Der Garten

Als hätte ich geträumt
Führt mein Weg mich
Durch einen Garten

Mächtige Bäume
Werfen dunkle Schatten
Zeugen von einer anderen Zeit

Laub liegt zwischen Blumen
Und die Rosen scheinen mir
Als hätten sie tausend Stacheln

Kugelbäumchen
Strauchhecken
Gebändigte Natur

Drohende Blumenköpfe
Finsteres Zwielicht
Unter geduckten Bäumen

Das Gras
Gesträubt
Wie die Gänsehaut eines schlafenden Riesen

Ein Rascheln durch Halm und Blatt
Der Wind bläst seinen Atem
Auch durch mein Haar

Steine unter meinen Schuhen
Die sich bewegen wie ein Bach
Vorwärtskommen erschwert

Elfentänze unter Lauben
Zwergengeschnaufe aus Dachshöhlen
Feen tranken aus giftigen Fingerhüten

Die Margeriten sagen der Sonne Lebwohl
Nachtschattengewächs
Erstickt die Reben

Der Klang meiner Schritte
Eilt vorweg
Sucht nach dem Herrenhaus

Das Gebäude
Strahlendes Weiss im Sonnenlicht
Das Schwarz aus der Seele widerhallt

Der Garten wich davor zurück
Die Pflanzen wenden sich ab
Jeder Grashalm biegt sich weg
Oder verdorrte

Durch blinde Fenster blicke ich in den Garten
Wünsche mich zurück
Sehe zwischen Maiglöckchen
meinen Körper verwesen.

29. Oktober 2000

Besuch im Zoo

Nachmittag, die Sonne lacht vom Himmel
Im Zoo flanieren die Besucher
Chamäleons, die mit ihren Augen jeder Fliege folgen
Ochsen aus fernen Ländern, aus Schottland, Australien und den USA
Lamas traben von einer Ecke ihres Geheges in die andere
Elefanten träumen von der weiten Steppe Afrikas

Wölfe dösen in Gruppen und warten auf den Mond
Enten schnattern im Weiher als gehörten sie dahin
Leguane warten reglos auf Futter
Löwen tigern unruhig hin und her
Im Aquarium bestaunen die Kinder Pinguine
Nebenan machen die Affen Lärm
Gorillavater trommelt sich auf die Brust und sorgt für Ruhe
Ein Storch beginnt darauf zu klappern
Rehe vom nahen Wald gaffen die Giraffen staunend an

29. Oktober 2000