeben
Wäre kalt wie Stein

Nichts könnte mich mehr berühren
Unverletzbar
Keine Seele
Sinnloses Leben

Hätte ich einen Wunsch frei
Nur einen
Ich würde mir einen Tod wünschen
Und ein Leben

Schlaflos jede Nacht
Träume, die niemals wirklich sind
Ich würde rennen
Um die ganze Welt

Hätte ich einen Wunsch frei
Nur einen
Ich würde keine Träne mehr vergiessen
Ich würde nur noch lachen

Das Leid dieser Welt tilgen
Und dem Sinnlosen Sinn geben
Das Universum noch mal zusammenpacken
Den Himmel zum Bräutigam nehmen

Hätte ich einen Wunsch frei
Nur einen
Ich wünschte mir den Wahnsinn
Und nasse Haare

Ich würde tanzen
Und singen, die ganze Nacht
Bis meine Stimme bricht
Würde dir den Wunsch schenken
Was soll ich schon damit?

13. Oktober 2001