An eine, die sich selbst in Ketten legt

Leg dich nicht selbst in Ketten
Geniesse dein Leben
Du hast nur dieses eine!

Geniessen den Wind in deinem Haar
Er wird den Blättern der Bäume von dir erzählen
Fühle das Wasser auf deiner Haut
Es kommt vom Himmel, nur für dich
Spüre das Feuer brennen
Es entzündet den Geist in dir
Rieche in der Luft
Die Geschichten von überall

Mach dir jeden Menschen den du triffst zum Freund
Und jeden Mann zum Liebhaber
Hasse
Wie du lieben kannst
Und verzweifle immer wieder an dieser Welt

Schreite hinaus mit hocherhobenem Kopf
Denn wer nur auf seine Füsse schaut
Wird nie mehr als Gras sehen
Erkenne die Blumen darin

Pflücke ein Feld leer
Suche die Freundschaft eines Tieres
Suche die Schönheit
In den Augen der Blinden
Den Worten der Stummen

Kenne keine Grenze
Sei immer du selbst
Und wachse über die selbst hinaus
Werde gross und schön
Und sprenge die Ketten
Mach dir die Welt untertan

Lebe intensiv und schnell
Töte deine Seele in den Abgründen
Erstehe wie ein brennender Phönix
Erkenne, niemand sonst hat Macht über dich
Sprenge deine Ketten
Dein Gefängnis ist deine Angst

Du kannst alles erreichen!

Ich hoffe es…

23. April 2001

Die Löwin jagt

Die Löwin ist endlich
Nach langem Schlummer
Aus ihren Träumen erwacht

Sie ist hungrig
Spürt die Steife in ihren Gliedern
Unruhig ist sie
Zu lange war ihr Schlaf

Die Löwin blickt auf zum Mond
Geheime Rufe haben sie geweckt
Nun ist die Zeit der Sicherheit vorbei
Die Löwin macht sich auf zur Jagd

Stolz ist sie
Und schön
Und ihr Fell funkelt in der Morgensonne

Die Tiere in der Steppe erwachen
Und fliehen
Die Löwin jagt wieder
Sie ist nun kraftvoll
Und tödlich ist ihr Blick

20. April 2001

Engeltränen

Weine, kleiner Engel
Und küsse deinen Tod
Er hat so süsse Lippen
Seine Liebe
Bedeutet dein Ende Lass deine Tränen zu Boden fallen
Benetzen das durst’ge Land
Niemand kann dir
Deine Sehnsucht nehmen

Kleiner Engel
Mit blutigen Schwingen
Schwebe durch die Himmel
Singe deine Lieder
Dein Geliebter begleitet dich
Wie eine dunkle Erinnerung

Küsse den mächtigen Herrscher
Gebier deine Kreatur
Wir sind nur Wind in der Zeit
Euer Verlangen zerstört
Was schwach ist
Und voller Zweifel

Ich sehne mich
In deine Augen
Verschlingen soll mich
Was ihr nie Liebe nanntet
Zerstören soll mich
Mein Leben

Weine, kleiner Engel
Weine um mich

8. April 2001

Ei

Ich bin aus einem Ei geschlüpft
Es wurde Erde genannt
Und verwundert
Sah ich mich leben

Ich lief jeden Tag auf dem Ei herum
Jagte fremden Zielen hinterher
Liess andere jagen
Und suchte oft nach dem Sinn

Manchmal
In tiefen Nächten
Fühlte ich mich erinnert an mein Ei
Und Sehnsucht raubte mir den Schlaf

Das Denken bereitete mir Mühe
Alles war so verworren
Nicht nur Weiss und Gelb
Meine Seele verlor wohl ihre Unschuld

Ich sah andere wieder im Ei verschwinden
Der Priester sagte, Staub werde wieder zu Staub
Tränen fielen auf die Gräber
Doch ich beneidete sie nur

Zurück, zurück ins Ei, ich will zurück!

8. April 2001

Vision

Töte den Willen in dir
Suche nicht nach dem Sinn
Entdecke die Einsamkeit
Antworte der Stille

Engel kreisen im Himmel
Die Wölfe heulen zum dunklen Mond
Die Elfen verstecken sich schreckhaft
Die Menschen sind längst vergessen

Siehe die Ewigkeit
Sie schmeckt bitter
Wolken verdecken dir die Augen
Fressen an dir
Verschlingen deine Gedanken

Kein Lachen
Aus unbeflecktem Mund
Märchen
Verwandeln sich in finstre Schatten
Jeder Stein weint Tränen

Kakerlaken
Suchen unter toter Erde
Die vergessenen Träume
Schwer fällt der Regen
Und wäscht jede Erinnerung fort

8. April 2001

Mein Herz

Ich verzweifle
Wegen meines Herzens
Es schlägt so schwer
In meiner schwachen Brust
Rauscht so laut
In meinen Ohren

Ich möchte dir mein Herz geben
Blutend liegt es in meiner Hand
Und möchte es zerdrücken
Es hat so viel Macht
Stürzt mich immer wieder ins Ungewissen
Und in die Dunkelheit

Ich schenke dir mein Herz
Hier kannst du es haben
Nimm es
Und all meinen Schmerz mit dir
Soll es einen anderen belästigen!

8. April 2001

Tomaten kaufen

Sie ging
Sie ging in ihren wadenkurzen Hosen
In den grünen
Sie ging mit ihren hohen Schuhen
Den schmalen, die sie so gross machten
Sie ging mit ihrem engen Shirt
Dem schwarzen mit der roten Aufschrift ‚Anyone‘
Sie ging mit ihren grünen Augen
Und ihrem roten Haar
Sie ging
Sie ging in ihrer braunen Haut
Ging durch die Stadt
Ging Tomaten kaufen

5. Juli 2001