Dornröschenschlaf

Die Wut noch nicht ganz vergessen
Der Groll noch als schwaches Beben
Im müden Herz

Ich habe die Augen geschlossen
will diese Welt nicht mehr sehen
Will schweben
In meinen Himmeln

Die Bewegung in ihrer Stärke
In ihrer Schwäche
Ich bin entrückt
Ein anderes Ich erlebt die Lust

Erbarmungslos
Treibe ich es voran
Sein Flehen verhallt ungehört
Ich muss es zum Schweigen bringe
Zur Vollendung
Ein letztes Beben
Der Schlaf

18. September 1999

Schatten

Und ich sammle meine Schatten ein
Du siehst mich nicht
Siehst nur mein Gesicht
Ich halte die Schatten hinter meinem Rücken versteckt

Die Lippen so süss
Erinnere mich an deine Haut
Sehe mich in deinen Augen lachen
Wende mich weinend ab

Es ist Zeit zu gehen
Weit weg von dir
Du wechselst dein Gesicht
Verstand dich noch nie

Nagle meine Schatten an den Füssen fest
Sie sollen mir nicht mehr entkommen
Ihre langen Finger
Legen sich um meine Kehle

Und ich ringe nach Luft
Schmecke Salz auf meinen Lippen
Ersticke an deinem Kuss

13. Oktober 2001

Wenn ich einen Wunsch frei hätte

Hätte ich einen Wunsch frei
Nur einen
Ich würde mein Herz hergeben
Wäre kalt wie Stein

Nichts könnte mich mehr berühren
Unverletztbar
Keine Seele
Sinnloses Leben

Hätte ich einen Wunsch frei
Nur einen
Ich würde mir einen Tod wünschen
Und ein Leben

Schlaflos jede Nacht
Träume, die niemals wirklich sind
Ich würde rennen
Um die ganze Welt

Hätte ich einen Wunsch frei
Nur einen
Ich würde keine Träne mehr vergiessen
Ich würde nur noch lachen

Das Leid dieser Welt tilgen
Und dem Sinnlosen Sinn geben
Das Universum nochmal zusammenpacken
Den Himmel zum Bräutigamnehmen

Hätte ich einen Wunsch frei
Nur einen
Ich wünschte mir den Wahnsinn
Und nasse Haare

Ich würde tanzen
Und singen, die ganze Nacht
Bis meine Stimme bricht
Würde dir den Wunsch schenken
Was soll ich schon damit?

13. Oktober 2001

Du kennst mich nicht

Dann lache ich dir mitten ins Gesicht
Denn du kennst mich nicht
Und glaubst es doch
Ich werde dir deinen Fehler zeigen!

Ich bin glücklich Unglücklich
Ich bin unglücklich Glücklich
Ich bin das Licht und der Schatten
Auf dem du täglich gehst

Und du lachst mich aus
Oder wendest dich ab
Was ich bin, gefällt dir nicht
Und du kannst mich nicht sehen

Viel zu schnell hast du dich blenden lassen
Von dem, was ich für dich war
Nur Zaubernebel
Verblasen in Wind

Du brachst eine Seele
Um mich zu verstehen
Und selbst dann kennst du mich nicht
Erkenne dich selbst

Vielleicht bin ich du

1. Oktober 2001

Wenn ich die Liebe nicht mehr finde

„Wenn ich die Liebe nicht mehr finde“,
so sprach ich einst als Kind,
„will ich lieber sterben,
als nur halb zu Leben!“

Und die Jahre sind vergangen
Und es ist noch gar nicht lange her
Nun laufe ich durch die Welt
Und wünsche mich tot

So vieles ist geschehen
Womit sich ein Leben halt so füllt
Und ich hab noch viel mehr vor mir
Doch ist es mir jetzt schon zu viel

Wenn ich die Liebe nicht mehr finde
Sie nicht mehr fühle in meinem Herz
Und nur noch Stürme in mir toben
Erkenne mich schon lange nicht mehr

Und ich wünsche mir
Wieder ein Kind zu sein
Nur die Liebe zu den Eltern
Und alles ist so einfach

Wenn ich sie auf den Strassen sehe
Wende ich mich weinend ab
Mein Herz weint so laut
Ich möchte nur noch weglaufen

Weiter, immer weiter
Niemand kriegt mich jemals
Viel zu schnell für jeden Menschen
Viel zu schnell für jedes Gefühl

Und dann sehe ich dein Gesicht
Unklar, denn du bist alle
Und ich denke:
Wenn ich die Liebe nicht mehr finde
Will ich lieber sterben.

1. Oktober 2001

Die Dunkelheit ist zurück

Ich sehe den Mond vom Himmel scheinen
Und er deucht mir viel zu gross
Sein mattes Licht dringt in jede Ritze
Nur nicht in meine Augen
Nur nicht auf mein Gesicht
Nur nicht in meine Seele

Und ich grüble
Laufe blindlings durch die Welt
Die Blätter wirbeln schon wieder im Wind
Der Nebel liegt trübe über dem Land Und die Nächte werden länger
Und kälter
Und einsam

Woher soll ich noch einmal die Kraft nehmen?
frage ich mich und lache
Du bist schon lange nicht mehr hier
Und noch nicht
Vielleicht noch nicht
Vielleicht nur ein Gespenst in meinem Kopf
Vielleicht nur eine dumme Illusion

Ja, ich bin viel stärker
Als meine Träume mir flüstern
Ein weiteres Mal ist nur eines unter vielen
Dunkelheit bedingt das Licht
Wäre nur gerne nicht allein
Wäre nur gerne nicht so stark
Wäre nur gerne beschützt
Wäre nur gerne ein bisschen weniger traurig.

1. Oktober 2001

Hab mein Herz verloren

Hab mein Herz verloren
Weiss nicht, wo es steckt
Hab danach gesucht
Wo es nur sein mag?

Bin durch ein Land geirrt
Hab erst nach und nach bemerkt
’s war mein Kopf
Wie kam ich nur hierher?

Bin über ein Gefühl gestolpert
Und über ein Haufen Naivität
Hab verborgene Träume entdeckt
Und Erinnerungen, schon lange vergessen

’s war eine seltsame Suche
Fand, was ich nicht sehen woll’t
Nur mein Herz blieb verborgen
Wo hat es sich versteckt?

Und als die Hoffnung tot war
Kehrte ich zurück
In meinen Körper
Da war das Herz mir schwer

Und ich spürte es hart in meiner Brust schlagen

22. September 2001

Alles in Ordnung

Alles in Ordnung
Alles O.K.
Und ich lächle

Die Sonne geht auf
Die Sonne geht unter
Wiederholt sich Tag für Tag
Nichts Besonderes
Ich vergesse es manchmal

Und ich verstecke die Tränen in meinen Augen
Keine Angst, ich belästige dich nicht
Ich werde für dich perfekt sein

Weil ich mich selber so sehe
Gross und schön
Und mich dabei selber nicht mehr fühle
Geniesse nur den Augenblick
Kein Gefühl

Das bin ich gern
Ohne Zweifel
Nur ist dann kein Platz für Tränen

Und die Nächte sind nicht dunkel
Nur einsam
Und ich schreibe ein Gedicht
Nicht für dich
Nur für mich

Alles in Ordnung
Alles O.K.
Keine Angst, ich lebe einen weiteren Tag

Und verstecke meine Träume
In kaltem Blut

22. September 2001

Du bist nicht bei mir

Du bist nicht die Antwort auf meine Fragen
Du bist nicht der Sinn meines Lebens
Und wenn ich morgens aufwache
Habe ich nicht von dir geträumt

Du bist keine meiner Erinnerungen
Du bist keiner meiner Gedanken
Und wenn ich durch die Stadt gehe
Sieht dir niemand ähnlich

Du bist nicht mein Glück
Du bist nicht meine Tränen
Und die Liebesbriefe im Schrank
Sind nicht von dir

Du kennst mein Lachen nicht
Du hast mich nie leiden gesehen
Wenn wir aneinander vorbeilaufen
Sind wir uns gleichgültig

Und da rieche ich deinen Duft
Drehe mich um
Du bist nicht bei mir

9. September 2001

Die Störche fliegen gegen Spanien

Die Nächte sind so klar
Tausend Sterne sehen auf mich
Und der Wind
Zerzaust mein Haar

Die Liebe ist gegangen
Und wird erst im Frühjahr wiederkehren
Ich esse derweil Nüsse

Die Felder sind nun gelb
Und werden geerntet
Der erste Schnee
Breitet bald seine Unschuld über uns

Ich entdecke im Wald ein paar Pilze
Sie wissen nichts vom Sommer
Ich bedaure sie

Die Störche fliegen gegen Spanien
Ich sehe ihnen hinterher
Und träume nicht von anderen Ländern
Sehne mich nach dir

28. August 2001