Der Kurs IV

01.12.2006

Wir fuhren schweigend. Das Licht vom Höllenschlund am Himmel tauchte die Umgebung in ein gespenstisches Rot. „Als wäre alles in Blut getränkt“, dachte ich still bei mir. Wir kamen erstaunlich schnell voran. Auf der Autobahn musste Annabelle immer wieder verlassenen Wagen ausweichen. Bei manchen waren noch die Scheinwerfer eingestellt, und erleuchteten die verlassene Strasse. Vielleicht waren die Fahrer alle vom Militär oder dem Zivilschutz eingesammelt worden. Oder etwas hatte sie so erschreckt, dass sie fluchtartig ihre Autos stehen gelassen hatten und kopflos davon gestürmt waren.

Einmal musste Annabelle einen Wagen mit ihrem weiterschieben, um an zwei nebeneinander vlerassenen Autos vorbei zu kommen. Der Fahrer hatte zum Glück die Handbremse nicht angezogen, die Fahrertür stand sogar noch offen.

Je weiter wir kamen, desto seltener mussten wir langsam fahren. Nach ungefähr einer Stunde begann es dann: Die Sterne fielen zur Erde.

Sie fielen langsam, so als hätten sie es nicht eilig, und als würde sie die Erdanziehungskraft nicht sonderlich beeindrucken. Sie fielen lautlos und als sie auf dem Boden auftrafen, hüpften sie noch ein paarmal auf und ab, als könnten sie noch gar nicht glauben, wirklich aus dem Himmel verbannt worden zu sein. Wie weisse Perlen lagen sie am Boden und glänzten intensiv. Ich war froh, im Auto zu sitzen, denn ich verspürte keine Lust, diese seltsamen Dinger zu berühren. „Schon komisch“, meinte Beat plötzlich, und vor Schreck hätte ich mich selbst beinahe durch das Dach katapultiert, „die Geister gehen rauf zu diesem roten Licht, und die Sterne kommen herunter. Beide weiss. Als müssten sie ein Gleichgewicht wieder herstellen.“ Ich sah aus dem Fenster und beobachtete, wie Millionen von Sternen auf die Erde fielen wie radioaktiv verseuchter Schnee.