Alt II

Ich möchte diese Zeit festhalten, möchte sie für immer leben. Diese süsse Interesselosigkeit, dieses wunderbare Gefühl, dass mir alles egal sei und mir dennoch etwas bedeutet. Ich würde gerne schreiben, schwebende Geschichten, so wie früher. Doch meine Konzentration ist zerstreut, ich kann den Lehrern aufmerksam zuhören, doch sitze ich vor dem Blatt, verspüre ich Widerwillen. Es wäre ein Erwachen aus dem Schweben, dem Zustand der Leichtigkeit. Meine Gedanken zerfallen, und dennoch schreibe ich Geschichten von grosser Schönheit, nie gekannter, nie erahnter. Doch diese Leichtigkeit ist auch sehr gefährlich, ich bin nun bereit, Berge zu zerstören. Dies ist ein seltsamer Widerspruch zu dieser Gleichgültigkeit, jener leicht schwebende Wunsch nach Rache, nach Zerstörung. Es ist, als sei er in Watte verpackt, undeutlich und dennoch bohrend. Ich bleibe still, wie ich es immer war, doch ich spüre, dass eine unheimliche kraft in mir pulsiert. Doch ich muss diese Kraft verschliessen, denn kommt sie einmal zum Ausbruch, wird sie vieles zerstören. Vielleicht gäbe ich nach dem Schwinden der Leichtigkeit keine Kraft, die Konsequenzen zu traen. Sehr wahrscheinlich sogar. Doch das Unterdrücken kostet Kraft. Und vielleicht kommt sie doch heraus, in der vertrauten Form der Tränen.

Zensierte Version
Original am 24.April 98