In der chemischen Reinigung

„Entschuldigen Sie“, sagte ich zu dem Mann hinter der Theke
Und drückte ihm mein Herz in die Hand
Er gab mir einen grünen Zettel mit einer Nummer
In zwei Tagen solle ich wieder kommen

Der Mann steckte mein Herz in die Waschmaschine
Er kannte mich nicht
Seine Frau besserte einige beschädigte Stellen aus
Mit Sekundenkleber

Frisch poliert
Wäre niemand auf die Idee gekommen
Dass mein Herz innen faul wäre
Oder gar schwarz

Ich beschloss
In einem Jahr wieder zu kommen

30. September 2002

Der Ton

nimmt dich das wort

nimmt dich der ton
nimmt er dich fort von hier
bewegt er dich

der geist bekommt flügel
segelt ziellos übers land
schwebt

nimmt dich die musik
nimmt sie dich
nimmt sie dich mit sich

höre
höre genau
hör nicht auf

kommt eine neuer ton
dich zu holen
musst dich nicht entscheiden
für einen von ihnen

flieg
schweb
höre
sieh hin

entgehe dir selbst
auf ton-schwingen
lass dich mitnehmen
auf toten-schwingen
mitnehmen ins anderswo

erkenne dich
erkenne den ton
trag ihn in deinem herzen

11.12.2002

Der Psychiater

Der Arzt sitzt still
Seine Augen werden meerblau
Er wirft seinen Blick
durch mich hindurch
an eine Wand
Tote Antworten
Hängen träge zwischen uns
Gefolgt von gleichgültigen Fragen
Wir wissen beide nicht
Wohin die Tage uns bringen.

14.01.2003

Wir gehen aneinander vorbei

Ich (etwas müde, zerzaust, frisch von der Arbeit, hungrig, nicht unwohl)
Du (gerade aufgestanden, noch etwas schlaftrunken, einem Traum nachstudierend, Kaffee haltend)
Wir (Blick in Augen, etwas ernüchtert)
gehen (langsamen Schrittes)
aneinander (gleichgültig, erkenntnislos, fremd)
vorbei.

14.01.2003

Kurzgedichte

Ich will dich gar nicht wissen
Denn wenn ich dich weiss
vermisse ich dich schon

21. August 2002


Im Grunde wäre es Zeit
Zeit wäre es im Grunde
Zugrunde zu gehrn

22. August 2002


Der Himmel
Sieht zu viele Wolken

5. September 2002


Du hast mir
Den Regen aus der Nacht genommen

11. September 2002


Dunkel, dunkler, schwarz
Dich in mir fühlen
Tief, tiefer, in meinem Kopf
Sende meinen Abschiedskuss
Ins Nirgendwo

11. September 2002


Draussen regnet es
Göttertränen
Der Boden voller Perlen
So scheint es mir
Dämmerdasein

22. September 2002

Abschied

I

Es waren meine Mondaugen
Die uns schöngesehen haben

II

Ich gehe nun
Und du siehst mir nicht hinterher
Mein Abschied
Hat dich nie erreicht

III

Zuviel nachgedacht
Zuwenig mich selbst gefühlt
Zu oft falsch gelacht
Ein Lächeln aufgesetzt
wenn mir nach weinen war
Es ist besser, nun zu gehen
Meine Küsse lasse ich dir da
Meinen Duft in den Laken
Du wirst sie waschen
Morgen

IV

Wenn ich nun gehe
Versuche ich in Wahrheit nur
Dich aus meinen Gedanken zu kriegen
Darum lasse ich mein schmerzendes Herz
Hier bei dir

V

Der Herbstwind reisst die Blätter von den Bäumen
Ich gebe ihm
Meine Gedanken an dich mit

22. September 2002

Winterwinde

Zart klirren die Eiszapfen
Im kalten Winterwind
Er erzählt nicht mehr vom Sommer
Alles unter schwerem Schnee

Die Bäume ächzen unter ihrer Last
Dem Schneemann friert die Nase ein
Mir ist kalt
Furchtbar kalt

Leichenweiss
Findest du mich nicht mehr
Suche mein Grab
Mit sonnenblinden Augen

Eisern zerbricht unser Schweigen
Zwischen Schneeflocken
Eisfontänen
Treffen unsere Herzen
Es herrscht Eiseszeit.

1. Dezember 2002

Gedankensplitter

Lieb-Liebkind, leible nicht
Lieb-Liebkind, leide nicht

„Warum bist du traurig?“
„Ich weiss es nicht.“

„Ich bin das Phantom.“
„Ich kann dich aber sehen!“
„Du kannst mich aber nicht lieben“

[Wunden]
Das Licht der Welt entschwindet… Und kehrt zurück…
Dunkelheit bricht auf, mitten aus meinem Herzen, weinend liegt es da…

„Wie willst du dich schützen vor dieser Welt?“
„Indem ich fliege“

„Fliesst du gleichmässig dahin wie ein Murmelbach?“
„Und träge träume ich von der Flut.“