Einsamkeit mit dir

Die Nächte sind verschwunden
Sterne behängen nun immer den Himmel
Mir ist die Zeit zerronnen
Blutig in der Erde

Deine Tränen sind schon sinnlos
Ich singe wieder Kinderlieder
Der Regen geht achtlos unter
Im steigenden Meer

Und wir sehen uns den Sonnenaufgang nicht mehr an
Was wäre er uns schon mehr als Erinnerung
Taubheit in allen Gliedern
Das Gesicht wird langsam fahl

Nein, da gibt es nichts mehr
Und mit den Fragen
Sind auch die Gedanken gestorben
Hirntod, lachst du mich aus

Wir vergessen die Einsamkeit
Weil wir uns selbst von vergilbten Fotos anlachen
Die Goldrahmen
Sind rot von Rost

Ich lege mich hin
Du bist noch gar nicht müde
Gehe nochmals alleine
Komm ohne mich zurück.

19. August 2002

Zeittot

Ich lebe mich durch den Tag
Durch jede Stunde
Jede Minute

Der Bauch ist leer
Das Gehirn hat schon länger seinen Geist aufgegeben
Gefühle auf Standby

Kunstlicht in den Augen
Musik tropft aus den Ohren
Das Nichtstun

Macht mich Zeittot

26. September 2002

In der chemischen Reinigung

„Entschuldigen Sie“, sagte ich zu dem Mann hinter der Theke
Und drückte ihm mein Herz in die Hand
Er gab mir einen grünen Zettel mit einer Nummer
In zwei Tagen solle ich wieder kommen

Der Mann steckte mein Herz in die Waschmaschine
Er kannte mich nicht
Seine Frau besserte einige beschädigte Stellen aus
Mit Sekundenkleber

Frisch poliert
Wäre niemand auf die Idee gekommen
Dass mein Herz innen faul wäre
Oder gar schwarz

Ich beschloss
In einem Jahr wieder zu kommen

30. September 2002

Der Ton

nimmt dich das wort

nimmt dich der ton
nimmt er dich fort von hier
bewegt er dich

der geist bekommt flügel
segelt ziellos übers land
schwebt

nimmt dich die musik
nimmt sie dich
nimmt sie dich mit sich

höre
höre genau
hör nicht auf

kommt eine neuer ton
dich zu holen
musst dich nicht entscheiden
für einen von ihnen

flieg
schweb
höre
sieh hin

entgehe dir selbst
auf ton-schwingen
lass dich mitnehmen
auf toten-schwingen
mitnehmen ins anderswo

erkenne dich
erkenne den ton
trag ihn in deinem herzen

11.12.2002

Der Psychiater

Der Arzt sitzt still
Seine Augen werden meerblau
Er wirft seinen Blick
durch mich hindurch
an eine Wand
Tote Antworten
Hängen träge zwischen uns
Gefolgt von gleichgültigen Fragen
Wir wissen beide nicht
Wohin die Tage uns bringen.

14.01.2003

Wir gehen aneinander vorbei

Ich (etwas müde, zerzaust, frisch von der Arbeit, hungrig, nicht unwohl)
Du (gerade aufgestanden, noch etwas schlaftrunken, einem Traum nachstudierend, Kaffee haltend)
Wir (Blick in Augen, etwas ernüchtert)
gehen (langsamen Schrittes)
aneinander (gleichgültig, erkenntnislos, fremd)
vorbei.

14.01.2003

Kurzgedichte

Ich will dich gar nicht wissen
Denn wenn ich dich weiss
vermisse ich dich schon

21. August 2002


Im Grunde wäre es Zeit
Zeit wäre es im Grunde
Zugrunde zu gehrn

22. August 2002


Der Himmel
Sieht zu viele Wolken

5. September 2002


Du hast mir
Den Regen aus der Nacht genommen

11. September 2002


Dunkel, dunkler, schwarz
Dich in mir fühlen
Tief, tiefer, in meinem Kopf
Sende meinen Abschiedskuss
Ins Nirgendwo

11. September 2002


Draussen regnet es
Göttertränen
Der Boden voller Perlen
So scheint es mir
Dämmerdasein

22. September 2002