Die Nacht

Wenn die Nacht
Mich unerwartet trifft
Und die Dunkelheit
Sich in jede Ecke schleicht
Wenn die Erinnerungen
Über den Boden wogen
Wie längst vergessene Wellen
Und wenn die Gedanken
Sich unbemerkt befreien

Wenn die Erinnerungen wispern
Die Unwissenheit geifernd am Bette steht
Wenn Wünsche
Und Befürchtungen
Schweigend Wache halten
Wer errettet mich dann?

Wenn der Mond mattes Licht
In düstres Denken sendet
Wenn Kerzenflammen
Drohende Schatten werfen
Wenn ein glitzerndes Auge
Wie tot erscheint
Und der Mund
Nur Leere fühlt
Und Schalheit

Wenn das Ohr erahntes Murmeln hört
Und eine Hand
Sich suchend einen Weg bahnt
Durch schwarze Angst
Wenn das Herz fast weint
Und schwere Tropfen
Das Leinentuch durchnässen
Wer errettet mich dann?

Wenn die Nacht mit ihren Gespenstern
Mit ihrem süssen Versprechen
Mich in alte Arme nimmt
Wenn sie das Licht ausschliesst
Und aufsaugt
Als wäre es goldene Milch
Dann küsse ich die treue Freundin
Und heisse willkommen
Was sie mir bringt
Und meine Retter
Müssen elend untergeh’n

9. Mai 2000