annas Bauch

Ich erkannte annas Gesicht, nicht jedoch ihren Bauch. Er war angeschwollen, unglaublich dick. anna lehnte sich leicht nach hinten und stützte mit den Händen den Rücken. Ihre Lippen umspielte ein Lächeln, als sie meinen fassungslosen Blick sah. „Du, du bist schwanger!“, stiess ich hervor, und gleichzeitig tönten mir alle meine Aengste in den Ohren.

Ich trank einen Cappuccino, anna Tee. Sie hatte nie zuvor Tee getrunken. Ihr sei jedoch seit der dritten Woche dauernd schlecht geworden, wenn sie Kaffee roch, so hatte sie es auch gemerkt, erkärte sie mir. Nun, kurz vor der Niederkunft, konnte sie ihn zwar wieder riechen, jedoch immer noch nicht trinken. Das war die einzige Erklärung, danach sprachen wir wie immer über Gott und die Welt. Als wäre ihr Bauch nicht zwischen uns.

Irgendwann verstummten wir, und ich starrte auf annas Bauch und durch ihn hindurch. Sah mich selbst darin liegen und wünschte mich dahin zurück.

Später hörte ich, dass die Aerzte einen Planeten entbunden hatten. Sie waren verblüfft, als da statt eines nackten Kindes ein kleiner, blauer Planet aus anna herausgedrückt wurde. Der Planet drehte sich einen Moment vor annas lächelndem Blick und entflog dann durch das Fenster, dem Himmel entgegen. Nun stehe ich manchmal da und frage mich, welcher der Sterne da oben annas Welt sein mag. Und ob ich mir selber von dort zuwinke.

In annas Bauch

Schön war uns die Welt
Als wir noch alle Teil von anna
Als wir noch alle in annas Bauch

Nun sehe ich dich schwanger
Und wünsche mich zurück
Wär‘ gerne wieder ein Teil von dir

4. Mai 2002